Commodore 610 - Netzfilter ausbauen

  • Hallo zusammen,


    Toast_r hat mich freundlicherweise aus dem Forum64 hier herübergelotst und ich versuche mein Glück einmal hier. Ich habe einen CBM 610 bekommen und möchte ihn gerne anschließen, Glücklicherweise waren einige Stecker nicht am Netzteil angesteckt, als ich ihn blauäugig ans Netz gehangen habe. Zunächst riet Toast_r mir nämlich, den Netzfilter zu tauschen. Also gut, ich will ja nicht, dass mir das Ding um die Ohren fliegt. Der Vorschlag: Das Teil rausnehmen, die Kabel abschneiden und mit Lüsterklemmen wieder anschließen bis zum nächsten Treffen mit einem Fachmann auf einer der kommenden Veranstaltungen.


    Hier ein Bild von dem Übeltäter:
    https://cdn01.trixum.de/upload…41bc7a52f26d17e4d66b5.jpg


    Jetzt geht's ans Eingemachte: Einfach abschneiden ist ja schnell getan, ich möchte aber vorher genau wissen, wie ich mit den Kabel danach weiter zu verfahren habe, also was wo anzuschließen ist.


    Bonusfrage: Warum komme ich ohne das Teil aus und muss es nicht gegen ein neues tauschen?


    Viele Grüße und danke schon mal für die Hilfe!
    Boris

  • Ganz einfach: Alle vier Leitungen an dem Filter abschneiden und diesen dann entnehmen, dann jeweils einen schwarzen mit einem blauen verbinden.
    Der Filter soll verhindern, dass Störungen aus dem Rechner ins Stromnetz gelangen. Laufen tut der auch ohne, sollte aber der Ordnung halber ersetzt werden.


    Gruß, Gerd

  • Alles klar, da schau ich mal vorbei. Danke!


    Was den neuen Netzfilter betrifft, habe ich gerade mal einen Blick ins Gehäuse mit (wieder) montiertem Netzteil geworfen: Der Ersatz, den ADAC vorgeschlagen hat, ist zu lang. Denn beim Zusammenbau würde der dann mit dem auf der Oberschale montierten Netzteiltrafo zusammenstoßen. Heißt also: Den kann ich nicht nehmen. Gibt es denn diese zylinderförmigen externen Netzfilter auch noch? Da habe ich nach langer Suche im Netz nur gebrauchte Ware gefunden, die für mich ausscheidet. Oder gibt es kompaktere Varianten des oben beschriebenen? Ansonsten muss er dann eben doch ersatzlos rausfliegen.

  • Viele Sammler alter Technik sind von solchen Problemen betroffen.


    Ganz allgemein gilt für elektrische und elektronische Geräte, die 25 Jahre und älter sind :
    Sofern darin trockene Papier-Kondensatoren enthalten sind, haben diese ihr Lebensdauerende erreicht, die Eigenschaften insbesondere der Isolation haben sich weit entfernt von der ursprünglichen Spezifikation.


    Insbesondere gilt das für Consumer-Geräte aus dem Zeitalter der Elektronenröhren, also Radio-Fernseh-etc.-Geräte. Darin finden sich meist Papier-Cs, die unbedingt und ausnahmslos vor dem ersten Einschalten heraus müssen - alles andere kann Schäden, aber auch Feuer- und Lebensgefahr hervorrufen.


    Bei Geräten der 80er und 90er Jahre befinden sich Papier-Cs, falls überhaupt welche vorhanden sind, meist nur im Netzeingang, oft verborgen in Netzfiltern.
    Insbesondere im gealterten Zustand verschlechtern diese ihre Daten noch weiter, wenn sie unter erhöhten Betriebstemperaturen an Spannung liegen. Und genau das passiert bei längerer Betriebsdauer, das Gerät wird warm, damit auch die gealterten Cs - und dann knallt es. Oder es brennt. Oder das Gehäuse steht plötzliuch unter voller Netzspannung !


