Victor 9000 Tastatur restaurieren

  • Hallo,


    ich habe eine Victor 9000 Tastatur bekommen. Diese funktioniert nicht auf allen Tasten. Da hab ich die mal aufgeschraubt:


    Die Tastatur verwendet Schaumstoffpads. Diese sind mit Alufolie(?) beklebt. Offenbar ist das ganze schon ein wenig abgewetzt, daher vermute ich das die Tastenprobleme einzelner Tasten daher kommen:



    Im Bild zu sehen: In der Mitte und unten links: gute Tasten, die Anderen schlecht


    Wie würdet ihr das am geschicktesten reparieren? Ich weiss nicht ob Folie aufkleben da geht, das ist ziemlich dünn. Normale Alufolie ist das nicht. Leitsilber?


    Bei ebay hab ich auch nochwas gefunden:


    Victor 9000 / SIRIUS 1 Keyboard repair, Foam Pads for KeyTronic Keyboards


    Das ist interessant, das sind wohl Ersatz-Schaumstoffstücke - löst aber das Problem der defekten Oberfläche nicht, im Text steht man solle die alten nehmen...


    Viele Grüße
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    im Ebay Angebot steht was von kapazitiver Erfassung des Tastendrucks. Wenn das stimmt, funktioniert das Keyboard nicht durch schließen eines Kontakts mit der Aluscheibe?


    Wenn doch, warum nicht Graphitlack von Kontakt Chemie an einem Pad ausprobieren? Das ist zumindest lösemittelfrei und schonend zum Untergrund. Zumindest an den leitenden Gummistempeln oft erfolgreich schon von mir verwendet.

  • Die Tastatur verwendet Schaumstoffpads. Diese sind mit Alufolie(?) beklebt. Offenbar ist das ganze schon ein wenig abgewetzt, daher vermute ich das die Tastenprobleme einzelner Tasten daher kommen:

    Hier ist Selbermachen angesagt. Kaufen kann ja jeder ;-)


    Hintergrund: Vor etwa zwei Jahren haben wir im Computermuseum eine Data General Nova bekommen (DG Nova). Dabei waren zwei Dasher-Terminals, die das gleiche oder zumindest ein ähnliches Problem hatten. Zweimal die Taste drücken und das Pad war zerbröselt. Würde mich nichtmal wundern, wenn die Tastenkörper sogar die gleichen wären, die Bauart sieht doch sehr ähnlich aus. Vermutlich solltest Du Dir keine Illusionen machen. Die Pads dürften ausnahmslos hinüber sein und selbst wenn nicht, ist es wohl nur eine Frage der Zeit. Wenn Du schon neue Pads herstellen musst, dann ersetze gleich alle. Das sorgt dann für eine einheitliche Anschlagsdynamik.


    Beim Dasher-Terminal wurden die Pad in den Tastengrundkörper eingeklippst. Die Sandwiches liessen sich problemlos aus einer stabilen (Projektor-)Folie, doppelseitigem Klebeband, einen Dämmklebeband mit der richtigen (Puffer)-Dicke und einem Locheisen mit iirc 11mm Durchmesser problemlos selber bauen. Als Stanzunterlage diente uns ein Brett aus Hartholz.


    Was die Silberfolie angeht: Vermutlich ist das auch bei Dir keine Alufolie, sondern eine dünne, metallbedampfte Folie, wie man sie auch in Geschenkläden zu kaufen bekommt. Die Folie selbst dient als Dielektrikum, während die Bedampfung bei gedrückter Taste quasi gleichzeitig als Kondensatorplatte und metallische Verbinung zwischen den beiden beim Tastendruck "entstehenden" Kondensatoren dient. Ob Du da die alte Folie verwendest (haben wir gemacht) oder eine neue nimmst, musst Du ausprobieren bzw. selbst entscheiden.


    Das ganze war einen Abend Arbeit und das vorwiegend deshalb, weil wir rumprobiert haben, wie wir am besten vorgehen.


    Das ist interessant, das sind wohl Ersatz-Schaumstoffstücke - löst aber das Problem der defekten Oberfläche nicht, im Text steht man solle die alten nehmen...

    Haben wir beim Dasher auch gemacht, tat super. Ich wollte neue nehmen und hab das iirc auch ausprobiert gehabt, aber letztendlich wollte Klemens die alten verwenden, was m.M.n. aufwendiger war, weil man bei jedem Pad einzeln die Schutzfolie des doppelseitigen Klebebands abziehen und die alte Folie aufsetzen musste. Bei um die 200 Pads ist das schon ein erheblicher Zeitaufand. Wenn man das hingegen vor dem Stanzen macht, macht man das eben nur einmal an einem Stück.


