Mikrofilm und Mikrofiche (aus Mein neustes Etwas)

  • Hallo,


    wieder etwas aus den Tiefen der technikum29-Depots: das Teil ist kein Computer


      



    hat aber was mit Computern zu tun:


      


    Es ist ein Mikrofilm-Betrachtungsgerät. Dazu haben wir einen Packen Mikrofilme von UNIVAC, im Wesentlichen zur 9060, aber auch anderen UNIVAC Computern, darunter Preislisten ("company confidential"), Verdrahtungstabellen, Diagnostikhinweise etc.


      


    Es ist ein sehr schönes Beispiel für "Datenspeicherung" auf einem Medium, das man heute nicht mehr kennt.


    Gruß

    Roland

  • Gerade wollte ich schreiben "ist noch gar nicht so lange her", aber die Realität ist wohl eher, dass ich gar nicht mehr so jung bin...


    Irgendwo liegt hier noch ein Exemplar meiner Doktorarbeit auf ebensolchem Mikrofilm herum, und in den Archiven irgendwelcher Uni-Bibliotheken wahrscheinlich auch. War damals deutlich billiger, als die Pflichtexemplare drucken zu lassen, und es musste auch kein Baum dran glauben. :thumbup:

  • Gerade wollte ich schreiben "ist noch gar nicht so lange her", aber die Realität ist wohl eher, dass ich gar nicht mehr so jung bin...


    Irgendwo liegt hier noch ein Exemplar meiner Doktorarbeit auf ebensolchem Mikrofilm herum, und in den Archiven irgendwelcher Uni-Bibliotheken wahrscheinlich auch. War damals deutlich billiger, als die Pflichtexemplare drucken zu lassen, und es musste auch kein Baum dran glauben. :thumbup:

    Hallo Jürgen,


    Jetzt kannst du deine Doktorarbeit auf unserem Lesegerät lesen, wenn du mal wieder vor Ort bist (die LGP30 wartet !)


    Gruß

    Roland

  • Mein erster Job bei meinem jetzigen Arbeitgeber war, große Mengen an Bestandszeichnungen für die "Mikroverfilmung" vorzubereiten - die Zeichnungen mit entsprechenden Kenndaten versehen und diese Daten dann auch in ein dazugehöriges Programm (auf einem 386 SX 25, einer von damals insg. vier Computern bei meinem Arbeitgeber) einzugeben. Daten auf Diskette und Zeichnungen wurden dann an andere Stelle "verfilmt" ...

    Die Mikrofilme gibts noch, ein Lesegerät müsste auch noch im Keller stehen (aber längst nicht so schön wie das oben gezeigte) - das Gerät für die "Rück-Reproduktion" der Mikrofilme auf Papier (bis A0) wurde irgendwann verschrottet - die Drucke waren eh ungenau, nicht maßhaltig, verschmierten - das war nicht ausgereift ...

    Das ganze dürfte ca. 25 Jahre her sein ...

  • Mikrofilme haben schon ihre Berechtigung, kann man mit einfachsten Mittel (Durchlichteinheit und Lupe) auch noch nach 25 Jahren lesen. Bei Disketten wirds immer schwieriger, gerade bei HD-Disketten. Noch schlechter sind die vielen verschiedenen Tapes aus den 90er, da war damals schon eine Datensicherung nicht immer sicher (Siemens MX500 mit Tandberg Laufwerk). Ich denke da nur an die armen Archivare - alle wichtigen Dinge immer wieder auf das neuste Medium zu schaufeln solange die alte Hardware noch funktioniert bzw. überhaupt noch existent ist ...


    LG Werner

    PS: Mein N150 läuft schon seit 2010 klaglos im Außendienst, nur leider nicht so hübsch und klein wie der Sony - "leicht" neidisch ;-)


    Nachtrag zum ATOM: wenn ich mich recht erinnere war das damals von MS so gewollt,

    maximal 2GB RAM und WIN7 Starter, um eine deutliche Differenz zu den Profi Laptops jenseits der 1000€ zu halten. Mit einer SSD konte das System noch etwas beschleunigt werden, mit dem Rest muss man(ich) halt leben.

  • Es ist ein sehr schönes Beispiel für "Datenspeicherung" auf einem Medium, das man heute nicht mehr kennt.

    Wenn Du wüsstest, was in manchem Stadtarchiv oder Katasteramt noch so "State of the Art" ist... ;-)

    Eigentlich liebe ich meinen Job, zugleich erschreckt mich aber auch immer wieder, wie die digitale Realität in so mancher Kommune aussieht... =O

  • Es ist ein sehr schönes Beispiel für "Datenspeicherung" auf einem Medium, das man heute nicht mehr kennt.

