ICL Quattro bootet nicht vollständig

  • Hallo zusammen,


    ich habe vor kurzem einen der Rechner aus der Rubrik "Sonstige" aus dem Lager geholt: einen ICL Quattro mit Concurrent CP/M und Anschlüssen für 4 Terminals. Eigentlich hatte ich Angst, dass dort eine Batterie drin sei, die Ärger machen könnte, aber das war unbegründet - er hat keine.


    Allerdings macht die Platte Schwierigkeiten. Zunächst wollte sie überhaupt nicht sauber initialisieren, klapperte und blinkte, und das System meldete dauernd "disk not ready".


    Irgendwann nach dem 27. Startversuch hatte sie sich das dann wohl überlegt und fing an zu booten. Leider kommt dann irgendwann ein etwas seltsames Geräusch vom Steppermotor, und der Bootvorgang bleibt mittendrin hängen. Die letzte Meldung auf dem Terminal sagt dann aus, dass neben xxx KB Hauptspeicher eine Festplatte mit 0 KB gefunden wurde.


    Ich habe jetzt Dutzende Startversuche hinter mir, habe den Rechner und die Platte auch mal eine Stunde warm laufen lassen - kein Erfolg. Disketten habe ich leider keine, deshalb ist die Festplatte meine einzige Hoffnung.


    Es handelt sich um eine MFM-Platte Miniscribe 8425. Mein aktueller Plan sieht vor, einen 286er oder 386er PC mit MFM-Controller und einer anderen Bootplatte aufzusetzen, und die Platte dort sektorweise auszulesen - soweit das geht. Wenn da allerdings relevante Teile unlesbar sind, wird das auch nicht viel helfen.


    Hat sonst jemand eine Idee? Oder gibt es hier evtl. sogar jemand, der so einen Rechner oder Medien dafür hat?


    Georg

  • Die Platte hat wohl nen relativ guten Selbsttest ... evtl. den mal ausprobieren (und vorher einlesen ob der konservativ oder destruktiv ist) - http://bk0010.narod.ru/DRIVESPECS/MINISCRIBE/2711.txt.html
    Vielleicht findeste darüber noch was raus um differenzierter Testen zu können.


    Wenn ein einmaliger Bootversuch zumindest im Ansatz geklappt hat, scheinen mir zumindest noch geringe Chancen gegeben zu sein die Festplatte noch irgendwie zu verwerten.

  • Guten Morgen und Danke für den Input,


    Die Platte hat wohl nen relativ guten Selbsttest ... evtl. den mal ausprobieren (und vorher einlesen ob der konservativ oder destruktiv ist) - http://bk0010.narod.ru/DRIVESPECS/MINISCRIBE/2711.txt.html
    Vielleicht findeste darüber noch was raus um differenzierter Testen zu können.


    Das mit dem Selbsttest hatte ich auch schon gefunden, es gibt sogar ein paar YT-Videos dazu. Allerdings hatte ich diese ausführliche Beschreibung noch nicht gefunden, danke für den Link.
    Bei den ersten Versuchen hatte die Platte noch einen Fehler "gemorst" - mangels Doku konnte ich das aber nicht entziffern. Inzwischen bootet sie ja (übrigens regelmäßig), bleibt dann aber mittendrin hängen.
    Den Selbsttest hatte ich schon (ganz mutig) ausprobiert, aber der wurde nach relativ kurzer Zeit abgebrochen. Jedenfalls scheint er nicht destruktiv zu sein, denn gerade von den ersten Spuren scheint sie beim Booten ja noch was Sinnvolles zu lesen. Ob sie nach dem Selbsttest wieder was gemorst hat weiß ich nicht mehr - werde ich noch mal probieren.


    Ist auf dem CPU Board nicht eine blaue Batterie für die real-time clock?


    Das war ja meine Befürchtung, weshalb ich die Maschine überhaupt hervorgeholt hatte. Aber meine Karten sehen komplett anders aus als die, die im Netz zu finden sind, und insbesondere ist *keine* Batterie/Akku verbaut. Meiner nutzt auch einen 8086 statt des 80286, und der Festplattencontroller ist irgendwas proprietäres und nutzt kein SCSI.


