Mein praktisches Etwas

  • Hidiho,


    wollte erst bei "Mein neuestes Etwas" einen Artikel dranhaengen, dachte mir aber, dass es vielleicht nett waere, einen eigenen Thread fuer praktische Helferlein aufzumachen - und dann passenderweise in der Loetdampfecke.


    Meine erste Vorstellung ist zwar ausnahmsweise auch ein "neuestes Etwas", aber ich moechte diesen Sammelthread als gegenseitige Anregung (gerade auch fuer Bastler-Neulinge) genutzt sehen. Also durchaus auch mal etwas vorstellen, was man vielleicht schon laenger in der Werkzeugecke liegen hat!


    Los geht's!


    Fluke Trendar IC Testclip


    Habe das Teil letzte Woche in der Bucht ergattert - und zwar nur den Testclip an sich ohne Zubehoer - was aber erstmal nicht schlimm ist, da man ihn auch so schon praktisch Nutzen kann. Auf den Fotos steckt er gerade testhalber in einem Apple, der ganz normal laeuft (also nicht heruntergetaktet).


    Im Display kann man die vorherrschenden Logic-States der einzelnen Pins des Chips sehen. Nun ist es unmoeglich bei 1 MHz Takt zu erkennen, ob ein Pin sporadisch fuer einen winzigen Sekundenbruchteil seinen Logic-State aendert. Hier kommt der Drehregler an der Seite ins Spiel: Dreht man ihn z.B. auf "3", so wird der Logic-State des 3. Pins noch einmal gesondert unter dem kleinen Dreieck an der rechten Seite des Displays angezeigt: LED aus = State immer low (0), LED an: State immer high (1), LED blinkt (ca 2-3x die Sekunde): Logic-State wechselt zwischen high und low. Ob der Clip auch undefinierte Zustaende erkennt, kann ich noch nicht sagen, das will erst noch ausgetestet werden.


    Um den absoluten Clou des Testclips zu testen, brauche ich erst noch IC-Sockel mit langen Beinchen (wire wrap): Dann kann man naemlich einen verbauten Chip parallel zu einem Referenz-IC testen (in Echtzeit). Wie das dann geht, erlaeutere ich dann aber noch einmal in einem weiteren Beitrag.


    Auf jeden Fall ein superduper-Teil fuer Leute, die gerne Retro-Elektronik reparieren - das Teil war damals (Ende der 70er) exorbitant teuer, ist aber heute durchaus erschwinglich, wenn mal eins auftaucht.


    -- Klaus

  • Ein interressantes Teil, war mir bisher auch völlig fremd.


    Der Vorteil ist die schnelle Adaptierung (kann man den auch festklemmen, oder drückt man den nur auf das IC?) - bei der Arbeit mit dem Logikanalysator nervt mich immer das langwierige Setzen der Klemmen.


    Die Bauform setzt natürlich viel Spielraum über dem Chip voraus - spätestens bei Bussystemen braucht man mehr oder weniger spezielle Extenderkarten. Außerdem muss ich ehrlich zugeben, dass ich selten die Pegel eines einzelnen Chips messe - häufiger sind Bussignale, die man sich von verschiedenen Chips zusammen suchen muss.


    Wenn man aber einen Chip im Verdacht hat, ist das sicherlich ein sehr schneller und einfacher Weg, die Logikfunktionen zu testen. Spart man sich ggfs. das Auslöten zum Testen.


    Könnte man sich eigentlich auch selber bauen - zumindest die Grundfunktion.
    Hat der Batterien o.ä. oder zieht der seine Versorgung aus den IC-Anschlüssen? Da bräuchte es ja eine intelligente Schaltung, da die Versorgung ja längst nicht einheitlich ist.


    Ich habe mir für meine Wangs eine vorhandene I/O-Karte in ähnlicher Weise gepimpt, indem ich über 2 x 8 Leuchtdioden den I/O-Adress- und Datenbus anzeige. Ist halt noch spezieller, aber geht in eine ähnliche Richtung. Leider habe ich aktuell kein besseres Foto gefunden.

  • Ein interressantes Teil, war mir bisher auch völlig fremd.

