Elkos ausbauen: Alternativen zum gewaltsamen Abreissen?

  • Habe hier ein Netzteilboard, aus FR4-Material, beidseitig.

    Grosse Massebahnen, Lötstelle braucht lange Anheizzeit.

    Elko-Beinchen sind auf Board umgeknickt, so wie auf diesem Beispielfoto.



    Die Elkos mit dem gewohnten Kippeln raus zu holen, klappt nicht.

    Wegen der langen Aufwärmzeit ist der Elko innen längst weich und anstatt dass das Beinchen aus dem Lötloch herausgezogen wird, rührt es nur in der weichen Schmelzmasse im Elko herum.


    So habe ich keinen Ausweg mehr gesehen, als die Elkobecher abzureissen.



    Danach liessen sich die Beinchen greifen und nach Erwärmen der Lötstelle leicht herausziehen.



    Gibt es in solchen Situationen gewaltfreie Alternativen?

  • Um die entstehende Hitze abzuleiten, empfiehlt es sich bei hitzeempfindlichen Bauteilen immer, eine Krokodilklemme dazwischen zu setzen, welche die Hitze vor dem Bauteil umleitet und über ein Hitzeblech etc. abgibt.


    Wird aber in Deinem Fall nichts nützen, da vermutlich kein Platz zur Verfügung steht, um die Klemme zu setzen.


    -

    Grüsse

    Sven

  • ich hab eine kombinierte Löt - und Heissluftstation - damit kriegt man SMD ICs schön runter - ohne Gewalt anzuwenden


    ...allerdings ist gerade bei Netzteil-Platinen seeehr viel Vorsicht geboten! - wenn die nur aus Pappe sind, dann ist meist die Platine nachm Heisslüften ziemlich dunkel und unansehnlich


    https://www.ebay.de/itm/2in1-D…544c54ae0a667af4558d893d4

    ich bin signifikant genug:razz:

  • Also normalerweise gibt man, bei Erwärmung der Lötstellen zunächst etwas frisches Lötzinn mit dazu. Anschließend saugt man das Lötzinn dann mit einer Entlötpumpe und die Reste dann mit Entlötlitze ab. Sollte der Elko dann noch immer hartnäckig sein, die Beinchen abwechselnd mit dem Lötkolben erwärmen und ihn mit einer Zange hin und her bewegen und schließlich abziehen. Weggekniffen habe ich einen Elko bisher nicht...

  • deleted_04-24

    Gute Idee, hilft bei anderen Entlötsituationen bestimmt!


    Shadow-aSc

    Heissluft möchte ich in diesem Falle vermeiden, wegen SMD-Partikeln in unmittelbarer Nähe.

    Da müsste das schon ein ganz winziges Heissluftgerät sein...

    Was benutzt Du denn für ein Gerät?


    Das Abreissen der Elkobecher ging übrigens nur deswegen, weil es sich um hochwertiges FR4 (keine Pappe) handelt.

    Bei Pappe würde wohl eher die Platte brechen als dass der Becher abgeht.


    Bei Pappe würde diese Situation andererseits wahrscheinlich gar nicht auftreten, da man dort mit einem Uhrmacherschraubendreher das Beinchen geradebiegen könnte, während es vom Kolben warmgehalten wird. Aber hier klappte das nicht, wird gleich fest wenn der kalte Schraubendreher in Berührung mit kommt.


    Jedi04

    Das Problem ist die gute Wärmeleitfähigkeit von der Platte... zusammen mit den beiderseitigen grossen Kupferflächen.


    Habe nach dem Herausziehen einige Löcher erst freibekommen, indem ich nen Ersa-TE40 auf 25V (resultiert in ziemlich genau 40W Leistung) drangehalten und bis 20 gezählt habe, dann die auf 444 Grad eingestellte ZD-915-Spitze zusammen mit dem TE40 drangehalten und bis 10 gezählt habe. Erst dann war das Zinn so heiss, dass es komplett weggesaugt werden konnte, ohne noch im Loch wieder zu erstarren.


    Man muss sich das mal vorstellen... eine halbe Minute lang rumbraten bei Temperaturbereichen, wo die Lötspitzen schon in Anlauffarben zu schillern beginnen, nur um den Zinnrest aus dem Loch zu bekommen...


    In so einer Situation hätte ich Angst, Sauglitze zu verwenden.

    Das letzte Mal war traumatisch... der Docht blieb kleben und war ohne Fön nicht wieder abzulösen.

  • Für solche Fälle habe ich einen 250W-Lötkolben mit sehr viel Masse hinter der Spitze (Modell "Dachrinne").


    Es geht einfach drum, dass der Lötkolben mehr Masse mitbringt als das zu erhitzende Leiterbahnmaterial + Zinn + Bauteil, damit man mit der im Lötkolben gespeicherten Hitze auskommt, ohne dass der Kolben groß nachheizen muß. Ist das gegeben, wird das Zeug auch in 2s heiß genug zum Entlöten - dafür kann man dann auch die Entlötpistole nehmen, musst halt schnell sein.


    Tobias

  • Mit dem zd-987 hast du die "Entlötpistole" mit 80w - und den Lötkolben mit 60W.