    Schau doch bitte mal hier unter Concurrent CP/M-86:
    http://www.cpm.z80.de/source.html
    Damit ließe sich doch sicherlich eine Bootdiskette erstellen (CCPM.SYS).


    Dort war ich bei meiner Suche auch schon, das wird vermutlich hilfreich sein, um ggfs. die "Verluste" auf der Platte zu ersetzen. Aber ob es für eine Bootdiskette reicht bezweifle ich.
    Ich habe sogar bei bitsavers.org Diskettenimages von Concurrent CP/M-86 gefunden. Ich weiß bloß nicht, für welche Maschine. Ich kenne mich mit den jüngeren CP/M-Versionen nicht so aus, aber bei den alten 8-Bit CP/Ms (2 und 3) hast Du ja rechnerspezifische Systemdisketten mit spezialisierten Boot-Routinen, die nicht austauschbar sind.


    Ich werde das trotzdem versuchen; dafür muss ich nur meinen PC mit 5,25" Laufwerk erst wieder reaktivieren.


    Ein vorsichtiges "reseating" der Boards könnte m.E. auch Wunder bewirken.


    Eher unwahrscheinlich. Das System bootet sauber, macht einen kompletten Selbsttest, greift dann auf die Platte zu, macht noch einiges, gibt einiges aus, und bleibt dann nach einem seltsamen Geräusch vom Steppermitor hängen. Ob der da irgendwo mechanisch anschlägt oder falsch angesteuert wird kann ich (noch) nicht sagen. Mir scheint aber alles auf die Platte hin zu deuten.


    Georg

  • Fritz hat doch diese praktischen MFM-Emulatoren, mit denen man MFM-Platten auch auslesen kann.
    Damit sollte es doch zumindest möglich sein, festzustellen, ob alle Sektoren noch lesbar sind.
    Denn nach der Fehlerbeschreibung (Stepper mach komische Geräusche, und dann ist Feierabend) wäre es ja auch denkbar, daß der Rechner verucht, eine nicht existierende Spur anzufahren.

  • Fritz hat doch diese praktischen MFM-Emulatoren, mit denen man MFM-Platten auch auslesen kann.
    Damit sollte es doch zumindest möglich sein, festzustellen, ob alle Sektoren noch lesbar sind.
    Denn nach der Fehlerbeschreibung (Stepper mach komische Geräusche, und dann ist Feierabend) wäre es ja auch denkbar, daß der Rechner verucht, eine nicht existierende Spur anzufahren.


    Ja, das wäre sicher ein sinnvoller Ansatz - vor allem, wo an einem dieser Dinger noch immer mein eigener Beaglebone dran hängt ;)
    Leider fehlt mir im Moment die Zeit für ein Rendezvous mit Fritz, aber wenn ich mit "Hausmitteln" nicht weiterkomme, werde ich das sicherlich mal machen.
    Eine fehlerhafte Ansteuerung durch den Rechner wäre auch eine Erklärung, aber da die Festplatte ihren Selbsttest auch nicht durchzieht, glaube ich eher, dass dort das Problem liegt. Leider habe ich es heute nicht mehr geschafft, das noch mal zu testen.

  • Würde dir ein Miniscribe 8225 XT (nur das graue Gehäuse/Festplatte) weiterhelfen ... schenke sie dir, falls du sie anschließen kannst.


    Danke für das Angebot! :thumbup:
    Wenn ich Dich richtig verstanden habe, geht es um die Festplatte ohne Elektronik?
    Momentan glaube ich nicht, dass mir das weiterhelfen würde, aber ich werde es im Hinterkopf behalten. Wer weiß, in welche Richtung sich das noch entwickelt ...