    Wenn Du wüsstest, was in manchem Stadtarchiv oder Katasteramt noch so "State of the Art" ist... ;-)

    Eigentlich liebe ich meinen Job, zugleich erschreckt mich aber auch immer wieder, wie die digitale Realität in so mancher Kommune aussieht... =O

    Hast du dir mal das YT Video von Daniel Kriesel "Trau keinem Scan, den du nicht selber ..." angesehen?

    Keiner weiss wie viele Orginale nicht mehr reproduziert werden koennen, weil Xerox ein Pattern-Matching zur Datenkompression verwendet hat.


    Von da her kann ein abfotografiertes Original auf Mikrofilm Gold wert sein.


    Nachtrag:

    https://www.youtube.com/watch?v=7FeqF1-Z1g0 Zeit 41:20

    ;------------------------------------
    ;----- ENABLE NMI INTERRUPTS
    (aus: IBM BIOS Source Listing)

  • funkenzupfer für eine reine Archivierung bin ich da auch voll bei Dir, da sollte die analoge, nicht unbedingt von der rein digitalen Archivierungsform abgelöst werden, sondern beide Formen sollten sich gegenseitig sinnvoll ergänzen.


    Ich hatte vergessen zu erwähnen, ich rede vom Tagesgeschäft ;-)

  • Ich hatte vergessen zu erwähnen, ich rede vom Tagesgeschäft

    Im Onlinezugriff hast du Recht.

    Aber es gibt viele, die meinen digitale Daten sind das non+ultra. Hatte man angeblich in den 80er auch gedacht und Daten auf Bildplatte archiviert und einige Jahre spaeter festgestellt, das es keine Lesegeraete mehr gibt. Dann hast'e Spass.

    Und an der Stelle ist Mikrofilm immer wieder interessant.


    Nachtrag:

    Gerade gefunden:

    https://www.bbk.bund.de/DE/The…rungsverfilmung_node.html

    ;------------------------------------
    ;----- ENABLE NMI INTERRUPTS
    (aus: IBM BIOS Source Listing)

  • Aber es gibt viele, die meinen digitale Daten sind das non+ultra.

    Das erinnert mich an Hollywood. Viele, schöne, alte Schinken wurden in den 90zigern grottig gemastert und die Originale vernichtet. Heute ist man bei Disney froh, die Originale nicht vernichtet, sondern restauriert zu haben, um sie bei jedem neuen Quantensprung neu mastern zu können.


    Aber ich glaube wir schweifen mal wieder ab. 8o

  • Es ist ein Mikrofilm-Betrachtungsgerät. Dazu haben wir einen Packen Mikrofilme von UNIVAC, im Wesentlichen zur 9060, aber auch anderen UNIVAC Computern, darunter Preislisten ("company confidential"), Verdrahtungstabellen, Diagnostikhinweise etc.

    Klugscheißer Modus an:


    Äähhmm, würde sagen das ist kein Mikrofilm-Betrachtungsgerät sondern ein

    Microfiche-Reader/Lesegerät.

    Bei Microfilm denke ich eher an einen Träger auf Rolle, bei Microfiche eher an ein Blatt.

    In den 70er, 80er und auch 90er war es üblich komplexe und auch umfangreiche Dokumentationen

    vor Ort bei unseren Kunden zu haben, z.B. Schaltpläne oder Microcodelistings.

    Das vorletzte Bild sehe als Microfiche an. Schätze in der Größenordnung war das früher der Standard,

    ca. A6 oder ein Inch Format.


    Klugscheißer Modus aus.


    Grüße

    Helmut

  • Bei Microfilm denke ich eher an einen Träger auf Rolle, bei Microfiche eher an ein Blatt.

    Soviel Klugscheißer Modus ist da gar nicht dabei.

    Genau genommen stimmt das. Mikrofilm ist der große Oberbegriff, weil Filmmaterial ist es immer.


    Es gab auch sogenannte Jackets. Darin wurde die Mikrofilmstreifen eingeschoben und wurde so zum Mikrofiche.

    http://www.microfilm.com/supplies/jackets/

    https://www.wenzel-muc.de/uploads/0/scannen/wenzel_mikrofilm_2_1.jpg


    Hier sind noch ein paar andere Mikrofilme zu sehen.

    https://scamitec.de/mikrofilm-…g-filmlochkarten-rollfilm

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    ;----- ENABLE NMI INTERRUPTS
    (aus: IBM BIOS Source Listing)

  • In den 70er, 80er und auch 90er war es üblich komplexe und auch umfangreiche Dokumentationen

    vor Ort bei unseren Kunden zu haben, z.B. Schaltpläne oder Microcodelistings.

