UNIX - was ist das ? - woher kommt das ?

  • Wahrscheinlich haben die allermeisten ständig Kontakt zu Unix - in irgendeiner Form. Aber so richtig fällt es wahrscheinlich niemandem mehr auf. Und auch Leute, die nur ihren Fernsehabend mit dem neuen netzfähigen TV auf Netflix verbringen und nach einem schweren Tag nur abhängen wollen, nutzen gerade dann massiv ein ziemlich klassisches Unix, da in Form eines sogenannten FreeBSD. [1]


    Was ist nun UNIX ?


    Und warum heißt das da schon wieder nicht so, sondern BSD - und woanders, je nach Geschmack, auch mal IRIX oder Solaris oder Android oder MacOS oder ...


    Und warum war das nicht auf Homecomputern vorhanden ?



    Das letzte Problem liegt u.a. auch an fehlender Performance (keine Harddisk, keine MMU, keine Netzwerke), v.a. aber sicherlich auch an einem echten Problem in diesem Bereich: Wer UNIX heißen will, muß zahlen ! Und zwar richtig viel - für eine Lizenz zur Benennung. Wer das nicht macht, muß dann eben anders heißen.


    Die Vereinigung / Firma, die das macht, erreicht man unter https://unix.org und folgerichtig finden sich da auch allerlei Infos rund um UNIX.


    Etwa eine kurzgefaßte Geschichte

    https://unix.org/what_is_unix/history_timeline.html


    oder ein recht hübsches Poster davon

    https://unix.org/Posters/


    Außerdem gibt es - wie in jedem anderen (Computer)Bereich - so ein paar Sachen und Geschichten, die einfach Folklore sind, und die man einfach kennen muss; am Besten schon bevor man anfängt sich dafür zu interessieren. Eines davon ist das Auto(nummern)schild mit Aufschrift


    https://www.flickr.com/photos/kuni6800/28556668032/ - gut geschützt im Museum, die Originalvariante

    https://www.flickr.com/photos/karthys/3217395536/ - und in richtig "schön"

    https://www.flickr.com/photos/zennaro/542493162/ - mit passendem Buch

    https://www.flickr.com/photos/takuyaoikawa/2060554607/ - hier nicht mehr ganz so top erhalten

    https://www.flickr.com/photos/rezendi/24011122200/ - nochmal in 'schön' und Erstausgabeversion, wie die vorherigen


    https://www.flickr.com/photos/eggplant/15426918860/ - und nochmal in einem anderen Winkel


    https://www.flickr.com/photos/lyndatrue/16585322023/ - drei Varianten davon, spätere Ausgaben, mit 'digital' Aufdruck bzw. Webseite (viel später)


    https://www.flickr.com/photos/10657705@N00/2265737282/ - die 'digital' Variante mit Büchern


    und


    https://www.flickr.com/photos/mtony75/17492184/ - ein späte Variante mit Webseitenadresse (die man bei archive findet)



    Die Story dazu


    https://unix.org/license-plate.html




    Wie man also schon sehen kann - es geht nicht mehr nur um Power,Performance, Rechenkraft sondern schon lange auch um Coolness, Geschichten, Narration.




    So ähnlich erklärt sich auch die teils verklärende Story mit der "PDP", auf die die Leute in dem Bereich immer so "stehen".

    Für den Uneingeweihten: PDPs, das sind schlicht Computer einer Firma namens 'digital', die zu der Zeit den großen Vorzug hatten, daß sie bezahlbar waren. Bezahlbar - für Firmen ... nicht für Privatleute (das kam dann erst später, so um 1980 herum). Und günstig waren die PDPs auch nicht. Die Maschine, die für die Unix Entwicklung herhalten mußte war erst eine PDP-7 und dann zunächst eine PDP 11/20 und danach relativ schnell eine PDP 11/45. Letztere war NEU und kam $65.000 ; bereinigt ist das wahrscheinlich heute ... ganz schön viel mehr; zumindest für ein Ding mit 16 KByte und komplett ohne Grafikkarte, quasi ein besserer automatischer Addierer. Außerdem haben die Dinger den Charme, in Form einer Schrankwand daherzukommen, dabei ist aber der eigentliche Rechenteil nur schubladengroß - das Teil mit vielen LEDs und den Wippschaltern. (In der Vorschau sieht man nur das Bandlaufwerk.)



    ( von Stefan Kögl ; https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pdp-11-40.jpg )



    Die PDP 11 war dabei eine Baureihe der PDP Rechner.


    Die PDP 11/20 war deren erste Ausgabe https://gunkies.org/wiki/PDP-11/20

    Die PDP 11/45 war dann deren moderner Nachfolger https://gunkies.org/wiki/PDP-11/45


    Neu an der PDP 11 war der sogenannte UNIBUS, ein System für Steckkarten (mit ICs, Widerständen, Bauelementen) aus denen man wiederum Funktionseinheiten zusammenstöpseln konnte. https://en.wikipedia.org/wiki/Unibus


    Ein Beispiel einer solchen Karte https://www.flickr.com/photos/…139148485/in/photostream/

    Sieht schon recht modern aus.



    Dagegen war die PDP 7 ein älteres Modell, wo noch nichtmal gelötet wurde, sondern Verbindungen auf der Platine mit Wire-Wrap gemacht worden sind. Das bedeutet: man wickelt einen Draht um einen Metallstift und zwar unter Zug; der entstehende Anpreßdruck reicht für einen guten Kontakt. [ https://de.wikipedia.org/wiki/Wickelverbindung ]


    Die PDP 7 ... pdp7brochure1.pdf



    Diese Geräte sind aber nur eine anderer wesentlicher Folklore-Teil. Warum ?


    Weil - und darum geht es in dieser Geschichte - das gesamte UNIX von zwei Leuten quasi im Alleingang auf solchen Computern gebaut worden ist. Dabei war die urspüngliche Motivation eine sehr einfache: man wollte ein Spiel schreiben ! Was denn sonst !? :) Man kann auch hier wieder sehen, wie das Gaming die Rechnerevolution immer wieder gewaltig voranschiebt.


    Das Spiel hieß "Space Travel".


    https://www.bell-labs.com/usr/dmr/www/spacetravel.html


    Und die PDP 7 war irgendwie gerade frei / unbenutzt / verfügbar. Darum hat einer der beiden Leute


    Ken Thompson ,


    der andere Part des ersten Teams hieß


    Dennis Ritchie ,


    angefangen, die PDP 7 zu benutzen und sein Spiel zu schreiben.


    Dabei blieb es aber nicht. Im Laufe der Zeit ist da dann ein richtiges Projekt draus geworden und ein Betriebssystem entstanden. Auf der PDP 7 war das alles noch in Assembler !