    Also nur um die aktuellen States anzuzeigen, gibt es das auch z.B. von Hewlett Packard (HP 548A). Der Vorteil beim Fluke ist halt die Moeglichkeit, schnelle logic state Aenderungen optisch verlangsamt anzeigen zu koennen. Es ist so, als wuerde man mit den Drehregler sagen: "Halte doch mal einenen HP 545A Logic Analyzer an Pin 3".

    Der Vorteil ist die schnelle Adaptierung (kann man den auch festklemmen, oder drückt man den nur auf das IC?) - bei der Arbeit mit dem Logikanalysator nervt mich immer das langwierige Setzen der Klemmen.

    Ist auf den Fotos vielleicht etwas schwer zu erkennen, aber das ganze ist wie eine grosse Waescheklammer, die man auf den (verbauten) IC klemmt.

    Die Bauform setzt natürlich viel Spielraum über dem Chip voraus - spätestens bei Bussystemen braucht man mehr oder weniger spezielle Extenderkarten. Außerdem muss ich ehrlich zugeben, dass ich selten die Pegel eines einzelnen Chips messe - häufiger sind Bussignale, die man sich von verschiedenen Chips zusammen suchen muss.

    Klar - bei der Fehlersuche geht man vom Grossen ins Kleine und dann vom Fehler rueckwaerts. Aber gerade dann, wenn alle Chips verloetet sind, ist man froh um jeden Test, bei dem man nicht erst den Chip ausloeten muss. Wenn alle Chips gesockelt sind, ist der Test mit einem IC-Tester meist schneller.

    Wenn man aber einen Chip im Verdacht hat, ist das sicherlich ein sehr schneller und einfacher Weg, die Logikfunktionen zu testen. Spart man sich ggfs. das Auslöten zum Testen.

    Jain :S - man kann z.B. nicht erkennen, warum ein Logikpegel falsch ist - es kann z.B. auch sein, dass ein anderer Chip, der an dieser Node beteiligt ist, den Pegel auf Null zieht (dafuer gibts dann z.B. den HP 547A, den ich die naechsten Tage mal vorstelle). Aber man findet die fehlerhafte Node schneller!

    Könnte man sich eigentlich auch selber bauen - zumindest die Grundfunktion.
    Hat der Batterien o.ä. oder zieht der seine Versorgung aus den IC-Anschlüssen? Da bräuchte es ja eine intelligente Schaltung, da die Versorgung ja längst nicht einheitlich ist.

    zu 1: Hatte ich mir auch schon gedacht - nen billig-USB Logic Analyzer mit 16 Messleitungen und dem richtigen Programm ...


    zu 2: Source und Drain findet die Schaltung ueber entsprechende Dioden selbst. Fuer den Betrieb mit Referenzchip braucht man allerdings angepasste Steckkontakte (siehe z.B. hier - man verzeihe mir bitte den volatilen Link). Deswegen warte ich ja auch noch auf die Sockel mit den langen Stiften. Hier muss man die Pins der Ausgangssignale kuerzen, damit die Testklemme sie von denen des verbauten Chips unterscheiden kann. Die sind je nach getestetem Chip allerdings unterschiedlich - deswegen sind beim kompletten Set auch eine Reihe unterschiedliche Sockel beigelegt.

    Ich habe mir für meine Wangs eine vorhandene I/O-Karte in ähnlicher Weise gepimpt, indem ich über 2 x 8 Leuchtdioden den I/O-Adress- und Datenbus anzeige. Ist halt noch spezieller, aber geht in eine ähnliche Richtung. Leider habe ich aktuell kein besseres Foto gefunden.

    Das ist - gelinde gesagt - einfach nur cool :thumbup:


    -- Klaus

    [ ... to boldly code where no byte has gone before ... ]

  • Mein Praktisches Etwas ist etwas sehr Simples, dass mir aber sehr geholfen hat. Kugellagerfett hat die Abspielgeschwindigkeit meines Kassettenlaufwerks für den EXL 100 (ein normaler Recorder mit Diodenstecker als Anschluss) für 3,99 Euro wieder hingekriegt. Das Teil läuft wie eine Eins. Wer also was zu schmieren hat... :thumbup:


  • Mein Praktisches Etwas ist etwas sehr Simples, dass mir aber sehr geholfen hat. Kugellagerfett hat die Abspielgeschwindigkeit meines Kassettenlaufwerks für den EXL 100 (ein normaler Recorder mit Diodenstecker als Anschluss) für 3,99 Euro wieder hingekriegt. Das Teil läuft wie eine Eins. Wer also was zu schmieren hat... :thumbup:

    Das richtige Schmiermittel fuer den jeweiligen Zweck zu finden ist manchmal auch eine Wissenschaft fuer sich. Kannst Du uns naeheres sagen (Marke / Produkt / genaue Anwendung)?


