Entlöten lernen

  • Na, das sieht doch super aus ! Wenn du jetzt noch eine zeitlang übst, wirste demnächst zum Künstler am Lötkolben. Jetzt brauchst du noch einen Tischschwamm und eine Bürste, um den Lötkolben zu reinigen. Außerdem Lötfett und Flussmittel.


    Als Lötzinn benutze ich folgendes:


    - 1mm dick, L-SN60PbCu2/zh mit 3,5% Flussmittel schon enthalten für die Retrorechner

    - 0,6mm 63% Zinn, verbleit in Verbindung mit Amtech NC-559-ASM Flussmittel für SMD Technik.


    Immer schön verbleites Zinn verwenden. Das ist widerstandsfähiger und lässt sich meiner Meinung nach besser verarbeiten. Außerdem sollte man beide Sorten nicht mischen, also bleifrei und verbleit. Gerade bei den Retrorechnern kannste sicher sein, dass da noch mit verbleitem gearbeitet wurde. Ich glaube die ROHS Vorschrift mit bleifreiem Lötzinn kam eh erst in den 2000er Jahren ?!



    Gruss Jan

    Es gibt 10 Arten von Menschen. Die einen verstehen das Binärsystem, die anderen nicht.

  • Immer schön verbleites Zinn verwenden. Das ist widerstandsfähiger und lässt sich meiner Meinung nach besser verarbeiten. Außerdem sollte man beide Sorten nicht mischen, also bleifrei und verbleit. Gerade bei den Retrorechnern kannste sicher sein, dass da noch mit verbleitem gearbeitet wurde. Ich glaube die ROHS Vorschrift mit bleifreiem Lötzinn kam eh erst in den 2000er Jahren ?!



    Gruss Jan

    Das kam Anfang/Mitte 2000. Ich weiss, dass ich bei mir 2006 das erste Mal 500gr Rollen Bleifrei hatte und total scharf darauf war, sofort komplett umzusteigen.

    Dort hatte ich aber echt viele Probleme, wie schlechte Lötstellen, zu kalt, Aussehen (das "schmierte" oft und zog Nasen beim Kolben wegnehmen).


    Aber das ist schon lange vorbei. Ich habe diese Probleme gar nicht mehr. Ich denke die Lote wurden in den letzten 15 Jahren deutlich verbessert.

    Ebenfalls habe ich keine Probleme wenn ich mit verbleitem Zinn auf bleifreien Platinen löte, umgekehrt bindet es manchmal nicht richtig, wird klumpig und sieht aus wie eine kalte Lötstelle.


    Ich habe mir vor kurzem ein relativ Günstiges, Bleifreies, bei Reichelt gekauft ( LZ FP BF 0,35 10 für 17€/100g, Zusammensetzung Sn95,8 Ag3,5 Cu0,7) und bin echt begeistert davon.

    Sn60PbXX hat einen Schmelzpunkt ca. 30...35° unter diesem. Das ist schon einiges, aber man gewöhnt sich auch schnell an die höhere Temperatur. Man muss nur am Anfang aufmerksam sein und ein bisschen herumprobieren.

    Es lässt sich genauso leicht verarbeiten wie das alte, verbleite Zinn. Ich merk da keinen Unterschied.


    Die Lote werden stetig weiterentwickelt und wenn man nicht gerade den letzten Mist erwischt, dürfte das fast keinen Unterschied mehr machen.

    Was ich immer wieder merke, ich möchte möglichst nicht zu heiss löten. Mit Bleifrei wird einem das aber schwer gemacht.

    Ich glaube das Silber in obigem Lot ist zum Senken der Schmelztemperatur. Es gibt auch noch Wismut-Lote, die bei wirklich sehr niedriger Temperatur schmelzen.


    Meine Meinung: wer gerade erst Anfängt, sollte sich gleich mit Bleifrei beschäftigen, das ist schon lange kein Schreckgespenst mehr und kommt dem verbleiten Löten fast gleich.


    //edit: Wenn ich nachdenke, dann kaue ich auf Lippe, Stift, .... und auch Lötzinn herum. Da bekomm ich nicht mehr so 'nen starken Schreck, wenn mir das wieder mal auffällt, seit ich bleifrei löte :)

  • Ja, aber du hast oben selber geschrieben, dass bleifreies Zinn auf verbleitem nicht richtig bindet.