  • eider fehlt mir im Moment die Zeit für ein Rendezvous mit Fritz,


    mir nicht und wenn es dir wichtig ist komme ich gerne vorbei. (Mhmm was kann ich denn noch brauchen :grübel: )


    Jedenfalls ist das BBB mit Karte leichter als dein ICL. ^^



    Nachtrag: du solltest die Festplatte jetzt wirklich nicht mehr quälen. :prof:

  • Na, da ist er ja! Ich hatte Dich früher erwartet, Fritz :D


    mir nicht und wenn es dir wichtig ist komme ich gerne vorbei. (Mhmm was kann ich denn noch brauchen :grübel: )


    Jedenfalls ist das BBB mit Karte leichter als dein ICL. ^^


    Nachtrag: du solltest die Festplatte jetzt wirklich nicht mehr quälen. :prof:


    Naja, manchmal hilft es - s.u.


    Welches Modell hast du denn?


    http://www.vintage-icl-computers.com/icl3


    Es ist ein ICL PC Quattro, der "normale". Sieht aus wie auf dieser Seite (danke übrigens für den Link - seltsamerweise habe ich diese Seite bei meiner Suche nicht gefunden :( ), allerdings mit einer Floppy und mit dem Bildschirm, der bei bem ICL PC 16 zu sehen ist.


    So, und jetzt die Neuigkeiten. Ich hatte heute abend noch mal den Selbsttest gestartet, und dieses Mal lief er auch komplett durch, ohne Probleme. Daraufhin habe ich die Platte wieder angeklemmt, und siehe da - jetzt wusste er plötzlich, dass sie 20MB hat, und startete komplett durch. Einfach geil!
    :juchee:


    Da wir jetzt keine Fehler mehr suchen müssen, habe ich stattdessen noch ein paar Details zu dem Rechner:

    • Bei einem der ersten Startversuche sind die üblichen Kondensatoren hochgegangen. Es knallte und zischte, und bevor ich an den Netzschalter kam blies der Ventilator schon eine dichte stinkende Rauchwolke durch die Floppy nach draußen. Da war dann erst mal wieder Lüften angesagt. Ich habe sie noch nicht gesehen, aber dem Geruch nach sind das wieder diese Metallpapierkondensatoren.
    • Das Floppylaufwerk habe ich getauscht, ein TEAC FD55FV mit 80 Spuren und 7xx KB. Das originale entriegelt nicht richtig und gibt damit die Diskette nicht frei.
    • Der Rechner hat - wie schon erwähnt - keine Batterie, deshalb muss man beim Start die Systemzeit setzen. Angenehm: das System ist 2000-fähig!
    • Die Tastatur des Terminals wollte auch nicht richtig. Glücklicherweise kann man die komplett zerlegen, und obwohl ich schon Sorgen hatte, die Leitgummistempel irgendwie behandeln zu müssen hat es dann doch gereicht, die gegenüberliegenden Kontakte mit dem Glasfaserpinsel zu reinigen.
    • Das System erscheint mir ziemlich ausgefuchst - mit Setup- und Config-Programm, Batchdateien, MS-DOS-Modus, umfangreicher Hilfe. Alle Systemkommandos, die ich bisher gesehen habe, haben einen interaktiven Modus mit Menüsteuerung.
    • Dem Namen nach können 4 Terminals angeschlossen werden, tatsächlich hat der mindestens 5 serielle Ports (plus zwei weitere für Spezialanwendungen wie Netzwerk). Auf jedem Terminal sind bis zu 4 virtuelle Konsolen möglich - allerdings stößt der 8086 dann doch an seine Grenzen.


    Insgesamt ein interessantes Gerät mit einem interessanten Betriebssystem. Da stecken bestimmt noch ein paar nette Überaschungen drin. Ich versuche jetzt aber erstmal, die Festplatteninhalte irgendwie zu sichern.


    Gruß
    Georg

  • Insgesamt ein interessantes Gerät mit einem interessanten Betriebssystem. Da stecken bestimmt noch ein paar nette Überaschungen drin. Ich versuche jetzt aber erstmal, die Festplatteninhalte irgendwie zu sichern.


    Nichts mehr machen, ich komme am Sonntag vorbei. :prof:
    Dann lesen wir die HD ein, klemmen eine seagate dran oder dein BBB und eine MFM-Emulatorkarte bleibt bei dir - natürlich nur leihweise.

