Gilb entfernen - eure Erfahrungen

  • Hi,


    ich bin begeistert von "Lightbrighting", einfach die Teile in die Sonne stellen... ist unkompliziert, "verbrennt" nix und ohne hantieren mit Chemikalien.

    Das helle Plastik von Commodore VC20s geht z.B. sehr schnell (schon nach 1-2h sieht man eine Veränderung) andere / dünklere Teile brauchen ev. 2-3 Tage um schön zu werden...


    PS: Ich hab auch schon mit flüßigem H2O2, mit cremiger Friseur Creme und mit selbstgemixter Paste gearbeitet, (mit gemischten Ergebnissen) aber einfach in die Sonne stellen entspricht meinem inneren (faulen) Schweinehund ;0)


    Lg. TOM:0)

  • Gibt es schon Langzeiterfahrungen, wie sich das Entgilben auf den Kunststoff auswirkt?

    Und damit meine ich > 10 Jahre...


    Das es ja doch zu einer chemischen Reaktion kommt, könnte es ja sein, dass die Weichmacher schneller/ stärker entweichen und der Kunststoff schneller versprödet. (oder andersrum) Oder sich die Oberfläche des Kunststoffs verändert (aufrauhen...)

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  • Ich probiere es immer erst mit "nur" Sonne. Man spart sich viel Arbeit und oft ist das Ergebnis "good enough". Dafür braucht es allerdings mehrere Tage starke Sonne und einen entsprechenden Platz, wo man seine Hardware auch liegen/stehen/hängen lassen kann.

    Schwere Fälle habe ich mit ACE Fleckentferner vom DM behandelt. Das war mal ein Tipp in einem Forum. H2O2 erschien mir zu teuer und mit Lieferzeit wäre das schöne Wetter vorbei gewesen. Da ich in dem Fall nichts zu verlieren hatte, habe ich es kurzerhand mal ausprobiert. Bleichergebnis war innerhalb weniger Stunden deutlich besser als in der Sonne nach mehreren Tagen. Als Seiteneffekt haben die Teile "geduftet", als kämen sie aus Omas Wäsche, was aber (nach einer intensiven Dusche und) einigen Tagen verschwunden ist.

  • 'Fleckentferner' a.k.a. dm-Milde-Bleiche oder ACE ist doch auf Sauerstoffperoxid-Basis (H2O2).

    Nur Sonne hilft am wenigsten dauerhaft nach meinen Erfahrungen mit PC-Tastaturen und Amiga-Plastik und dann ist auch noch der Hitzestress fürs Material fragwürdig...

    So ein überschaubar heißes Bad im Hochsommer mag das Material sicher mehr, wenn es sortenrein ist.

  • Da ich noch nie experimente dieser Art gemacht habe würde ich mich gern mit einer Frage in das Thema reinhängen.


    Wenn ihr verschiedene Teile habt, wie erhält man ein vergleichbares Ergebnis ?

    Was ich meine, wie behandele ich eine Gehäusefront und ein fremdes Bauteil wie ein Floppy aus Ersatzteilbeständen was vielleicht mehr oder weniger verfärbt ist?

  • Wie verwendest du den Fleckenentferner? Genauso wie H2O2? Also einschmieren, einwickeln, braten?

    Ich hab eine große Wanne, schütte ausreichend Fleckentferner rein und tauche das Stück dann komplett ein.

    Also ganz ohne Sonne?? Wie lange badest du die teile? Und wie viel Fleckenentferner verwendest du?


    Gibt es nicht auch eine UV Lampe, die den Gilb neutralisieren kann?

  • Wie verwendest du den Fleckenentferner? Genauso wie H2O2? Also einschmieren, einwickeln, braten?

    Ich hab eine große Wanne, schütte ausreichend Fleckentferner rein und tauche das Stück dann komplett ein.

    Also ganz ohne Sonne?? Wie lange badest du die teile? Und wie viel Fleckenentferner verwendest du?


    Gibt es nicht auch eine UV Lampe, die den Gilb neutralisieren kann?

    Schon mit Sonne. Sorry, das hatte ich quasi vorausgesetzt. Ohne Sonne/UV tut sich soweit ich weiß gar nichts.

    UV-Lampen sollen funktionieren, ich habe damit aber keine Erfahrung.

  • Da ich noch nie experimente dieser Art gemacht habe würde ich mich gern mit einer Frage in das Thema reinhängen.


    Wenn ihr verschiedene Teile habt, wie erhält man ein vergleichbares Ergebnis ?

    Was ich meine, wie behandele ich eine Gehäusefront und ein fremdes Bauteil wie ein Floppy aus Ersatzteilbeständen was vielleicht mehr oder weniger verfärbt ist?

    Schwierig: Ich nenne das Ziel- oder Ranbleichen ;)

    Immer mal rausnehmen aus der besonnten Bleichbrühe und danebenhalten, wozu es passen muss.

    Von Frischhaltefolie rate ich für Anfänger ab, ging auch nur daneben bei mir, am Anfang böse später nicht mehr so dramatisch.

    Wenn Ihr in der puren Sonne ohne Chemie bleichen wollt, legt doch die Teile wie die Altvorderen die weiße Kochwäsche in den sonnigen, grünen Rasen.

    Natürliches Ozon hilft da mit.

  • alte Hardware bleichen scheint eine Marktlücke im Retro Bereich zu sein...

    Ich weiß, dass ich in dem Bereich sicherlich nie Dienstleister werde. ;)

    So kannst du wie in dem Video oben zu sehen einen Mac LC unbesorgt bleichen, und der kommt raus wie neu. Leicht verdientes Geld.