    Sofern ein Gerät einen Netztrafo besitzt : Die auf 220V geschalteten Transformatoren werden bei der aktuellen Netzspannung von 230V wärmer, als bei 220V, sofern man sie nicht umschaltet auf 230V, das kommt noch hinzu, die Geräte werden also im Normalbetrieb wärmer, als früher. Das belastet die Bauelemente zusätzlich. Ein nicht gerade besonders knapp dimensionierter Trafo hält das zwar aus, aber in jedem Fall ist es zu empfehlen, eine 230V-Anzapfung auch zu benutzen.


    Mit Bastler-typischer Messtechnik oder irgendwelchen Baumarkt-Multimetern kann man solche Bauteile wie gealterte Papier-Cs in der Regel nicht prüfen, man kann den gealterten Zustand damit nicht nachweisen. Aber das braucht man auch gar nicht, weil eben ohnehin immer alle Papier-Cs aus alten Geräten raus müssen.
    Kunstfolien-Cs hingegen sind ebenso wie Keramik-Cs erheblich langzeitstabiler und sind sogar in 60 + x Jahre alten Geräten oft noch einwandfrei. Da muss man also die Bauform ansehen und vor allem die Aufschrift genau lesen, dann bekommt man heraus, was man im Gerät vor sich hat.
    Wer lieber messen möchte, braucht eine C tan delta- Messbrücke (Verlustfaktor-Messbrücke) bzw. eine C-Messbrücke, die eben auch den Verlustfaktor anzeigt - und das dann möglichst bei 50Hz ! Zusätzlich ein Isolationsmessgerät, was mindestens 1Giga-Ohm noch gut anzeigt und das während der Messung eine einstellbare Spannung von 100 ... 1000V an den Prüfling legt. Faustregel : Alles unterhalb 1 G-Ohm (bei Nennspannung des Cs gemessen) ist unbrauchbar geworden.


    Bei günstigen Sonderposten von zB. Pollin empfehle ich aber, unbedingt genau hinzuschauen ! Es kann gut sein, dass die dort angebotenen Netzfilter oder X / Y - Kondensatoren schon x-Jahre lang irgendwo in einem Ersatzteile-Lager gelegen haben und genau deshalb ausgesondert wurden, eben weil die schon so alt sind, dass man die nirgends mehr einbauen sollte und auch niemandem mehr als Ersatzteil verkaufen möchte. Wenn man sowas einbaut, kann es passieren, dass man einen alten, schlechten ersetzt durch einen anderen, der auch schon dicht an der Grenze ist und einem dann vielleicht nächstes Jahr oder übernächstes Jahr im Gerät auseinanderfliegt...
    Die Dinger sind nicht billig - und wenn sie doch billig verramscht werden, dann hat das eben leider oft Gründe.
    Hat man aber Glück, dass einem gut abgelagerte Kunstfolien-Cs angeboten werden bzw. mit solchen Cs bestückte Netzfilter, dann kann man wohl meist zugreifen.
    Um im Netzfilter festzustellen, was drinnen eingebaut ist, braucht man ein Muster, das man öffnet - oder eben doch die C tan delta - Messbrücke.
    Man sollte noch beachten, dass das Ersatz-Filter ähnliche oder größere Kapazitätswerte insbesondere bei der X-Kapazität sowie ähnliche oder größere Induktivitätswerte bei den Spulen aufweist, um sicherzustellen, dass das Ersatz-Filter mindestens ähnliche oder bessere Filterwirkung aufweist, wie das originale. Da gibt's nämlich große Unterschiede !


    Der übliche Nachsatz aus rechtlichen Gründen : Solche Arbeiten wie der Tausch eines Netzfilters oder der Tausch von Kondensatoren im Netzspannungseingang dürfen nur durch dafür qualifizierte Elektrofachkräfte ausgeführt werden ! Fehlerhafte Arbeit oder falsche Bauelemente-Auswahl kann Lebensgefahr oder Brandgefahr hervorrufen !