Wiederbelebung und Restauration eines IBM 5160

  • Vor einigen Tagen habe ich ja ein recht nettes Konvolut erworben.

    Den IBM 5160 will ich nun restaurieren und fing damit nun soweit an.


    Der 5160 wird wohl ein größeres Projekt, er roch etwas unangenehm, Ungeziefer krabbelte beim öffnen heraus und Mäuse hatten sich da drinnen auch eingenistet.




    Das eine schien eine Maus bzw deren Reste zu sein, nachdem ich den PC mal ordentlich ausgeschüttelt hab kam so einiges heraus.





    Das Board sieht allerdings gar nicht so schlimm aus wie erwartet.

  • hmmmmm - lecker <X - da kann ich doch endlich mal Toshi `s Lieblings-Smiley anbringen:

    :wuerg:


    ..trotzdem bin ich sehr gespannt, was du aus dem Teil machen kannst

    wenn du auch so Detail-Verliebt bist, wie CBM_Ba dann wirds auf jeden Fall dauern ;)

    ich bin signifikant genug:razz:

  • Also einer der Hunde von der Nachbarin fand das tatsächlich ganz lecker :sabber:


    Ich weiß ja nicht wie sehr Du meine Projekte verfolgst, aber bei mir muss alles, was ich restauriere 100% original sein.

    Wie bei meinen Highscreens, wo ich auch zur not monate Recherchiere, bis ich genau weiß, welches Board in dem jeweiligen Modell nun verbaut wurde. Nicht original bzw originalgetreu gibt's nicht ;)


    Und ja, das wird ein sehr langwieriges Projekt ::heilig::

  • <X oijoijoi ist das eklig...::kotz2::


    bin gespannt wie die Platinen aussehen, wenn der ganze Schmodder runter ist.

    ::pc::

    Viele Grüße,

    Knut

    :cat2:

  • Aktueller Stand:

    Das Gehäuse sieht schonmal aus wie neu. Das Netzteil bedurfte einer ordentlichen Dusche, das sieht auch innerlich wieder gut aus.


    Nun zum Problem:

    Das Board hat wohl ganz gut Mäuseurin abbekommen und ich habs an sich soweit sauber bekommen. Nun ist mir aber aufgefallen, dass die Beinchen der ICs gut mit Mäuseurin bedeckt waren und einen entsprechenden Belag aufweisen. Wie kriege ich das nun am besten weg? Eher Essigbad mit anschließendem Alkoholbad? Oder abschleifen? Da ich mir nicht so sicher bin, ob der getrocknete Mäuseurin zusammen mit Wasser nicht irgendwie reagiert oder noch Schaden anrichten kann, wollte ich das Board eigentlich nicht abspülen bevor der Mäuseurin nicht entfernt ist.

  • notfalls: schicks mir zu - dann schmeiss ichs bei der nächsten Runde in unsere Platinen-Waschanlage mit rein


    ..die ist zwar eigentlich dafür gedacht, um Kolophonium wegzukriegen, aber die wird schon auch mit dem anderen Zeuch fertig werden

    ich bin signifikant genug:razz:

  • Alte Zahnbürste und Brennspiritus aus der Drogerie. Tisch mit saugfähiger Küchenrolle auslegen und dann das Board unter Alkohol setzen und alles sauber schrubben.


    Häufigster Fehler sind die dreibeinigen Tantal Elkos. Alle Spannungen auf Kurzschluss gegen Masse prüfen. Ohmmeter.

    Einschalten mit Grafikkarte + Monitor, alle anderen Karten raus. DIP Schalter Einstellung sollte zur Grafikkarte passen.

    Jetzt sollte ein Lebenzzeichen sichtbar sein. Wenn nicht, dann Diagnose PROM brennen (oder für wenige Euros auf Ebay kaufen) und an Stelle des BIOS stecken. DRAMs raus und rein um die Pins zu putzen, RAM Test der Diagnose sollte für z.B. 256K auf Mainboard fehlerfrei sein. Dann die anderen Karten schrittweise: FDC zuerst. Wenn das geht BIOS wieder rein und mit Bootdiskette starten.