    -- Klaus

    [ ... to boldly code where no byte has gone before ... ]

  • Im Sommer habe ich einen EXL 100 von Exelvision auf dem Flohmarkt gefunden. Dabei lag eine Menge Software, teilweise auf Modulen und teilweise auf Kassette. Um das Gerät möglichst Anwender freundlich zu gestalten, ist die Verwendung eines gewöhnlichen Kassettenrecorders beliebiger Marke vorgesehen. Er wird über ein Diodenkabel angeschlossen. In dem Fall habe ich einen alten Kassettenrecorder der Marke Brandt Electronique auf dem Flohmarkt entdeckt. Leider war die Bandgeschwindigkeit viel zu langsam. Man konnte das gut mit Audiokassetten testen. Um die Antriebsteile zu schmieren (Capstan, Übersetzungsrollen. Aufhängung der Andruckrolle etc.), habe ich dann auf einen Tipp hin Kugellagerfett benutzt. Üblicherweise sind Kugellagerfette harzfrei und sind von allen Marken geeignet. Meins ist von Hanseline.
    Die Hintergrundstory habe ich hier besprochen:


    https://www.forum64.de/index.php?thread/70989-exl-100-tape-mit-problemen/&postID=1101454#post1101454



    Der Trick sollte bei allen Geräten funktionieren, die Kassetten abspielen, aber ohne Garantie im Einzelnen.

  • Also bei Rennrädern bewährt sich "Galli" ( Da saust die Maschine !), besonders im Sommer - was man aber sicher eher im Rechner nicht haben will.


    Vielleicht solltest Du noch dazu sagen, daß Du die Datasette auch warm gefönt hast - das scheint mir der eigentliche Trick zu sein. Ohne würde das neue Fett sicher nicht viel Wirkung gehabt haben.
    Isopropanol zum Gummiauffrischen habe ich auch noch nicht gehört, werde das aber mal Testen. Danke für den Tip.



    Und hier als Bild, was ich als super praktisches Tool UNBEDINGT empfehlen würde. Man braucht das selten, aber wenn ...
    Und gleich die richtige Entlötsaugpumpe kaufen, also nicht die aus der Wühlkiste, die saugt dann nämlich nicht, weshalb man sich dann wundert, was so toll an dem Tool sein soll - bis man eben doch mal ein ordentliches Modell in die Hand bekommt.

  • RS-232 / V.24 Helferlein


    serielle Verbindungen können manchmal ein ziemliches Problem darstellen. Aus meiner Erfahrung heraus vor allen Dingen, wenn man die Kabelbelegung für ein Gerät nicht kennt (oder schlimmer: Diese von der Dokumentation abweicht). Im Prinzip tappt man völlig im Dunklen, was über die Leitung geht (oder auch eben nicht). Dazu kommen dann noch gerätespezifische Belegungen (mann, was hab' ich in damals ueber den PT-88 von Siemens geflucht) und Steckertypen (vor allem 9-Pol. und 25 Pol. SUB-D).


    Deswegen hilft eine gescheite Diagnoseanzeige ungemein weiter.


    Am Anfang hab' ich mir für jeden Zweck das richtige Kabel zusammengelötet, aber irgendwann war ich das immer weiter anwachsende Kabelsammelsurium leid. Ich bin dann wieder dazu übergegangen, alle speziellen Kabel auf 1:1 straight through zurückzufriemeln und spezielle Patches nur noch in Jumperboxen zu realisieren. Das hat den riesigen Vorteil, dass man nicht irgendwann Zilliarden verschiedene Seriell-Kabel in dem Ecken rumfliegen hat. Und das Löten von Verbindungen ist in den Jumperboxen auch viel angenehmer.