    Wie das ausgesehen hat, kann man sich hier anschauen

    (da ist noch nix mit Bildschirm für die Eingabe; aber schon mit Grafikdisplay (das runde Teil) für Animation etc.)


    https://www.youtube.com/watch?v=pvaPaWyiuLA

    LCM+L PDP-7 booting and running UNIX Version 0



    Wie genau man dann von PDP 7 zu PDP 11 kam, kann man hier in englisch, nachlesen


    https://www.bell-labs.com/usr/dmr/www/hist.html


    (oder mit GoogleTranslate oder DeepL übersetzen)



    Das ist von der Webseite von Dennis Ritchie bei den Bell Labs, also der Firma, in der alles das stattfand.


    https://www.bell-labs.com/usr/dmr/www/


    Dort gibt es - Achtung: wieder Folklore (Verklärung) - auch das berühmte Bild von den beiden Herren vor der Schrankwand


    https://www.bell-labs.com/usr/dmr/www/picture.html

    das Bild in groß https://www.bell-labs.com/usr/dmr/www/ken-and-den.jpg




    Begonnen um 1968/69 war UNIX zunächst in seiner Assembler Version und später dann in einer Sprache namens "C" geschrieben um ca. 1970 herum einsatzfähig. Die ersten die das ausprobieren mußten, war die Patentabteilung bei den Bell Labs - insbesondere auch, weil man dem Managment erzählt hatte, daß man eine Software zur einfachen Bearbeitung von Texten entwickeln wolle und primär damit auch die Anschaffung von Hardware begründet hatte.


    Daß da der komplette Unterbau in Form eines Operating Systems UND einer neuen Programmiersprache UND den Treibern für die neue Maschine UND natürlich die Programme für die Textfunktionen mit dabei war, war teils wohl nur den beiden Programmierern klar.


    Kurz: das Textsystem hat SUPER funktioniert und ist wohl auch lange Jahre benutzt worden. Wer sich heute alte Usenet Texte anschaut, staunt manchmal wie exakt und akkurat die aussehen können, obwohl es reiner ASCII Text ist. Das liegt dann i.a. an den Textfunktionen, die jedes UNIX mitbringt.



    Das wesentlich Neue war aber, daß man - nachdem das OS im Source Code in C vorlag, man plötzlich in der Situation war, daß man es komplett und schnell auch auf andere Rechner anpassen konnte. Einfach indem man den C Code auf die andere Maschine übersetzte.


    Und DAS war nun wirklich etwas GANZ NEUES. Vor hatte jede Maschine ihr eigenes Steuerprogramm und ihre eigene handgehäkelte Software auch wenn es das Konzept "Hochsprache" durchaus schon länger gab (z.B. BASIC > 1964). Aber fürs OS war das bahnbrechend NEU !


    .

  • Neben dem ersten Unix Stammteam


    https://www.flickr.com/photos/…846503293/in/photostream/ ( die beiden Herren links im Bild )

    https://www.youtube.com/watch?v=LXZ1OL2U3lY ( und da als Film )


    gab es natürlich, nachdem die Firma erkannt hatte, was da entstanden war, auch andere Leute. Ein wichtiger Mensch in diesem Zusammenhang war ganz sicher Brian Kernighan. Wie das so üblich ist, hatten die beiden Programmierer relativ wenig Interesse an Dokumentation und wahrscheinlich wäre das vielleicht auch ein ziemlicher Wildwuchs geworden, wenn nicht die Sprache C in dem Buch


    https://www.flickr.com/photos/mrbill/2482009942/


    https://www.flickr.com/photos/cshym74/3572411940/


    The C Programming Language


    https://archive.org/details/Th…mmingLanguageFirstEdition



    mal irgendwann "definierend" dokumentiert worden wäre. Dieses Buch hat sie wohl vor dem Schicksal errettet, welches das zur gleichen Zeit sehr populäre PASCAL ereilt hat, das durch jede denkbare Form von Dialekt soweit diversifiziert worden ist, daß man am Ende gar nicht mehr wußte, welches denn nun die eigentlichen SprachBasics so sind. Dort wurde das dann erst mit dem Aufkommen von TurboPascal (Borland) wieder ein wenig definierter, aber auch nur, weil der PC und sein Monopol bereits auf dem Spielfeld erschienen war.

    C dagegen war durch diese Veröffentlichung schon lange Zeit gut definiert bevor es irgendwann dann auch eine echte definierte Sprachversion gab (Ansi-C, 1989).



    Außerdem wird Brian Kernighan auch die Wortbildung UNIX zugeschrieben. Eigentlich als "Verballhornung" eines Projektes namens Multics [ https://de.wikipedia.org/wiki/Multics ], was vorher und dann zur gleichen Zeit wie UNIX in aktiver Entwicklung war und aus dem AT&T und damit die Bell Labs ausgestiegen waren.



    Zudem war er wohl auch sowas wie ein nach außen wirksames Sprachrohr, der öffentlichkeitswirksam und obercool das neue OS demonstriert hat


    https://www.youtube.com/watch?v=tc4ROCJYbm0

    AT&T Archives: The UNIX Operating System


    ( ein Ausschnitt aus

    https://www.youtube.com/watch?v=XvDZLjaCJuw

    UNIX: Making Computers Easier To Use -- AT&T Archives film from 1982, Bell Laboratories )


    Auch späterhin ist er gerne auf der Bühne aufgetreten und tut das auch heute noch


    https://www.youtube.com/watch?v=EY6q5dv_B-o

    VCF East 2019 -- Brian Kernighan interviews Ken Thompson


    hier z.B. zusammen mit dem Ken Thompson, berühmt als Unix Programmierer, beim Erklären alter Geschichten (sehr interessantes 'Dokument' !).

  • Da sich das OS so schön auf andere (alle) Systeme portieren ließ, ist wohl ein Grund, warum es gewissermaßen ubiquitär vorhanden war.


    Letztlich hat es sich - nachdem es auf mittelgroßen Rechnern (Minicomputer) gestartet war - über Workstations und Server auf Microcomputer und Homecomputer vorgearbeitet. Sogar Firmen wie Commodore und Atari haben es sich später nicht nehmen lassen, wenigstens einen Versuch mit Unix zu unternehmen.


    https://www.flickr.com/photos/…/album-72157717744846272/ Atari Mega STE


    https://www.flickr.com/photos/…/album-72157717744846272/ Amiga 3000 UX




    Der zweite Grund, ist, daß es AT&T gewissermaßen untersagt war, die Software als Paket selbst anzubieten, da sie als Monopolanbieter im Bereich Telefon nicht selbst auf dem Gebiet Software tätig sein durften. Daher wurde die gesamte Software relativ frei in Universitäten benutzt und wohl auch anderswo, bis 1979. Also ein knappes Jahrzehnt.