    2b.or.not.2b.is.ff



  • Hier die Tantals aus meinem 5155... man kann die aber einfach durch zweibeinige ersetzen. Eigentlich war das eine super Lösung, um ein Verpolen beim Bestücken zu verhindern. Mitte ist PLUS, links und rechts MASSE. Somit konnten die Damen am Band die Teile drehen, wie sie wollten.

    Ob dies der wahre Grund zum Einsatz dieser Version war, ist mir nicht bekannt- könnte aber gut sein.



  • Hier die Tantals aus meinem 5155... man kann die aber einfach durch zweibeinige ersetzen. Eigentlich war das eine super Lösung, um ein Verpolen beim Bestücken zu verhindern. Mitte ist PLUS, links und rechts MASSE. Somit konnten die Damen am Band die Teile drehen, wie sie wollten.

    Ob dies der wahre Grund zum Einsatz dieser Version war, ist mir nicht bekannt- könnte aber gut sein.

    Das wäre nach erfolgter Boardwäsche die nächste Frage gewesen, wie man die Handhabt.

  • Mitte ist PLUS, links und rechts MASSE

    COOL! DANKE!!! ...die kannte ich noch nicht!!! Hätte ich auf dem ersten Blick für einen keramischen Schwinger gehalten...


    :)Franky

    Juhu Frank!

    Das merkst du spätestens dann, wenn dir die Dinger reihenweise um die Ohren fliegen. angst:cry2::mrgreen:

    Ob es Versionen gibt, die in der Mitte Masse haben, weiß ich nicht- in diesen alten IBMs sind es jedenfalls IMMER 10µF/16V mit Mitte PLUS gewesen.

    Bislang habe ich einen IBM 5170, 5150 und den 5155 recapped- immer genau diese dreibeinigen Knaller.

  • Ich weiß ja nicht wie sehr Du meine Projekte verfolgst, aber bei mir muss alles, was ich restauriere 100% original sein.

    Ja, daran sollte man immer denken. Es ist eine gute Praxis die ausgelöteten Teile wenigstens als Tüte im Rechner irgendwo hinzukleben. Das hilft der nächsten Generation ggf. die Originalität wieder herzustellen.

    Die dreipoligen CAPs gehen durch Frost kaputt. Man kann also durchaus ein anderes Gerät, das nie Frost abbekommen hat, zur Gewinnung der Originalteile heranziehen. Respekt, wer den Originalzustand erhält. Ich kenne Restauratoren, die bei einem Saba Automatic 3 DS die Teerkondensatoren aufgeschnitten haben und innen neue kleinere Kondensatoren platziert haben, so dass das Teil neu verschlossen und wieder eingelötet funktioniert und auch noch wie das Original aussieht. So weit bin ich nicht gegangen, aber in meinem Exemplar ist eine Tüte mit den defekten Teilen, so dass man diesen Schritt auch später noch tun könnte.

    2b.or.not.2b.is.ff

  • ich weiss zwar nicht, ob sich deleted_02_2022 je wieder hier blicken lassen wird, aber jedenfalls wollte ich vermelden, dass sein Board bei mir angekommen ist

    hier mal ein möglichst hochauflösendes Bild


    das geht heute dann raus zum Waschen - mal sehen, wie viele von den gelben Drähtchen da noch drauf sind, wenn es wieder zurück ist :ätsch:


    zuerst wollte ich ja einige ICs aus den Sockeln nehmen, aber die IC-Beinchen sehen jetzt auch nicht gerade berauschend aus - deshalb hab ich mich dazu entschieden, sie drin zu lassen

    unser Platinen-Hersteller reinigt mit Vollentsalztem Wasser und folgenden Reinigern:


    https://www.imo-ag.biz/gx2/de/…nigung-oeko1000-oeko2000/


    (Mix 3 N0217)


    bisher bin ich echt sehr zufrieden mit den Ergebnissen

    ..ab und an hat er mir zwar schonmal nen Poti oder eine LED abgerissen, die über die Leiterplatte hinausstanden, aber noch nix dramatisches bis jetzt

    ich bin signifikant genug:razz:

  • Die 1984er AMD Variante. Habe auch so ein Board, nur ca. ein bis zwei Versionen später von Anfang 1985. Wenn Hilfe gebraucht wir, einfach melden.