    Bei heftigen (Wärme)Ableitproblemen nutzt man den Lötkolben wie gewohnt - und die Entlötpistole als zusätzlichen beheizten Sauger (Entlötpumpe).

    Bisher war es genug Hitze. Hatte vorher auch den Hass auf große Masseflächen / kühle Bauteile.


    Stefan

  • Chipquik removal alloy, um den Schmelzpunkt zu senken?

    Zuletzt repariert:

    10.11. defektes µT RAM im Apple //e ersetzt

    10.11. defektes µT RAM im Atari 130XE ersetzt

    12.11. VC20 mit black screen: defekter Videotransistor ersetzt

  • 6502 :


    den Link zu meiner Lötstation hab ich dir bereits oben angehängt


    und um die SMD- Sachen brauchst du dir in Sachen Heissluft echt keinen Kopf machen

    1. die wirst du nicht mit dem Heissluftfön von der Platine runter"blasen" - dazu bräuchte man schon eine Turbine

    SMD Teile halten durch die Kohäsion ziemlich gut innerhalb der Lötpads - die fallen nicht einfach ab, auch wenn das Zinn aufschmilzt - keine Angst

    die werden ja normalerweise in zähflüssige Paste gedrückt und dann im Ofen gelötet - und zwar sowohl stehend als auch hängend - Kopfüber, wenn die Platine 2-seitig ist und auch da fallen sie nicht einfach runter


    2. viele Hersteller kleben zusätzlich ihre Bauteile noch mit einem winzigen Tropfen 2-Komponenten-Kleber in der Mitte an

    ich bin signifikant genug:razz:

    • Offizieller Beitrag

    Ich kippel die immer raus, also ein Beinchen erwärmen und den Elko gleichzeitig sinnig gegen das andere Beinchen kippen. Dann selbiges mit dem anderen Beinchen. Solange wiederholen bis der Elko raus ist.

    Es ist dann übrigens auch egal ob die Beinchen unten umgebogen sind.


    Ich benutze eine alte 80W ERSA Lötstation mit Temp auf 350 Grad.

    Das löst alles.

  • Für solche Fälle habe ich einen 250W-Lötkolben mit sehr viel Masse hinter der Spitze (Modell "Dachrinne").


    Es geht einfach drum, dass der Lötkolben mehr Masse mitbringt als das zu erhitzende Leiterbahnmaterial + Zinn + Bauteil, damit man mit der im Lötkolben gespeicherten Hitze auskommt, ohne dass der Kolben groß nachheizen muß. Ist das gegeben, wird das Zeug auch in 2s heiß genug zum Entlöten - dafür kann man dann auch die Entlötpistole nehmen, musst halt schnell sein.

    Klasse!

    Das war die Lösung!


    Antiker 200W Lötkolben für Blecharbeiten...

    Gut dass ich den nicht weggeworfen habe!


    Hier der Grössenvergleich mit dem 60-Watt Ersa TE40:



    Damit beide Lötstellen gleichzeitig erwärmt und dann Elkos einfach rausgezogen.



    Die Flachzange mit den geriffelten Backen war sehr hilfreich, da die Elkos ziemlich tief drin im Aufbau waren und, weil nicht nur der Kleber gelöst werden musste, sondern beide Beinchen beim Herausziehen auch noch geradegezogen werden mussten, ziemliche Kraft zum Herausziehen brauchten.


    Trotzdem denke ich über die Anschaffung einer kleinen Heissluftpistole nach.

    3 Mal editiert, zuletzt von 6502 ()

  • Und - wenn man das öfters machen will - kauft man einfach eine breite Lötklinge und feilt in der Mitte ein Stückchen raus. Das vereinfacht das Prozedere erheblich und reduziert die Verbrennungsgefahr; ebenfalls erheblich.

    -- 1982 gab es keinen Raspberry Pi , aber Pi und Raspberries

  • Und was bitte lötet man denn mit dem "Flammenwerfer" da ... ? :grübel:

    Man brennt die Platine rund um den Kondensator einfach weg, dann fällt das Lötgut mangels Untergrund irgendwann einfach so zu Boden. Direkt nach dem Auslösen der Feuermelder und dem automatischen Anrücken des ersten Löschzugs... :schreck:

  • ... die Verbrennungsgefahr...

    Ohja.

    Der erste Unfall liess nicht lange auf sich warten.



    Das Monster-Löteisen eignet sich nicht so dolle als Hilfswärme-Zuführer für den Entlöter. Zumindest nicht wenn man Grobmotoriker ist.


    Ich habe irgendwo noch einen ganz feinen Gaslötkolben rumfliegen, fast so klein wie ein Edding-Stift... Damit kann man ordentlich bruzzeln....


    Sowas?



    Die Dinger habe ich in den 90ern überall gesehen, wurden in div. Elektronikläden ab 1 DM/Stk. verkauft.


    Und was bitte lötet man denn mit dem "Flammenwerfer" da ... ? :grübel:

    Würd ich auch gern wissen.

    Wenn das Ding wenigstens einen sicheren Verschluss hätte.

    Dieser Drehverschluss ist ganz locker, öffnet sich sehr leicht.

    Viel zu leicht für meinen Geschmack.

    Würde ich nicht mit arbeiten wollen in meinem winzigen Lötplätzchen.