    Wir sind hier aber in einem Forum/Verein zum Erhalt klassischer Systeme, die ab Werk auf jeden Fall mit verbleitem Lot zusammengesetzt wurden. Dem zu Folge wäre es der falsche Weg mit bleifreiem Zinn zu arbeiten.


    Gruss Jan

    Es gibt 10 Arten von Menschen. Die einen verstehen das Binärsystem, die anderen nicht.

  • Ja, aber du hast oben selber geschrieben, dass bleifreies Zinn auf verbleitem nicht richtig bindet.

    Wir sind hier aber in einem Forum/Verein zum Erhalt klassischer Systeme, die ab Werk auf jeden Fall mit verbleitem Lot zusammengesetzt wurden. Dem zu Folge wäre es der falsche Weg mit bleifreiem Zinn zu arbeiten.

    Natürlich ist es nicht ganz ohne Probleme, das wollte ich ja damit sagen.

    Zum löten an einer alten Platine nehme ich auch verbleites. Aber wenn ich eine neue Platine löte ("Bausatz"), die bleifrei verzinnt wurde, dann nehme ich auch bleifrei.

    Kommt eben immer darauf an was man macht. Und sich ganz vom Bleifrei Löten fernhalten ist vielleicht auch nicht der richtige Weg.

  • Wenn man Verbleites Zinn mit nicht verbleitem Zinn mischt, ensteht eine Zinn mischung die sich bei niedrigerer Temp (wie normal) löst. das heist, z.b. wenn man Bauteile hat die sehr warm werden (z.b. PCB´s von High end Grafikkarten) dann löst sich das gemischte Zinn bei weniger als der halben normalen Temp des Schmelzpunktes. So wurde es mir (Oberflächlich) vom Fachmann erklärt. Ich habe bis dahin (und auch jetzt noch) nur mit Verbleitem Zinn gelötet, auch neuere Sachen (also Zinn vermischt) was aber bisher keine probleme mit sich brachte, vieleicht nur weil es noch kein extremfall bei mir gab.

  • Wovor ich auch ein bisschen Bammel habe, dass sich in den Mischungen irgendwelche Reaktionen abspielen, die so nicht vorhergesehen sind. Dazu kenn ich mich zu wenig mit Chemie aus, um anhand der Liste der Inhaltstoffe sagen zu können, "die beiden kann man problemlos mischen".


    Wer weiss, was das Flussmittel X aus Lot Y in einer Mischung mit Lot Z macht... Und die Hersteller werden da sicher kein Augenmerk drauf legen, dass ihr aktuelles, schon seit 15 Jahren gebräuchliches Lot gut verträglich mit abgesetzten Loten ist.

    Alle Lötstellen, die industriell gemacht werden sind "Neu-Verlötungen" und ich habe auch schon in einem Betrieb mitbekommen, dass die dort penibel genau drauf achten, das passende Lot zu verwenden, zu dem, was zum Verzinnen der Platine genommen wurde.


    In dem Link ist auch noch ein guter Tip, der mir geholfen hat nur noch halb so viel Lötspitzen zu verbrauchen. Stahl/Messingwolle statt Wasserschwamm und vor dem Löten, nicht nach dem Löten abstreifen.

    Durch's Hobby-Löten als Kind hat sich das mit dem Wasserschwamm eingebürgert und dann habe ich nie darüber nachgedacht... Irgendwann später hat mir das mal jemand gesagt.

  • Habe gerade mal nachgeschaut. Ich habe folgenden Lötzinn:


    Stannol SN60Pb39Cu1

    HF32 - FG 3,5%


    Habe damit gestern das erste mal gearbeitet. Ließ sich super verarbeiten, aber ich hätte dass Gefühl das da sehr viel Flussmittel drinn ist.


    Sagen die Zahlen jemandem was ?


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    there are 10 types of people in this world, those who understand binary and those who dont

  • Okay. Dann habe ich ja schon einmal Lötzinn mit Blei. Ist das okay was ich da gekauft habe ?


    Dann also noch eine Rolle Bleifrei kaufen.


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  • Wenn du an klassischen Rechnern lötest, brauchst du verbleit. Wenn du an moderner Hatdware arbeitest, brauchste bleifrei. Kommt drauf an, was du machst.


    Gruss Jan

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  • Warum, das Kupfer da drin ist, wusste ich bis w29391's Link auch nicht. Dort steht, das ist drin, dass das Lot die Kupferbahnen nicht angreift.