    2b.or.not.2b.is.ff

  • das Board ist wieder da:


     

    sieht doch ganz ordentlich aus - wie gesagt, kann sein, dass der DIP-Switch Probleme macht - dann müsste man den halt ersetzen


    ich glaub, die Beschriftung hat ein bischen gelitten


    und hier ist noch ein Rest von einem Akku-Unfall - das geht natürlich beim waschen nicht weg


    das solltest du mal mit Essig behandeln...


    mit deiner Zustimmung deleted_02_2022 würde ich das Board am Samstag mal im CCM testen?

    danach schick ichs dann wieder retour - oder kommst du gar zum Treffen?

    ich bin signifikant genug:razz:

    • Official Post

    Das ist einfach. Wen das Netzteil beim Einschalten gleich wieder ausgeht, dann liegt einer vor. Bei meinem IBM PC war das so - allerdings war der Kurzschluss ohne Spannung nicht messbar!

  • Das ist einfach. Wen das Netzteil beim Einschalten gleich wieder ausgeht, dann liegt einer vor. Bei meinem IBM PC war das so - allerdings war der Kurzschluss ohne Spannung nicht messbar!

    Oftmals kann man den Kurzschluss schon ausgeschaltet messen. Ich würde nicht einschalten- manchmal gehen die Tantalkondensatoren einfach hoch, ohne dass das Netzteil abschaltet... wenn man dann ohne Schutzbrille vorm Board sitzt -> viel Spass (muss nicht schlimm explodieren, kann aber!).


    Andererseits ist es "doof", hier nicht gleich alle Tantalkondensatoren rauszuwerfen- es gibt GENÜGEND Meldungen über explodierende Dinger, gerade bei den IBM-Rechnern. Weshalb soll man's also riskieren? ;)

    Zumindest dann, wenn man den Rechner "überholen oder restaurieren"- und somit länger nutzen mag.

  • Das ist einfach. Wen das Netzteil beim Einschalten gleich wieder ausgeht, dann liegt einer vor. Bei meinem IBM PC war das so - allerdings war der Kurzschluss ohne Spannung nicht messbar!

    Wie entsteht denn eigentlich dieser Kurzschluss, also wie muss man sich das im Inneren eines Tantal Kondensators vorstellen?


    Bei mir war ein 486 Board betroffen. Beim Einschalten des Netzteils passierte erst mal nichts, dann ein paar Sekunden später „Fitz, Bumm, Päng“ gab es nen Knall gefolgt von Rauch. Erst mal alles vom Netz genommen, Schaden begutachtet und interessanterweise läuft das Board auch ohne Kondensator.

  • die Tantals (und vermutlich auch ALLE 100nF-Kerkos auf dem Board) sind eh "nur" Stütz-Kondensatoren und für den "reinen" Betrieb nicht wirklich wichtig


    sieht man ja bei Commodore, wo sogar da gespart wurde...


    auch wenn du alle runter rupfst müsste das Board immer noch anlaufen - ob es allerdings stabil bleibt, das ist fraglich;)

    ich bin signifikant genug:razz:

    • Official Post

    Wie entsteht denn eigentlich dieser Kurzschluss, also wie muss man sich das im Inneren eines Tantal Kondensators vorstellen?

    Tantalkondensatoren sind feste Elektrolytkondensatoren auf Basis von Tantal und Tantaloxyd als superdünne Isolierschicht. Diese Isolierschicht ist extrem empfindlich, ähnlich der Isolierung des Gates bei Feldeffekttransistoren. Wenn die Isolierschicht durch mechanischen Streß oder thermischen Streß oder Überspannung Defekte bekommt, dann erhöht sich der Strom zwischen den Elektroden lawinenartig. Plopp.


    Ergänzung: die Dinger mögen keine schnellen Stromanstiege und sind damit eigentlich in Versorgungsspannungszweigen ungeeignet...