    Darüber kamen Leute damit in Kontakt, die später dann in den Firmen die UNIX Ideen befördert haben oder gar selbst solche Firmen gegründet haben. (Sun, SGI z.B.)


    Die Software aus dieser Zeit und auch allerlei Infos drumherum kann man bei der


    The Unix Heritage Society - TUHS

    https://www.tuhs.org/


    einsehen.



    Ein wesentliches Element aus dieser Zeit ist die Verteilung einer speziellen Unix Variante, nämlich die der in der University Berkeley zusammengestellten Ausgabe namens BSD - die Berkeley Software Distribution.


    Dort gab es zusätzlich benutzerfreundliche(re) Programme und vor allem (späterhin) die ersten echten Netzwerktools.


    Berkeley war es wohl v.a. darum, weil Ken Thompson (s.o.) 1975 ein Frei-Jahr (Sabbatical in Form einer Gastprofessur) an seiner ehemaligen Uni antrat und dort in einem ersten Schritt auf einer PDP 11/70 [ https://gunkies.org/wiki/PDP-11/70 ] [ http://www.tuug.fi/~toni/blog/…uploads/2015/10/pdp11.jpg (die untere) ] "sein" mitgebrachtes Version 6 Unix installiert hat.


    Ergebnis waren 1BSD und 2BSD. Beide für PDP 11.


    https://archive.org/details/1bsd.tar

    https://archive.org/details/2bsd.tar


    Zusammen mit und nach Ablauf des Frei-Jahres v.a. durch Bill Joy [ https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Joy ] und andere entstand daraus die erste echte BSD Version 2.11 , die tatsächlich ein verfügbares freies Betriebsystem darstellt und direkt bei der Uni Berkeley angefodert werden konnte (wobei der Bill Joy da durchaus schon heftige Kopiergebühren verlangt hat ($200 pro Band (?)); so ganz 'FreeWare' war das wohl nie). Dafür gab es aber ein System mit allem was das Bell Labs Unix schon hatte und dem ersten großen Texteditor unter Unix, dem 'vi' (heute eigentlich völlig unbenutzbar, es sei denn man ist masochistisch veranlagt) sowie der verbesserten Shell 'csh' (die man auch heute noch benutzt findet).


    Mit ihrem Version 7 Unix entschloss sich AT&T aber, doch ein echtes Produkt daraus zu machen.


    Diese Version und parallel dazu die Nachfolgeversionen 3BSD und 4BSD aus Berkeley sind auch die ersten die auf die neuen Computer von 'digital' (DEC) portiert werden - die VAX Maschinen. [ https://de.wikipedia.org/wiki/Virtual_Address_eXtension ]


    Gleichzeitig sind 3BSDund 4BSD die Forschungsversionen zum Thema Netzwerk (!) und etablieren damit u.a. den heutigen Standard TCP/IP.


    Damit - VAX und Netz - beginnt, wenn man so will, das 'moderne Computing'.




    Und an dieser Stelle entsteht auch der erste Riß in der Unix Historie : AT&T bietet, nach 'System III', den Nachfolger 'System V' ab sofort kommerziell an und versucht maximal hohe Lizenzgebühren von allen einzutreiben, sogar von Leuten, die die Alternative 'BSD System' benutzen - denn diese enthalten ja noch echten Bell Unix Code.


    Langfristig führt wahrscheinlich genau das zu einer Trennung in zwei sehr gegensätzliche Lager: die maximal kommerziellen Varianten, die sich von System V ableiten und die 'freien' Varianten, die mit einer BSD Lizenz einhergehen, die es jedem Nutzer erlaubt den SourceCode zu sehen und dann aber beliebig weiterzubenutzen.


    Anfang der 90er Jahre werden die letzten Codeteile, die noch von den Bell Labs herrühren - oder damit assoziiert werden können - durch neue Programme ersetzt. Seitdem ist diese Trennung gewissermaßen besiegelt.



    Trotzdem hat es natürlich immer Austausch zwischen beiden Strängen gegeben - den 'System V' basierten Unixen und den 'freien BSD' Unixen. So haben sich natürlich die Netzwerkprotokolle aus den BSD Varianten langfristig auch in den anderen Unix Varianten etabliert. Kommandos wie rlogin oder rsh gibt es sogar heute noch (ursprünglich aus dem BSD Netzwerkstack sind das heute allerdings links auf ssh, die etwas sicherere Variante) .


    Aus 'System V' leiten sich quasi alle großen Hersteller Unixe der 80er und 90er Jahre ab. Mit einer wesentlichen Ausnahme.

    So sind etwa AIX von IBM, HP-UX von Hewlett Packard, IRIX von Silicon Graphics (SGI), Xenix von Microsoft, Sinix on Siemens (als Xenix Derivat), SCO Unix von SCO oder auch A/UX von Apple alle dem AT&T System V Lager zuzurechnen.


    Die wesentliche Ausnahme ist die Firma Sun, die ihr Sun OS basierend auf BSD Unix aufbaut.

    Natürlich: ist doch Bill Joy einer der vier Gründer der Firma.



    Erst ab System V Release 4 (die System V Sachen heißen immer V und haben nachfolgend eine Release Nummer, die aber eigentlich schon eher Versionssprünge sind) gibt es wieder ein Zusammengehen der beiden großen Unix Stränge. Auch Sun benutzt nun, ohne seine Eigenheiten aufzugeben, ein von System V abgeleitetes System in das aber viele der bei Sun (bzw. in BSD) gemachten Entwicklungen miteinfließen.

    Zum Beispiel TCP/IP, das Filesystem UFS, das Netzwerkfilesystem NFS, die Shell csh (s.o.), virtuelle Files und v.a. die grafische Oberfläche OpenWindows in Form der Definition von OPEN LOOK [ https://en.wikipedia.org/wiki/OPEN_LOOK ], was nötig wird, um den Macintoshes und v.a. dem aufkommenden Windows von Microsoft etwas besseres entgegensetzen zu können. Da man Xerox - den Erfinder der grafischen Oberfläche - mit an Bord hat, ist man sich sicher, daß Urheberechtsansprüche seitens Apple ins Leere laufen werden. Langfristig geht aus dieser Zusammenarbeit dann Motif mit dem 'mwm' (Motif Window Manager) und daraus das 'CDE' (Common Desktop Environment) hervor, was in den 90er Jahren der Standard Unix Desktop werden wird.