    Daran entsinne sogar ich mich noch aus meiner Ausbildungszeit, wenn wir einmal im Monat ein neuestes "Update" vom Schaltungsdienst Lange in Berlin, mit den neuesten Mende, Telefunken und ITT/Graetz Schaltbildern bekamen... Hat in der Werkstatt aber bei uns faktisch nie Anwendung gefunden, denn es war doch wesentlich angenehmer ein Papierschaltbild aufzuschlagen und neben das zu reparierende Gerät zu legen, statt für jedes Oszillogramm und jeden Messpunkt rüber an das "Aquarium" zu müssen, wie wir den riesigen Aparillo für die Mikrofiche nannten ;-)

  • Von da her kann ein abfotografiertes Original auf Mikrofilm Gold wert sein.

    Für wichtige Sachen und für die Langzeitarchivierung wird das auch weiterhin das Mittel der Wahl bleiben. In Stein meißeln wäre besser, aber den anfallenden Datenmengen nicht ganz gewachsen. Ich habe noch nicht gehört, daß man Festplatten oder USB-Sticks in Stollen lagern würde.


    Barbarastollen

  • Für wichtige Sachen und für die Langzeitarchivierung wird das auch weiterhin das Mittel der Wahl bleiben. In Stein meißeln wäre besser, aber den anfallenden Datenmengen nicht ganz gewachsen. Ich habe noch nicht gehört, daß man Festplatten oder USB-Sticks in Stollen lagern würde.


    Barbarastollen

    Bei der heutigen Inteligenz der Entscheider in den oberen Ebenen wirds aber nicht mehr lange dauern, bis dies passiert....


    Gruß Jörg

  • Ich habe ja neulich über Antikythera ein Mikrofiche-Lesegerät bekommen und von einem Freund eine Kiste voller Mikrofiches mit Serviceunterlagen der üblichen verdächtigen deutschen Rundfunk- und Fernsehhersteller. Leider nur der Zeitraum 80er bis 90er...

    Aber ich muss sagen, die Qualität ist Topp.


    Nachtrag: gäbe es jetzt noch Verfilmungsgeräte, würde ich glatt einige meiner gedruckten Unterlagen verfilmen.

  • Diese Microfilme sind ähnlich zu verstehen wie die Technik von Filmen aus Fotokameras, d.h. die Daten werden mittels Belichtung und anschließender Entwicklung des Films festgehalten?

    Also mir hat mal einer erklärt, die werden halt abfotografiert wobei das Verfahren der Herstellung mehr der Herstellung von früheren Röntgenbildern ähnelt. Tatsächlich erinnern mich zumindest die klassischen Röntgenbilder materialtechnisch auch stark an die Microfiche...

  • Grundsätzlich sehen die so aus:



    Und es ist ein Schwarzweiss Film (es gab aber auch Farbe! - finde nur gerade keine).


    Das Betrachtungsgerät ist im Prinzip ein Diaprojektor mit Mattscheibe oder Leinwand (meines hat eine Leinwand in der Box). Den Microfiche kann man verschieben, um daraus eine Seite oder einen Teil der Seite zu betrachten (wählbare Vergrößerung).


    Belichtet und Entwickelt werden die wie alle photochemischen Bilder.

    Mit einer Spezialkamera wird ein Master erstellt, indem zur Aufnahme der Film ebenfalls verschoben wird und jeweils eine Seite belichtet wird. Am Ende wird dieser entwickelt und Fixiert.


    Die Kopien können dann als Kontaktkopien hergestellt werden, also Master auf unbelichteten Film legen, belichten usw.

  • Zum Thema Microfiches empfehle ich folgenden LINK . Hier wird das Gerät von Jörg Hoppe gezeigt, welches er zum scannen von Microfiches gebaut hat. Da die Strukturen auf dem Filmmaterial etwas kleiner sind gibt es einige technische Herausforderungen beim Fotografieren. Schärfentiefe ist minimal und daher mechanisch sehr genau einzuhalten. Ebenso dürfen während der Belichtung keine Erschütterungen geschehen. Interessant wie hier die Schwierigkeiten gemeistert wurden. Chapeau!

    Suche Teile und Geräte für DEC PDP8 Systeme, DEC PDP 11/40 (Unibus) und Teletype ASR-33+ ASR-35. Sowie Zubehör, Doku usw. aus dem Umfeld.