    Auf der anderen Seite überlebt zB der Commodore-Schriftzug des Amiga 1000 das Retrobrighting nicht -- kannst du dir vorstellen, was die Kunden mit einem Dienstleister machen, der ihr Museumsstück versaut?

    Suche: Siemens RM200, BeBox, Pixar Image Computer und Connection Machine CM1/CM2.

  • Sonnenlicht ist auf alle Fälle Voraussetzung, als Alternative sind wohl UV-Lampen geeignet.


    Sehr gute Erfahrungen habe ich mit einem Tauchbad in 3% H2O2 Lösung gemacht. Für größere Teile ist diese Methode allerdings schwierig und kostspielig.


    Ebenfalls habe ich 12% H2O2 Creme "Fanola Creme-Aktivator 40 Vol." erfolgreich eingesetzt, wobei die Gefahr der Flecken- und/oder Streifenbildung bei der Crememethode sehr hoch ist. Stündliches Nachpinseln hat bei mir besser funktioniert als Folie.


    Hier ein vorher/nachher von der Crememethode:

  • wow.. das sieht ja nach einer erfolgreichen Botox Behandlung aus. Ich schmiere also alles mit Creme ein und stelle das Gerät dann einfach in die Sonne und pinsel die Creme jede Stunde nochmal neu glatt ??


    Es wäre wirklich interessant, ob noch jemand eine UV Lampe probiert hat... Das wäre mit sympathischer..

  • UV-Lampen , zumindest diese 90er-Jahre-Gesichtsbräuner, sind arg im Nachteil gegen echte Hochsommer-Zenit-Sonne. Ich tu mir das nicht mehr an und warte lieber auf den Juli...und nur noch im Bleiche-Bad, bei sperrigen Monitoren pinsele ich mit Peroxid-Creme, z.B. den Commodore 1084, dann aber regelmäßig und nicht nur einmal die Stunde. Ist mühselig, um kein Risiko einzugehen.

  • Ein Chemiker hat mir vom Bleichen alter Kunststoffe abgeraten. - Der Gilb ist bereits ein Zeichen einer chemischen Veränderung, die sich nicht rückgängig machen lässt. Die Behandlung mit Chemikalien verändert das Material weiter und führt eher nicht zu einer längeren Haltbarkeit. Wenn alter Kunststoff aussehen soll wie neu, dann lackieren (lassen). Ob das dann noch im Sinne des "Denkmalschutz" ist bleibt natürlich Geschmacksache.


    Ich würde dazu raten die Oberflächen zu putzen und dann noch ggf. das Mindset anzupassen - Altes darf alt aussehen. Es ist halt Patina, die einen Teil der Geschichte erzählt.


    *plink* *plink* just my 2 cent

  • wow.. das sieht ja nach einer erfolgreichen Botox Behandlung aus. Ich schmiere also alles mit Creme ein und stelle das Gerät dann einfach in die Sonne und pinsel die Creme jede Stunde nochmal neu glatt ??


    Genau so, jedoch habe ich das Keyboard bei eher kühlen Frühlingstemperaturen bearbeitet. Bei mehr Hitze könnte die Creme schneller eintrocknen und häufigeres Nachpinseln vonnöten sein. Wie gesagt, die Gefahr für Flecken- und Streifenbildung ist bei dieser Methode hoch und für wertvollere Hardware würde ich der Tauchbadmethode den Vorzug geben.

  • Ich würde dazu raten die Oberflächen zu putzen und dann noch ggf. das Mindset anzupassen - Altes darf alt aussehen. Es ist halt Patina, die einen Teil der Geschichte erzählt.


    Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Oldtimer rosten ja auch nicht vor sich hin, alte Möbel werden ebenfalls nicht dem Verfall preis gegeben, Bücher und Kunstwerke aufwendig restauriert. Warum soll man ausgerechnet Computer nicht so nah am Original wie möglich halten?

  • Gilb ist aber kein Rost und kein Verfall. Wenn der Lack beim Oldtimer verblasst, wird er nicht unbedingt neu lackiert.

    Ich finde, das ist Geschmackssache. So ein fabrikneu aussehender Rechner hat schon was. Ich persönlich hab aber oft Schiss, dass die Flexibilität leidet. Manche Rechner (z.B. mein PowerMac 8200) ist schon ohne Behandlung brüchig wie ne Eierschale.

  • z.B. mein PowerMac 8200 ist schon ohne Behandlung brüchig wie ne Eierschale.

    Deswegen wird der umso mehr gebleicht, denn was soll denn noch schlimmer werden?

    Ich habe schon viele Teile in H2O2 gebleicht und bin damit zufrieden. Weil ich oft die oberen Gehäuseteile mache (weil die einfach "gilber" sind als die unteren), kann ich auch sagen, dass das Bleichen dem Plastik nicht mehr schadet als der Rest der Umwelt. Ein Kunststoff, der gebleicht bröselt, tut das meiner Erfahrung nach auch ungebleicht. (Apples sind anscheinend besonders anfällig, bei britischen und festlandeuropäischen Computern hatte ich noch nie brösligen Kunststoff)

  • Aber das bröselige beginnt bei mir erst mit den PowerMacs. Selbst die Billigheimer (LC) sind recht robust. Bei der Familienpizza (6100) brechen die Schnapper hinten regelmäßig. Obwohl, das Gehäuse gab’s auch mit 68k (Quadra/Centris 610?)