    Beide sind heute open-sourced

    https://sourceforge.net/projects/openlook/

    https://sourceforge.net/projects/cdesktopenv/

    und mit 'emwm' [ siehe auch da ]

    https://sourceforge.net/projects/emwm/

    gibt es einen aktuellen Nachfolger für 'mwm', wobei das Original aber i.a. zu jeder Unix Distribution verfügbar ist; egal ob klassisches Kauf-Unix, oder BSD oder Linux.



    System V Release 4 , auch kurz SVR4 , ist wahrscheinlich das Unix mit den meisten Lizenznehmern. Auch Firmen wie Hitachi, Sony, NEC, NCR, Fujitsu, Data General (Aviion) und eben auch Commodore und Atari erwerben Lizenzen und setzen es ein.


    https://64.media.tumblr.com/dd…6jpcvzW1sjav1vo1_1280.png



    Später trennt sich aber der Weg von Sun und dem restlichen Unix wieder und Sun baut bis zum Ende sein unabhängiges Solaris. Da wieder mit Eigenentwicklungen und auf teils noch größerer Hardware (Enterprise 10000). Aber auch mit Software wie Java, Java Desktop, Versuchen zu einem 3D Desktop, Gnome als Standardoberfläche, dem StarOffice als Bürosuite, Enterprise Systemen für Webshops und ganz zum Schluß, als letzter großer Wurf mit dem Dateisystem ZFS.




    Neben all dem hat sich parallel aus dem BSD Zweig eine weitere Linie entwickelt, die direkt aus den BSD Unixen entsteht und zunächst als 386BSD [ 386bsd.org ] (für Intel 386er (!) PCs) auftritt sich dann teilt und ab da FreeBSD und das NetBSD begründet. Aus NetBSD leitet sich ein weiteres BSD (mit viel Sicherheit) ab, OpenBSD.


    Auch von dort stammt Darwin ab, daß bis heute (und natürlich auch nach dem Wechsel auf M1 und nachfolgende) die gesamte Palette an Apple Geräten an-/betreibt.



    Damit lebt bis heute (2021) der freie BSD unix Zweig ziemlich direkt und lebendig weiter. [ BildQuelle ]




    Das Ganze kann man beliebig komplex ausweiten. Eine schöne und knappe Übersicht gibt es bei aber auch bereits.


    .

  • Das ist falsch, das ist ein Atari TT 030. Außerdem sollte man da auf die inoffizielle ASV Webseite hinweisen: http://www.atariunix.com/


    Der Mega STE mit 68000 und ohne MMU taugt nicht für ein Unix. Da ist dann MiNT das höchste der Gefühle, das ist Posix-kompatibel und ein großer Zoo an GNU-Tools und ein X-Window-Paket sind inklusive. Für den TT gibt es aber auch Debian und NetBSD.

  • Das ist falsch, das ist ein Atari TT 030. Außerdem sollte man da auf die inoffizielle ASV Webseite hinweisen: http://www.atariunix.com/


    Der Mega STE mit 68000 und ohne MMU taugt nicht für ein Unix. Da ist dann MiNT das höchste der Gefühle, das ist Posix-kompatibel und ein großer Zoo an GNU-Tools und ein X-Window-Paket sind inklusive.


    Stimmt - ist wohl ein TT !


    (möglich wäre aber vielleicht auch ein STE mit einer 68030 UpgradeKarte ... ;) ; da ein voriges Bild in der Reihe aber die Rückseite vom Gerät zeigt, wird das wohl nicht so sein. https://www.flickr.com/photos/…/album-72157717744846272/ )


    die hatten auf der Veranstaltung aber auch hohen Besuch, da wollten sie sich bestimmt gut präsentieren und haben gleich den TT genommen


    https://www.flickr.com/photos/…/album-72157717744846272/ - ein gewisser Thompson, Ken ...



    Ansonsten MarkL , eigentlich wollte ich ja nur(!) ein paar Videos posten. Da bin ich aber noch gar nicht wirklich dazu gekommen ... ; ansonsten, sowas wie privater LockDown, aber schon seit 2-3 Wochen; war ja auch absehbar, schon vor der Wahl. Ist aber kein gutes Thema, macht den Thread kaputt und hat auch nix mit Unix zu tun. Ich versuche ja schon lange diese Unix Geschichte so bißchen geordnet zu bekommen. Vielleicht kommt ja noch bißchen was dazu. X/Open, OSF, Varianten, Linux oder so; mal sehen.


    Zu "The Unix Haters" , JenGun , das ist wirklich lustig. Habe da auch früher schonmal reingelesen. Kann man wirklich empfehlen, ist durchaus viel Wahres dabei.

    X-Windows als Performance Killer kann man sofort nachvollziehen. Das ist schon wirklich unglaublich, was da passiert - trotzdem ist es ein interessantes Ding (auch mit den Modules ala DBE oder so). Und irgendwie ist es schon cool, wenn man auf dem Zweitmonitor ein anderes Fenstersystem haben kann. Das kann der Acorn beispielsweise nicht, obwohl RISCOS sonst natürlich in allen Belangen schneller, einfacher, speichersparender ist. Außerdem hatte es zu der fraglichen Zeit einen brauchbaren Fontmanager mit Antialiasing und das auch auf TV Auflösungen. Andere Unix Sachen sind auch "krude", wie etwa eine Shell, die eigentlich eine Art Miniprogrammiersprache ist, aber mit Zahlen nicht umgehen kann; noch nicht mal für Counter oder so. Hätte wahrscheinlich die ganzen Perls und Pythons überflüssig gemacht, wenn das ginge. Ich kämpfe ja regelmäßig mit dem Ding, wenn es mal wieder was ander(e)s macht als gedacht. ;)




    hier der Film nochmal (ohne archive Bremse)


    https://www.youtube.com/watch?v=9-IWMbJXoLM

    "What UNIX Cost Us" - Benno Rice (LCA 2020)


    so ab Minute 18:30 wirds spannend. Schon manch Richtiges dran. Und verständlich auch für Nicht-Eingeweihte.

    (automatische Übersetzung läßt sich dort auch einschalten, und funktioniert so lala)

  • Eine Seite muß einfach einen extra Eintrag bekommen :


    https://www.levenez.com/unix/


    nämlich die von Éric Lévénez



    Wer zu viel Muße hat, klickt sich da mal durch alle Links. Obligat wäre aber, sich das Poster PDF zur Unix History herunterzuladen und mal anzuschauen.


    Ist ausgdruckt ein paar Meter lang

    https://www.levenez.com/wall/Uplooking.jpg


    und sehr schön "vernetzt"

    https://www.levenez.com/wall/Cityneo3.jpg

  • (möglich wäre aber vielleicht auch ein STE mit einer 68030 UpgradeKarte ...