  • Ich glaube, dass es für die Massenherstellung von Fishes auch Druckverfahren gab - Ich denke nicht, dass man da für Tausende gleicher Exemplare (z.B. Ersatzteilkataloge) ein fotografisches Verfahren angewandt hat - Die sehen dann auch anders aus (kein Schwarz zwischen den Seiten, sondern durchsichtig).

  • Spannend! Da fällt mir ein, dass muss so in den 80er Jahren gewesen sein, da gabe es im Werkstattbüro meines Vaters auch eine Art Projektor. Allerdings in Form eines Grünmonitors. Unter dem Monitor befand sich dann, wie bei einem Diaprojektor eine Glasplatte, welche sich über zwei Drehknöpfe in der X- bzw. Y-Achse verstellen lies, um unterschiedliche Bereiche auf dem Monitor zu betrachten.


    Genutzt wurde das Gerät seinerzeit für die Ersatzteilbestellung, indem eine entsprechende Folie mit einer Explosionszeichnung des Fahrzeugs aufgelegt wurde. Neben den betrachteten Teilen standen dann Informationen wie Bezeichnung, Teilenummer, etc.

  • Mich würde mal interessieren, was beim Scannen eines Microfiche mit einem guten Scanner in höchster Auflösung rauskäme.

    Hast Du einen mit großflächiger Durchleuchtung?

    Meiner sieht im Auflichtverfahren nur "schwarz", da der Film spiegelt und nicht diffus reflektiert...


    Jede der "A4 Seiten" auf meinem Beispiel ist 8mm x 12mm groß. Das braucht dann schon einiges an DPI beim Scannen !!!

  • Mich würde mal interessieren, was beim Scannen eines Microfiche mit einem guten Scanner in höchster Auflösung rauskäme.

    Hast Du einen mit großflächiger Durchleuchtung?

    Meiner sieht im Auflichtverfahren nur "schwarz", da der Film spiegelt und nicht diffus reflektiert...

    Ich verstehe, da gibt es ein prinzipielles Problem. Wie ist es mit Aufsätzen für das Scannen von Dias? Ich könnte mir vorstellen, daß diese der Tiefenschärfe nicht förderlich sind und die Auflösung noch weiter verschlechtern, so daß man bei Microfiches erst recht keine Chance hat, noch Einzelheiten zu erkennen. Trotzdem wäre ich neugierig.

  • Ich glaube, dass es für die Massenherstellung von Fishes auch Druckverfahren gab - Ich denke nicht, dass man da für Tausende gleicher Exemplare (z.B. Ersatzteilkataloge) ein fotografisches Verfahren angewandt hat - Die sehen dann auch anders aus (kein Schwarz zwischen den Seiten, sondern durchsichtig).

    Ich persönlich kann mich nicht entsinnen, je Microfiche in den Händen gehabt zu haben, wo etwas aufgedruckt war. Mir wäre so adhoc auch kein Druckverfahren bekannt, was auch nur um Ansatz eine dafür nötige Auflösung bietet. Offset Druck wäre dafür z.B. viel zu grob.

  • Beispiele mit dem Betrachtungsgerät (der Staub ist im Gerät, nicht auf den Fiches):


  • Ich glaube, dass es für die Massenherstellung von Fishes auch Druckverfahren gab - Ich denke nicht, dass man da für Tausende gleicher Exemplare (z.B. Ersatzteilkataloge) ein fotografisches Verfahren angewandt hat - Die sehen dann auch anders aus (kein Schwarz zwischen den Seiten, sondern durchsichtig).

    Ich persönlich kann mich nicht entsinnen, je Microfiche in den Händen gehabt zu haben, wo etwas aufgedruckt war. Mir wäre so adhoc auch kein Druckverfahren bekannt, was auch nur um Ansatz eine dafür nötige Auflösung bietet. Offset Druck wäre dafür z.B. viel zu grob.

    Ich kenne auch kein Druckverfahren, dass dies schaffen würde. An der Durchsichtigkeit kann man es ohnehin nicht festmachen. Ich habe Fiches in "negativ", da sind die Seiten Schwarz, Text und Umgebung dann durchsichtig; ebenso habe ich welche die sind statt mit rabenschwarzem Farbstoff mit eher violett wirkendem Farbstoff... Andere als photografisch Hergestellte habe ich nie gesehen.


    Davon abgesehen, war das doch "billig": 100 DIN A4 Seiten auf einem Fiche; dutzende Fiches versandt im C6 Umschlag als Warensendung für DM 2,00 Porto...