    Versprochen: Mit den Adaptern in Bild 1 und ansonsten nur 1:1 Kabeln kann man 100% aller Sub-D Probleme abfackeln.


    Wenn man nicht SUB-D-Buchsen an seinen Rechnern hat (DIN oder Mini-DIN kommen auch mal gerne um die Ecke), dann empfehle ich das Anschaffen (oder Löten) von entsprechenden Adaptern auf DB-25 oder DB-9.


    Also...


    Foto 1: Das Must-Have des RS-232 Baendigers:


    1 Gender Changer SUB-D 25 Buchse auf Buchse
    2 Gender-Changer SUB-D 25 Stecker auf Stecker
    3 Adapter SUB-D 25 Buchse auf Sub-D 9 Stecker
    4 Adapter SUB-D 9 Buchse auf SUB-D 25 Stecker
    5 Jumperbox zum Löten von speziellen Belegungen (6: geöffnet), am Besten in Stecker-Buchse-Ausfuehrung
    7 Check-Tester zum Anzeigen, welche Signalleitungen belegt sind
    8 Quick Tester mit Schaltern zum Herstellen der 99% üblichen Verdrahtungsvarianten


    Fotos 2 und 3: Verwendung des Check Testers:


    Erst mit dem einen, dann mit dem anderen Kommunikationspartner testen, ob eventuell die Signale auf den gleichen Leitungen kollidieren (so wie es hier der Fall ist - beide Komminikationspartner benutzen zum Senden die Leitungen 2, 4 und 20). In dem Fall muss eine Verkreuzung der Signalleitungen hergestellt werden.


    Foto 4: Testen von gekreuzten Signalleitungen mit dem Quick Tester


    Hier kommt der Quick Tester mit seinen Schaltern gelegen. Ich finde die LEDs nicht ganz so informativ, wie beim Check Tester, aber man kann leicht verschiedene Varianten durchprobieren. Gerade die Varianten bei DSR/DTR/Carrier sind mit dem Loetkolben sonst sehr aufwendig zu Testen.


    Abschliessende Anmerkungen:


    Ich habe hier die Bezeichnungen Quick Tester und Check Tester verwendet, weil sie bei meinen Prüfadaptern so drauf stehen und man das gelesene den Fotos zuordnen kann. Tatsächlich gibt es die lustigsten Bezeichnungen in der freien Wildbahn. Aber wenn man nach RS-232 Tester oder V.24 Tester sucht, wird man schnell fündig.


    -- Klaus

  • Oh ja, auch ein sehr interessantes Thema ... :applaus:


    Mir geht es ähnlich, allerdings bin ich noch (?) der Meinung, spezialisierte Kabel sind praktischer. Ich benutze diese Werkzeuge nur, um die korrekte Belegung herauszufinden bzw. für Testaufbauten.


    Allerdings muss ich sagen, dass ich z.B. 3) und 4) in dieser Bauform heute zum ersten Mal sehe. Ich besitze nur die "normalen" Adapter, die 5-6 cm Bautiefe haben. Tester, Adapter, Gender Changer, evtl. noch Null-Modem-Adapter summieren sich dann gerne zu einem 20 cm langen Ungetüm.
    Und manchmal möchte man auch mal zwei oder mehr Verbindungen gleichzeitig haben, dann reicht u.U. schon mal das Material nicht aus.


    Mein liebstesTeil ist auch ganz klar der Tester, bevorzugt in der Bauform wie im angehängten ersten Bild. Das zweite Bild zeigt mein zweitliebstes Werkzeug - dort werden die nötigen Verbindungen wie auf dem Breadboard gesteckt.


    Ein nicht zu vernachlässigendes Problem ist, dass das Thema V.24 schon lange am Aussterben ist. Die klassischen Quellen liefern diese Adapter kaum noch. Vielleicht sollte ich die letzten verbliebenen Quellen noch nutzen, um einen Vorrat von Jumperboxen anzulegen - falls ich das mal genau so sehe wie Klaus aus der verbotenen Stadt. :P


    Übrigens: Irgendwann habe ich mir voller Hoffnung einen Tektronix Data Comm Tester (832 oder 833) wie in diesem Thread zugelegt, aber ohne vernünftige Anleitung ist das dann doch ein Kaliber zu kompliziert. ?(


    Georg