  • Welches Modell hast du denn?


    http://www.vintage-icl-computers.com/icl3


    Ich hatte den Burschen wegen Images der Systemdisketten und Systemmanual angemailt....


    Die Antwort war freundlich aber negativ . :fpa:


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    Hello Fritz,


    Thank you for your interest in the ICL site I hope that it is of interest to you as this is its purpose.


    As regards to any ICL software, I am afraid that I do not give out copies as this is a museum.


    Regards,
    Pete

    ##############################################################################

  • Ich habe noch jemand ausfindig gemacht der helfen kann.


    Durch ihn habe ich 4 Diskettenimages für den ICL bekommen die ich auf Diskette geschrieben habe. Morgen gehen diese zur Post an den Georg, damit es es einfacher hat. 8-)




    #######################
    X-----MAIL an mich ---------x


    Hello Mr. Chwolka.


    I'm sorry for a long time before I wrote the answer for you.
    Yes, I managed to get the operating system for the computer ICL QUATTRO.
    Operating System CCP / M86 I received from Mr. Jon Hales of England.
    I am very thankful that he helped me and sent me a floppy disk images for ICL QUATTRO.
    Operating System CCP / M86 PC ICL QUATTRO I searched for
    almost 15 years.
    On the website, there is no option to download the operating
    system, or floppy disk image ICL.
    Ready to help you and send you the floppy disk images during the day tomorrow.
    Operating system version to send the Concurrent CP / M86 version 3.1s (issue 1)
    The operating system was designed for PC ICL model 39, but also works on ICL QUATTRO.
    System Version 3.1s (issue 1) support hard disk drives
    RODIME - 5 megabytes, 10 megabytes, 20 megabytes and MICROSCIENCE 1324 - 50 megabytes


    The system does not support hard disk MINISCRIBE 8425 = 20Mb / 614 cyl / 4 head / 17 sec /. ### fritz: warum ?? ####


    Regards, Martin Jambor


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  • Nach langer Zeit hier nun ein Update, um das Thema abschließen zu können:


    Wie in dem Nachbarthread beschrieben habe ich mit Hilfe von fritzeflinks grandiosem MFM-Emulator eine 1:1-Kopie der Festplatte erstellt. Trotz meiner Skepsis konnte ich damit den Rechner problemlos booten.


    Es ist eigentlich unglaublich!! Tolles Teil!


    Ich habe jetzt ein Image, von dem aus ich mit Hilfe des MFM-Emulators beliebige echte Platten beschreiben kann - naja, ganz beliebig darf es doch nicht sein. MFM sollte es schon sein, und die Geometrie sollte auch (halbwegs) passen. Mal sehen, was sich da noch findet. Immerhin war mein ursprüngliches Ziel, die altersschwache Miniscribe zu ersetzen ...


    Ein herzlicher Dank an alle und besonders an Fritz!

  • :thumbsup:


    Die erstellten MFM-Images bitte an mich senden.


    Das lässt sich wohl machen.


    Zuerst musste ich mich aber wieder um die Hardware kümmern: Der Rechner meinte, er müsste mal wieder eine rauchen :cursing:
    Wie immer die blöden Rifa MP-Kondensatoren:



    Da schützt auch ein sauber aufgebautes Netzteil nicht vor (ich musste knapp 20 Schrauben lösen, bis ich die Platine in der Hand hatte). Interessant dabei: Der Rechner hatte mir schon vor einem halben Jahr den Keller vollgequalmt - damals hatte ich keine Zeit und Lust, den Kondensator auszubauen. Da die ja i.d.R. weiterlaufen, auch wenn es den Kondendator zerlegt hat, habe ich mir das erst mal gespart. Als der jetzt wieder qualmte und zischte und stank dachte ich zunächst an einen zweiten Kondensator - aber es gibt nur einen davon im Netzteil. Die können also auch zweimal rauchen :shock:


    Dass MP-Komdensatoren selbstheilend sind wusste ich, aber das habe ich auf kleine interne Durchschläge bezogen - wenn die einmal geplatzt sind und ihr Isolationsöl in Rauch umgesetzt haben hätte ich eigentlich erwartet, dass es das war....