    Nein, denn ein Mega STE wäre grau, hier ist der Rechner aber weiß, und das sind nunmal alle TT. Schau dir die Tastatur davor an, die ist zwar von der Form und Technik exakt identisch, sie ist aber grau, und damit von einem Mega STE. Dem TT lag übrigens neben der weißen Tastatur auch eine weiße STM-1 Maus bei.


    Auch die Rückseite zeigt einen TT, sieht man an der Schnittstellenanordnung. (Markant: SCSI)

  • X-Windows

    Am Ende bitte ohne "s".


    Das herausragende an X-Window ist übrigens, dass es aufgeteilt ist in einen Server und in einen Client. Der Client ist hardwareabhängig (Grafikkarte), der Server nicht, und die kommunizieren per Netzwerkprotokoll (XDMCP, auch über SSH tunnelnbar) miteinander, bedeutet, Software und grafische Oberfläche muss nicht auf dem selben Rechner laufen. Das ist sehr innovativ, und mich wundert dass das von der Linux-Community das noch nicht zu einer gescheiten Terminalserverumgebung vergleichbar zu Citrix ausgebaut wurde, statt dessen geht mit Wayland diese Trennung wieder verloren, das VNC-Protokoll ist kein wirklicher Ersatz.

    • Official Post

    Das ist sehr innovativ, und mich wundert dass das von der Linux-Community das noch nicht zu einer gescheiten Terminalserverumgebung vergleichbar zu Citrix ausgebaut wurde, statt dessen geht mit Wayland diese Trennung wieder verloren, das VNC-Protokoll ist kein wirklicher Ersatz.

    XWindow hatte seine Zeit, insbesondere, als in den 1990er Jahren XTerminals als grafische Arbeitsplätze an größeren Unix Hosts hingen. Das Problem ist nur: Das Protokoll ist langsam und ineffizient. Mit NX von NoMachine (https://de.wikipedia.org/wiki/NX_NoMachine) gibt es zwar eine Beschleunigung, groß war der Markterfolg aber nicht. Wirklich zu verstehen ist das nicht und ich finde es auch schade.


    Wayland ist ein anderes Ding: Heute will Linux auf dem Desktop möglichst raffinierte Effekte bieten und für Spiele möglichst hohe Performance unter Ausnutzung der Grafikkarte. Da wird es mit XWindow schwierig, schließlich kommunizieren Programme mit dem X Server auch innerhalb des Rechners über das X Protokoll. Wayland vereinfacht die Grafikdarstellung auf dem Desktop, ist dafür aber selbst nicht netztransparent. Wenigstens können X Windows Clients noch an einen Zwischenlayer andocken, damit auch Wayland Rechner noch von X Clients angesprochen werden können.


    Trotzdem: XWindow und die Netztransparenz ist schon praktisch. Meine Workstations im lokalen Netz kann ich bequem aus einem Xnest Fenster von Linux aus bedienen, egal, ob IBM, Sun oder HP.

    Erfahrung ist Wissen, das wir erwerben, kurz nachdem wir es gebraucht hätten.


    Mein Netz: Acorn | Atari | Milan | Amiga | Apple IIGS | Macintosh | SUN Sparc | NeXT |SGI | IBM RS/6000 | DEC Vaxstation| Raspberry Pi | PCs mit OS/2, BeOS, Linux, AROS, Windows, BSD | Stand-alone: Apple //c | Sinclair QL | Amstrad | PDAs

  • X-Windows

    Am Ende bitte ohne "s".


    Das herausragende an X-Window ist übrigens, dass es aufgeteilt ist in einen Server und in einen Client. Der Client ist hardwareabhängig (Grafikkarte), der Server nicht, und die kommunizieren per Netzwerkprotokoll (XDMCP, auch über SSH tunnelnbar) miteinander, bedeutet, Software und grafische Oberfläche muss nicht auf dem selben Rechner laufen. Das ist sehr innovativ, und mich wundert dass das von der Linux-Community das noch nicht zu einer gescheiten Terminalserverumgebung vergleichbar zu Citrix ausgebaut wurde, statt dessen geht mit Wayland diese Trennung wieder verloren, das VNC-Protokoll ist kein wirklicher Ersatz.

    Nur der Vollständigkeit halber:


    Bei X11 ist die Komponente, die die Grafik darstellt, der Server (also das, wo die Grafikkarte drin ist).


    Da, wo die Applikation drauf läuft, das ist der Client. (zumindestens im Normalbetrieb)


    XDMPC wird nur zur Serverauswahl genutzt. Wenn du mal den Server und damit das Terminal, auf dem dein Bild dargestellt wird, gewählt hast und dort angemeldet bist, wird XDMPC nicht mehr benutzt. Dann ist das das X11-low-Level-Protokoll, das die Grafik-Primitive austauscht.


    Aber ja, die Möglichkeit Grafik auf einem beliebigen Rechner zu erzeugen und woanders darzustellen ist natürlich einmalig - und bei X11 von Anfang an eingebaut und nicht nachträglich aufgesetzt, wie bei Windows Terminal oder VNC. Aber auch verständlich, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit es entstanden ist - Da waren Terminals auch für Text noch der Normalfall und es gab nur wenige Rechner, die so leistungsfähig waren, das sie aufwendige Grafik-Berechnung und -Darstellung gleichzeitig geschafft hätten. Bald sind dann auch die ersten X-Terminals entstanden, die nur sie zweitere Funktion abgedeckt haben.


    Heute ist eigentlich sowas wie X11 schon wieder da - schließlich sind die meisten performanten Grafikkarten sozusagen "Rechner im Rechner" und die müssen ähnliche Methoden anwenden, um mit der CPU Daten auszutauschen wie damals X11 - nicht übers Netz, dafür über den Rechnerbus. Allerdings haben sich die von X zur Verfügung gestellten Primitives nie groß in diese Richtung entwickelt.

  • https://www.levenez.com/unix/

    [...] Obligat wäre aber, sich das Poster PDF zur Unix History herunterzuladen und mal anzuschauen.

    Vielen Dank dafür, das eignet sich ausgedruckt und dann gerollt auch hervorragend, um Leute zu schlagen, die sagen "NEXTSTEP ist doch nur NetBSD".

    Suche: Siemens RM200, BeBox, Pixar Image Computer und Connection Machine CM1/CM2.

  • Ganz am Anfang eines jeden Threads gibt es oben rechts (über dem Button "Thema ignorieren") so ein kleines Zeichen was wie eine nach unten ausgerichtete Flagge aussieht... klick da mal drauf, der Rest erklärt sich von selbst.

