Diesmal schauen wir uns die Versorgung der 1541 etwas genauer an.
Teil 3 - Trafo Umbau (Was Gutes tun ?)
Wir wissen inzwischen das Commodore bei der 1541 das komplette Netzteil ins innere vom Laufwerkgehäuse gepflanzt hat.
Beim Kauf hat man also nicht das Problem ob auch wirklich das passende Netzteil mit dabei ist 
An der Rückseite befindet sich eine Kaltgerätebuchse wo man dann einfach ein passendes Netzkabel einsteckt, ab in die Steckdose und los geht´s.
Dazu sollte man villeicht wissen das früher die Netzspannung etwas niedriger war als heute.
In vielen Europäischen Ländern war zu dieser Zeit die Netzspannung 220V, eine Ausnahme war z.B UK, dort waren damals schon 240V Standart.
Deshalb wurden Computer und Peripherie mit unterschiedlichen Aufklebern versehen, zu sehen an den Angaben 220V oder 240V.
Um die ganze Sache bei der Produktion zu vereinfachen wurden für beide Varianten der selbe Transformator gebaut, allerdings hatte man zwei Anschlussvarianten vorgesehen um flexibel bei der Auslieferung zu sein. Dazu später mehr...
Wir wollen uns die Sache mal genauer anschauen und dazu muss nochmal der Schraubendreher in die Hand genommen werden.
Begonnen wird mit dem Öffnen des Gehäuses und abbauen beider Gehäuseschalen, so wie in Teil 1 beschrieben.
Wiederum werd ich mich vor Beginn der Arbeiten kurz Erden
Dann drehe ich diese 5 Schrauben heraus

und dann noch seitlich diese 2 Schrauben

Den 4poligen Stecker ganz rechts geht ganz einfach abzuziehen und dann lege ich die Platine zur Seite, an einem Sicheren Ort.
Am Besten auf ein stück Papier, Karton oder Holz. Es sollte kein Kunststoff oder Lackbeschichtung sein, wir erinnern uns an statische Aufladungen...
Also ehrlich, so ganz ohne Platine mit all den Chips und Bauteilen, sieht der Rest dann ziemlich mechanisch aus...
... ist er auch 

Links das Laufwerk und rechts der Transformator, ich nenne ihn ab jetzt einfach Trafo und obwohl es ein elektrisches Bauteil ist, wird auch dieser als "Mechanischer Trafo" bezeichnet.
Es sollte klar sein das spätestens jetzt kein Netzkabel mehr an der 1541 steckt und schon gar nicht auch noch in der Steckdose.
Schauen wir uns also den Trafo mal etwas genauer an. Die primäre Seite, so bezeichnet man die Eingangsseite der Netzversorgung, samt Kaltgerätebuchse, Netzschalter, Sicherung und die hälfte vom Trafo.
Das ist auch die "Heiße" Seite, ich hab sie mal rot eingezeichnet. In diesem Bereich ist im Betrieb überall Lebensgefährliche Netzspannung vorhanden.
Also nicht einfach mal ranfassen, ähm sagte ich nicht Netzstecker ziehen ?
Ok ich lass das jetzt... 

Ich hab den Anschlüssen am Trafo einfach mal beliebig Nummern vergeben, so kann man das dann im Schaltbild besser verstehen.
Die 2 schwarzen angelöteten Litzen an der primären Seite sind die Netzspannung und auf der sekundären Seite zweimal Kleinspannung jeweils zusammengehörig als orang und blau farbigem Paar herausgeführt. Die zwei sind dann für die 5V und 12V Versorgungsschiene der 1541 Elektronik zuständig.
Aber Achtung, der Trafo funktioniert nur mit Wechselspannung, also hohe Wechselspannung rein und 2x niedrige Wechselspannung raus.
Das muss dann noch alles Gleichgerichtet und Stabilisiert werden um das Board mit konstanter Gleichspannung zu versorgen. Die ganzen Bauteile die hierfür benötigt werden sind dann aber auf der Platine aufgebracht.
Hab das ganze mal versucht für euch etwas zu skizzieren
So sieht in etwa das Schaltbild zum obigen Foto vom Trafo aus

Wenn wir das ganze nun mit Netzspannung "anno dazumal" versorgen, also mit 220V, dann erhalten wir folgende Spannungen auf der sekundären Seite:

Ich hab ja vorhin von den Netzspannungen erzählt, zu Zeiten von unseren alten Gerätschaften und dazu gehört auch die 1541 war die Netzspannung eben 220V und Heute liefert die Steckdose, besser gesagt der Netzbetreiber 230V, jedoch seit 2009 sind die Toleranzen etwas ausgedehnt worden und so darf sich die Netzspannung im schlimmsten Falle von 207 Volt bis ganze 253 Volt bewegen.
Das ist schon Enorm !
Unser Laufwerk benötigt immer die selben 5V und 12V Gleichspannung, Der Trafo kann nur in seinem Verhältnis, so wie die Spulen gewickelt sind die Spannung runter transformieren. Wird die Eingangsspannung erhöht, so erhöht sich im Verhältniss dazu auch die Ausgangsspannung und die muss dann wieder auf die genannte Versorgung runterstabilisiert werden. Das geht natürlich in Wärme über und umsomehr Überschuss anSpannung umsomehr Wärme in unserem Floppyhaus...
Ich habe an mehreren Steckdosen in verschiedenen Haushalten so um die 240V gemessen,
deshalb hier der Vergleich wenn wir nun primär mit 240V einspeisen.

Die Spannung steigt sekundär zwar etwas an, aber diese Differenz muss eben irgendwo getilgt werden und das geschieht dann eben in Wärme.
Ich schätze mal das einigen von euch an der primärseite der dritte Anschluss aufgefallen ist. Ja genau der mit der Nummer 3 !
Hab mal die Wicklungen vom Trafo rausgemessen

Die Werte kann man auch gut gebrauchen, sollte man mal den Verdacht haben, das eine Wicklung verbrannt sein könnte.
Wird zwar kaum vorkommen, aber man weiß ja nie, da könnt ihr diese dann in etwa vergleichen.
Das Multimeter sollte da schon einen 0-Abgleich haben, sollte das euer Multimeter nicht haben dann haltet die Messpitzen vor der Messung zusammen, notiert euch den Wert und diesen zieht ihr dann vom Messwert an den Wicklungen wieder ab.
Wenn ich nun dem Trafo die Netzspannung anstelle von Anschluss 1 und 2, an die Anschlüsse 1 und 3 verbinde.
Dann würde ich die Primärwicklung mit einem Höheren Widerstand haben und somit das Trafoverhältniss ändern können.
Genau dafür wurde wie Anfangs schon angedeutet dieser Anschluss vorgesehen, für die Länder mit 240V Netzspannung, so wie sie damals in UK war und heute in den meisten Europäischen Ländern zu finden ist.
Also hab ich die schwarze Litze von Anschluss 2 auf Anschluss 3 umgelötet. Wenn Ihr das nachmen wollt, bitte sicherheitshalber auch nachmessen.

Und siehe da, jetzt liegt mit 240V Versorgung wieder die selbe Spannung am Ausgang an wie vor 30 Jahren noch mit 220V versorgt.
Mit diesem Umbau wird auf jeden Fall die Netzteilelektronik weniger gestresst und man hofft dadurch etwas Wärme im Gehäuse einzusparen
und der Elektronik etwas Gutes zu tun.
Ich wünsch Euch viel Erfolg
und Spaß beim Umbau !
Gruß
Martin