    3,5% Flussmittel haben glaube ich die Meisten gern und Halogenfrei ist nicht so aggresiv, scheint auf jeden Fall gutes Lot zu sein.


    Ich finde die verlinkte Seite gut, da steht echt viel Hintergrundwissen, worüber man sich als "Anwender" gar nie Gedanken macht. Die Sache mit dem Kupfer z.B.. Hab mich nie gefragt, warum und mit dem Gedanken "der Hersteller wird schon wissen, was er da mischt" abgetan.

  • Nur vermisse ich da die Erklärung, *warum* der Schmelzpunkt niedriger ist

    Das hat mit dem Kristallgitter zu tun. Bei reinem Material bildet sich ein regelmäßiges Gitter aus. Wenn jetzt Fremdatome dazu kommen, passt das Gitter nicht mehr. Um dennoch ein Gitter zu bilden. müssen die Atome langsamer (also kälter) werden.


    Gruß, Jochen

  • Hat jemand aus der Kölner Ecke Zeit und Lust mich beim restaurieren eines Amiga 600 zu unterstützen ?

    Bin halt noch nicht der "Profilöter", Elkos wechseln ist kein Thema, aber habe ein Board mit einem größeren Elkoschaden und würde mich freuen, wenn jemand mir bei bestimmten Reparaturen an dem Board über die Schulter gucken kann oder vielleicht sogar die eine oder andere Reparatur am Board für mich machen.


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  • Wurde schon erwähnt, dass man sich auch Masken basteln kann, die die heiße Luft von den anderen Bauteilen fernhält?

    Das habe ich bei YouTube gesehen. Die haben da irgend so eine gelbe Folie (?) genommen.

    Hast du da mehr Infos ?


    Eine Frage noch an die Lötprofis. Ich erzeuge dauernd hässliche Lötspitzen... eine idee woran das liegen kann ? Also jeder zweite oder dritte Lötpunkt hat bei mir einen kleinen Mount Everest :nixwiss:


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  • Kapton (Polyimid) ist geil. So ab 300 Grad fängt es langsam an knackig zu werden wie Krabbenchips. Wenn man weiter erhitzt riecht es komisch und man kriegt so ein Kratzen im Hals.

  • Verhält sich also gleich wie Handinnenflächen... :grr:

    Wem sagst Du das. Gestern gelötet, Blick durchs Mikroskop, müde, in der linken Hand mit Lötkolben und Flußmittelstift jongliert, die Kappe auf den Flußmittelstift stecken wollen, aber die Kappe auf den Lötkolben gesteckt. Das roch auch komisch. Mal schaun wann das verbrannte PCV aus der Hand rauseitert.

  • Eine Frage noch an die Lötprofis. Ich erzeuge dauernd hässliche Lötspitzen... eine idee woran das liegen kann ? Also jeder zweite oder dritte Lötpunkt hat bei mir einen kleinen Mount Everest :nixwiss:


    Einfach mal weniger Zinn nehmen, wäre mein Tipp - ohne Lötprofi zu sein.

  • Ja genau. Beim Wegziehen des Lötkolbens.....


    --

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  • Ja genau. Beim Wegziehen des Lötkolbens.....

    Etwas weniger Zinn, ggF. mehr Flussmittel und/oder an der Wegziehtechnik feilen ;)

    Nicht einfach nur den Lötkolben wegziehen, sondern versuchen überschüssiges Lötzinn wieder mitzunehmen.

    Dazu darf man nicht zu schnell und nicht zu langsam wegziehen und je nach verwendeter Spitze kann auch die Stellung der Lötspitze eine Rolle spielen.

    Mit der Zeit bekommt man da ein Gefühl für.

  • Ja genau. Beim Wegziehen des Lötkolbens.....

    Etwas weniger Zinn, ggF. mehr Flussmittel und/oder an der Wegziehtechnik feilen ;)

    Nicht einfach nur den Lötkolben wegziehen, sondern versuchen überschüssiges Lötzinn wieder mitzunehmen.

    Dazu darf man nicht zu schnell und nicht zu langsam wegziehen und je nach verwendeter Spitze kann auch die Stellung der Lötspitze eine Rolle spielen.

    Mit der Zeit bekommt man da ein Gefühl für.

    Ich benutze immer eine sehr spitze Lötspitze.


    Hmm, also weiter üben. Kann es vielleicht an zuviel Hitze liegen ?


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