    Gruß Torsten

    BFZ MFA, ZX80Core, AX81, ZX81, ZX81NU, Spectrum+, Harlequin, MSX VG8010, Amstrad NC100, Cambridge Z88, C64, C128D, Amiga 500 & 1200, Atari Portfolio, HP200LX, IBM PC5155, TP755c, TP755cx, T20, T41, T61, PS/2 (Model 40SX), PS/2E, Accura 101, Apple //e, Sharp PC1401 & PC1403H, TI59 m. PC-100c, HP48SX & HP48GX


    ::matrix::

  • Dafür hat der Herrgott die Bookmarks deines Browsers erfunden.

    Das ist aber nicht das was er denke ich sucht.

    Gruß Torsten

    BFZ MFA, ZX80Core, AX81, ZX81, ZX81NU, Spectrum+, Harlequin, MSX VG8010, Amstrad NC100, Cambridge Z88, C64, C128D, Amiga 500 & 1200, Atari Portfolio, HP200LX, IBM PC5155, TP755c, TP755cx, T20, T41, T61, PS/2 (Model 40SX), PS/2E, Accura 101, Apple //e, Sharp PC1401 & PC1403H, TI59 m. PC-100c, HP48SX & HP48GX


    ::matrix::

  • X-Windows

    Am Ende bitte ohne "s".


    Das herausragende an X-Window ist übrigens, dass es aufgeteilt ist in einen Server und in einen Client. Der Client ist hardwareabhängig (Grafikkarte), der Server nicht, und die kommunizieren per Netzwerkprotokoll (XDMCP, auch über SSH tunnelnbar) miteinander, bedeutet, Software und grafische Oberfläche muss nicht auf dem selben Rechner laufen. Das ist sehr innovativ, und mich wundert dass das von der Linux-Community das noch nicht zu einer gescheiten Terminalserverumgebung vergleichbar zu Citrix ausgebaut wurde, statt dessen geht mit Wayland diese Trennung wieder verloren, das VNC-Protokoll ist kein wirklicher Ersatz.

    Das sehe ich genau so. Deswegen werde ich auch kein Wayland einsetzten - wegen der fehlenden Flexibilität.

    Per ssh mit X11-Forwarding auf 'ne andere Maschine und das gewünschte Programm mit GUI starten hat schon was...

    Aber XDMCP steht eher für X-Desktop-Manager Chooser Protocol und ermöglicht auf einem X-Terminal vor dem Logon ein Chooser-Fenster zu zeigen, bei der alle Maschinen gelistet sind, die auch XDMCP aktiv haben, damit man die Ziel-Maschine per Mausklick wählen kann.

  • Aber XDMCP steht eher für X-Desktop-Manager Chooser Protocol und ermöglicht auf einem X-Terminal vor dem Logon ein Chooser-Fenster zu zeigen, bei der alle Maschinen gelistet sind, die auch XDMCP aktiv haben, damit man die Ziel-Maschine per Mausklick wählen kann.

    Control, nicht Chooser.obwohl's besser passen würde.

  • Control, nicht Chooser.obwohl's besser passen würde.

    Ja - stimmt - allerdings, meine ich mich zu erinnern, das in den betreffenden Config-Files und der Doku von dem XDMCP in dem dazugehöregen Linux-Install-Package auch vom "chosser protocol" die rede war. Ggf. war das nur so beschrieben worden, was z.B. damit machbar ist, oder mir spielt die Erinnerung gerade einen Streich;).

  • Zum Thema X-Windows oder X-Window schrieb Matt Landau (X Consortium release manager) schon 1993:


    Mit anderen Worten: beides gleich falsch oder gleich richtig, wie man so will.


    Heißt also auch das X11 eben nicht nur der Server ist, sondern auch das ganze X Window System, Version 11 bezeichnet.

    Suche: SGI Indigo (gerne IP12), DEC/DIGITAL CRT Monitor und ein VT240 (inkl. Monitor).

  • Dafür hat der Herrgott die Bookmarks deines Browsers erfunden.

    Das wäre eine Möglichkeit...

    Dafür hat der Herrgott die Bookmarks deines Browsers erfunden.

    Das ist aber nicht das was er denke ich sucht.

    Genau, ich kenne aus anderen Foren die Möglichkeit, innerhalb des BNR Beiträge zu speichern. Scheint diese Software hier aber nicht zu haben, diese Funktion. Apropos, sorry für Offtopic.

  • Ich habe es doch in einem vorherigen Thread geschrieben wie es geht...


    RE: UNIX - was ist das ? - woher kommt das ?


    und wenn es nur um einen einzelnen Beitrag innerhalb eines Threads geht, klickst Du auf die Beitragsnummer rechts oberhalb eines Beitrags und speicherst Dir diese als Bookmark

    Gruß Torsten

    BFZ MFA, ZX80Core, AX81, ZX81, ZX81NU, Spectrum+, Harlequin, MSX VG8010, Amstrad NC100, Cambridge Z88, C64, C128D, Amiga 500 & 1200, Atari Portfolio, HP200LX, IBM PC5155, TP755c, TP755cx, T20, T41, T61, PS/2 (Model 40SX), PS/2E, Accura 101, Apple //e, Sharp PC1401 & PC1403H, TI59 m. PC-100c, HP48SX & HP48GX


    ::matrix::

  • Schöner Anfang! :danke:


    Eine der Seiten bietet eine Auflistung, was ein UNIX-Guru (angeblich) ausmacht.

    -> https://www.levenez.com/unix/guru.html

    Nach der Liste ist wiederholt bestätigt: bin keiner 8o !!!


    Gestern wollte ich noch viel darüber schreiben und ergänzen. Nach einer Stunde habe ich es gelassen und alles nach /dev/null geschoben. - Lässt sich besser im Selbststudium lernen. Wer etwas tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem seien u.a. zwei Standard-Werke empfohlen:


    * The Design of the UNIX Operating System, ISBN ‎ 0132017997

    * Design and Implementation of the 4.3BSD UNIX Operating System, ISBN 0201061961


    Schönen Abend noch,

    escimo

  • Gestern wollte ich noch viel darüber schreiben und ergänzen. Nach einer Stunde habe ich es gelassen und alles nach /dev/null geschoben.


    Das ist schade. Denn die Story ist ja, zwar komplex, aber dann doch wieder nicht "total komplex". Es ist auch irgendwie interessant, daß sie jeder anscheinend ein klein wenig anders erzählt. Und jeder sich seine Infos da bißchen anders zusammenbaut, je nach Gesehenem etc.



    Die beiden Bücher sind gut - aber wirklich nur für Hardcore-Leute echt brauchbar. Da werden wirklich echte(!) Maschinenbasics berichtet. Daher nur für Leute, die wirklich wissen wollen in wieviel Sektoren ihre Platten einteilbar sind. Außerdem mittlerweile schon SEHR klassisch. Leute die den Tanenabaum am Abend lesen, werden damit aber bestimmt glücklich.


    Wer lediglich wissen will, wie sein Linux (diese UNIX Abart, die sich frecherweise gegen alle Widerstände durchgesetzt hat), dem sei der Kofler wirklich sehr ans Herz gelegt.


    * Linux - das umfassende Handbuch , Michael Kofler , ISBN 978-3-8362-8442-4

    https://kofler.info/buecher/linux/



    Unter FreeBSD (NetBSD) nimmt man wohl einfach die Bücher, die als HTMLs und PDF online sind.

  • Der große Hype der frühen Jahre speist sich sicherlich nicht nur aus dem UNIX allein, sondern v.a. auch aus der gewaltigen $$$ Menge, die damit verbunden war. Wie explosiv das zuging, kann man schön sehen, wenn man die Zahlen aus der oben verlinkten History der The Open Group mal aufträgt:




    Besonders augenfällig ist das bei den Sun Gründern (1982), die sich auch mal gern mit "ihren Sachen" präsentiert haben;

    hier die Herren Bill Joy, Andreas von Bechtolsheim, Scott McNealy und Vinod Khosla


    mal mit Auto und Telefon ohne(!) Schnur


    ( von https://www.hwsw.hu/kepek/hirek/2011/03/corvette.jpg )



    dann wieder mit einer ganzen Fabrik


    ( von https://www.chipsetc.com/sun-microsystems.html )



    ABER, das ist erst nachdem Rechner so leistungsfähig waren, daß man damit Workstations bauen konnte.

    ( Sun-1 https://nat.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=763195 )



    Am Anfang war das völlig undenkbar. Und auch eine große VAX dürfte da ihre Schwierigkeiten gehabt haben. Irgendwie war der gesamte Ansatz da eine anderer - und deshalb wird am Anfang der UNIX Geschichte auch immer sehr das Wort Time-Sharing in den Vordergrund gestellt. Diese Rechner waren nämlich eigentlich IMMER Server und niemals PCs. Das ging schon aus Gründen nicht, die man oft nicht mehr in Form von Preislisten findet, aber es ist z.B. dem Australischen Newsletter der AUUGN ( der Australien Unix User Group Newsletter ) eine Meldung wert, daß man gerüchteweise erfahren hat, daß die Universität Sydney $250.000 zur Verfügung gestellt bekommt, um eine VAX 11/780 erstehen zu können.



    An soetwas waren dann üblicherweise viele Terminalrechner oder reine Textterminals angeschlossen. Eher mehr als weniger. Für eine VAX 780 greift wahrscheinlich 50 User zu kurz. Vermutlich eher so um 250.



    Das Konzept der Time Schedulings bzw. Time Sharings, also das Aufteilen der Rechenleistung auf viele kleine Anwenderstationen bzw. Programme, stammt im Übrigen von dem Dartmouth College, die schon für das BASIC verantwortlich sind/waren (die Seuche der Homecomputerei ;) ) und die bereits 1963/64 soetwas im großen Stil gemacht haben.


    http://dtss.dartmouth.edu/

    https://en.wikipedia.org/wiki/Dartmouth_Time_Sharing_System


    Auch heute ist sowas immer noch üblich, obwohl es evtl nicht mehr sein müßte (bei > 32 Cores etwa). Im FreeBSD (woanders aber auch) kann (oder konnte?) man da auch als normaler User sehr schön dran herumschrauben (sysctl). Ist aber wirklich schon Spielerei.


    Sehr (!) technische tiefe Einblicke gibt es

    da https://papers.freebsd.org/200…hread_scheduler-paper.pdf

    da https://papers.freebsd.org/202…ng_in_the_freebsd_kernel/

    und da https://papers.freebsd.org/2003/jeff-ule_scheduler/


    Für alle die es einfacher mögen, gibt es die Vorstellung einer Zeitscheibe (d.h. einer gewissen Zeitdauer), die in viele kleine Portionen geteilt wird, und dann wird nacheinander und reihum, jedem Programm bzw. Nutzer ein bestimmter kleiner Zeitbereich zugeteilt. Sowas nennt man dann "Round Robin" [ https://de.wikipedia.org/wiki/Round_Robin_(Informatik) ] - im einfachsten Fall.


    Nachdem der letzte Prozess seine Rechenzeit bekommen hat, geht es einfach beim ersten wieder los.


    Ein interruptgetriggertes "Gleichzeitigsein" von "Tätigkeiten" wie z.B. beim C64 (Cursor, Rasterbars) ist dagegen was völlig anderes. Dort verliert die Systemsoftware gewissermaßen die Oberherrschaft über das Gerät und erlangt sie nur wieder, wenn der User das erlaubt (und nicht z.B. den Interrupt sperrt).



    Kurz: UNIX kann Time-Sharing !


    Und war sicherlich auch u.a. deshalb so erfolgreich. Konnte man doch so eine extrem teure Maschine auf viele Nutzer aufteilen und v.a. auch ebenso teure Peripheriegeräte für alle gleichzeitig benutzen (Festplatten z.B.).



    In dem oben erwähnten User-Magazin findet sich auch der Hinweis auf eine sehr schöne Reihe, die sich genau mit sowas und anderen Basiseigenschaften - etwa der Programmiersprache C und den Anwendertools - auseinandersetzt. Dabei handelt es sich um Artikel aus der Zeitschrift der Bell Labs.



    Die echten Originale kann man - leider hinter einer paywall - bei

    https://ieeexplore.ieee.org/xp…=6731005&isnumber=6772315

    finden. Aber vielleicht gibt es ja hier genug Leute, die da trotzdem Zugang haben.


    Für den Rest bleiben die weniger ansehnlichen Exemplare, die man bei archive finden kann. Einige davon sind echte Klassiker (z.B. Ritchie, Thompson; The UNIX Time-Sharing System).


    https://archive.org/details/bs…tj+57+UNIX&sort=addeddate


    https://archive.org/details/bstj57-6-1897/mode/2up



    https://archive.org/details/bstj57-6-1905/mode/2up

    The UNIX Time-Sharing System. (Ritchie, D.M.; Thompson, K.)



    auch interessant sind


    https://archive.org/details/bstj57-6-1971/mode/2up

    The UNIX Shell. (Bourne, S.R.)


    oder z.B.

    https://archive.org/details/bstj57-6-2087/mode/2up

    UNIX on a Microprocessor. (Lycklama, H.)




    Ach so, wer sich oben in #26 gewundert hat, was denn dieses "/dev/null" eigentlich überhaupt sein soll - das ist auch UNIX Folklore. ;)

    Für alle Anderen ist es ein recht interessanter Youtube Kanal

    https://www.youtube.com/channe…UXdueew2VfIdRJCa-A/videos

  • Für die BSD Reihe gibt es sotwas wie eine separate Ahnentafel. Die kommt eigentlich immer mit, aber liegt schön versteckt bei


    https://github.com/freebsd/fre…hare/misc/bsd-family-tree



    Wer das lieber erzählt bekommen möchte, wie das war, hat bei Marshall McKusick die Möglichkeit dazu


    https://www.youtube.com/watch?v=DEEr6dT-4uQ

    Kirk McKusick - A Narrative History of BSD ; aus dem Jahr 2014


    https://www.youtube.com/watch?v=bVSXXeiFLgk

    A Narrative History of BSD ; aus dem Jahr 2011


    https://www.youtube.com/watch?v=ds77e3aO9nA

    A Narrative History of BSD, Dr. Kirk McKusick ; aus dem jahr 2009

  • Nun ist die Time Sharing Idee durchaus schon ein wenig älter als UNIX, und dieses auch nicht das erste System, was das konnte. Aber zu der Zeit als es entstanden ist, war das schon wichtig - auch als Eigenschaft (s.o. Gerätekosten). Außerdem hat es im Unixrahmen auch noch einen ganz anderen Aspekt - es können nämlich da sehr einfach viele Leute an einem bzw. auf einer Filebasis arbeiten und so sehr einfach Dokumente austasuchen oder diese gar zusammen bearbeiten (mit ein wenig Absprache). Damit geht dann der Aspekt des "Teilens"plötzlich noch sehr viel weiter, als das ursprüngliche Konzept des Time Sharing vorsieht, wo es vorangig nur um reines Zuteilen bzw. Aufteilen der verfügbaren Rechenzeit geht.


    Angefangen hat diese Idee ungefähr im Sommer 1959, da ist das erste Paper diesbezüglich veröffentlicht worden. Und bereits 1960 ist man dieser Idee dann nachgegangen. Wahrscheinlich haben sich die Leute auch einfach immer geärgert, daß sie lange warten mußten, auch wenn sie nur kleine Sachen zu rechnen hatten.


    Üblicherweise wurden die Rechenaufgaben um 1960 herum als "Batches" abgearbeitet. Das meint, daß ein Stapel Lochkarten beim Operator der Maschine abgegeben wird, dieser die Karten und die Maschine putzt, evtl. noch ein Käffchen trinkt, dann die Karten einlegt - den Startknopf drückt. Das fertige Ergebnis und den gelesenen Stapel Lochkarten packt er in eine Mappe, die der eigentliche Programmierer dann wieder bei ihm abholen konnte.


    War dabei etwas schief gegangen oder falsch berechnet worden, mußte die Prozedur wiederholt werden. Die Argumentation (zumindest eine wesentliche) war nun, daß der Programmierer bzw. Anwender u.U. ja schon bei den ersten 10 ausgedruckten Ergebniszahlen so einen Fehler erkennen würde - der Operator dagegen natürlich die Maschine die komplette Berechnung machen läßt. In so einem Fall aber, würde der Programmierer sofort den Prozess stoppen und das Programm überarbeiten und man hätte so über alles extrem viel Rechenzeit gepart.

    Noch optimaler wäre das natürlich, wenn derjenige dann nicht z.B. 1 1/2 Tage auf einen neuen Rechentermin warten müßte, sondern die nächste gute frei Zeit nutzen könnte.


    Gebaut worden ist ein deratiges System erstmals am MIT (Massachussets, USA) mit einer IBM Maschine 709 und dann sehr schnell auch auf deren Nachfolger (IBM 7094) umgebaut worden. Dabei sind im ersten Anlauf wohl einfach 4 Tapes installiert worden und man konnte damit den Speicherinhalt "swappen" und so wahlweise den Rechner für einen der anderen Nutzer freigeben oder gar zur normalen Batch Benutzung freigeben.


    Das Ganze lief unter dem Namen CTSS - Compatible Time Sharing System


    https://multicians.org/thvv/7094.html

    https://gunkies.org/wiki/Compatible_Time-Sharing_System



    Hier erklärt der Institutsdirektor, wie man sich das demnächst vorstellt, bei aktuell 24 Usern. Einen Arbeitsplatz davon hat er vorher demonstriert - zur Berechnung der Primzahlen von 1 bis 100 (ab min 5:20).


    https://www.youtube.com/watch?v=sjnmcKVnLi0&t=8m10s

    Robert Fano explains scientific computing



    Ein Artikel mit den generellen Ideen, und 4 Usern, von 1962 gibt es bei


    http://larch-www.lcs.mit.edu:8001/~corbato/sjcc62/

    AN EXPERIMENTAL TIME-SHARING SYSTEM

    Fernando J. Corbató, Marjorie Merwin Daggett, Robert C. Daley



    Ein weiterer Vorteil seit dieser Zeit war auch, daß man den Computer nun auch komplett aus der Ferne benutzen könnte - direkt per Telefon-Überlandleitung.



    Auch das Projekt Multics war ein als Time Sharing System aufgebautes Computersystem. Wer sich da einlesen will, hat auf

    https://www.multicians.org/unix.html

    den für Unix passenden Einstiegspunkt.




    Als sich das dann einmal durchgesetzt hatte (Dartmouth war wohl 1964 der erste Campus mit richtig vielen solchen Usern), funktionieren seither fast alle größeren Rechner so, daß sie Zyklen der Art

    Prozess 1 - Unterbrechen - Prozess 2 starten - Unterbrechen - Prozess 3 starten - Unterbrechen - Prozess 1 wiederaufnehmen - Unterbrechen - Prozess 2 wiederaufnehmen - Unterbrechen ... usw usw

    andauernd machen.




    1968 ist dieses wunderschöne Foto entstanden, also noch zu Vor-UNIX Zeiten, und angeblich auf einer PDP-10, aber sicher auch time-geshared und am Teletype (Fernschreiber).


    https://imgur.com/gallery/EaYMabg

    Microsoft founders Bill Gates(13) and Paul Allen(15) connect to a PDP-10 computer at the University of Washington, through a teletype terminal at their Lakeside School in Seattle in 1968


    Der Teletype ist üblicherweise so ein Modell


    https://so-much-stuff.com/pdp8/tty33/mvc-669f.jpg

    ( https://so-much-stuff.com/pdp8/tty33/tty33.php )