    Probier's aus, wie's bei Dir am Besten funktioniert.


    Viel Erfolg,
    map

  • Die Tastatur verwendet Schaumstoffpads. Diese sind mit Alufolie(?) beklebt. Offenbar ist das ganze schon ein wenig abgewetzt, daher vermute ich das die Tastenprobleme einzelner Tasten daher kommen:



    Im Bild zu sehen: In der Mitte und unten links: gute Tasten, die Anderen schlecht


    Hallo Andreas,


    das erinnert mich an eine Terminaltastatur, die ich auch schon mal reparieren musste. Bei mir war auch eher der Schaumstoff das Problem, aber die Folie habe ich bei der Gelegenheit direkt auch getauscht, weil die bei vielen Tasten auch schon ziemlich "verbraucht" aussah.


    Ich habe mich an dieser Anleitung orientiert; für den Schaumstoff habe ich afair einen Dichtstreifen genommen; als Folie eine Rettungsdecke (diese gold/silberfarbigen aus dem Verbandskasten). Die ist billig, hat funktioniert und Du kannst mit einer Decke eine Menge Tastaturen flicken :mrgreen:


    Hier noch zwei Bilder von meiner Tastatur vorher/nacher:


    Gruß
    Georg

  • Lustig, genau den gleichen Unsinn mache ich gerade an der Kontron-Tastatur, Hersteller Key-Tronics
    Der Faulheit halber hatte ich die Pads bei eBay gekauft und verwende die alten Scheiben wieder.
    Alternativ geht auch das Material von Antistatik-Folien

  • So ein Problem habe ich auch gerade.... ;-)


    Sirius1-Tastatur mit total bröseligem Tasten-Schaumstoff. Trotz der nahezu fehlenden Elastizität funktionieren die meisten Tasten noch. Nach dem Aufschrauben stellt sich herazs: Genau die Tasten mit Problemen sind die, bei denen die Leit-Oberfläche "weg" ist. (Wenn man die Folie abnimmt, kann man durchgucken).


    Die ebay-Pads währen ja nur die halbe Arbeit und sind deutlich überteuert.
    Meine Planung sah vor, so wie "map" das beschrieben hat, eine passend dicke Schaumstoffplatte mit Folie zu bekleben, und eine Locheisen zum Austanzen zu benutzen.
    Der Tip mit der Rettungsdecke klingt gut.


    Muss nur noch Zeit finden....

  • Ich habe noch mal in meinen Bildern und Unterlagen nachgeschaut. Hier ein Auszug aus meinen frühen Notizen:
    "Ergebnis: Die Schaumstoffplättchen werden mürbe....


    Dicke eines "guten" Plättchens: ca. 4 mm
    Dicke eines "schlechten" Plättchens: ab 3 mm abwärts
    Durchmesser: 11 mm


    Die Folie, die den Kondensator bildet (d.h. die auf die Platine gedrückt wird) und die in den englischen Quellen mit Mylar bezeichnet wird, ist weich und dünner als die obere Folie, die das Plättchen in der Tastenkappe hält. Sie ist definitiv nicht leitend!


    Bei weiteren Versuchen mit einem der freigelegten Mylarplättchen stellt sich heraus, dass das Problem nicht nur die Schaumstoffpolster sind, sondern vermutlich die metallische Beschichtung der Mylar-Folien, die verloren geht. Das kann man bei verschiedenen Tasten auch optisch erkennen. Der Verlust ist sehr unterschiedlich, von fast gar nicht über partiell bis völlig frei.


    Bei Tests mit Ersatzmaterial stellt sich heraus, dass die Variante mit Tesa-kaschierter Alufolie durchaus funktioniert. Noch besser ist allerdings die Rettungsdecke (goldene Seite zur Platine; die silberne leitet!!).
    Allerdings fehlt mir noch ein hinreichend weicher Schaumstoff - der vorhandene Isolierstreifen ist mit 5 mm nicht nur zu dick, sondern auch zu hart. Es funktioniert zwar, aber der Tastenweg ist zu kurz und das Gefühl sehr schwammig, weil kein mechanischer Anschlag wirksam wird.


    Zwecks Reinigung wurden dann noch alle Tasten aus der Befestigungsplatte heraus gelöst. Das geht recht einfach, wenn die Taste gedrückt wird und gleichzeitig die Rastnasen eingedrückt werden (auch nacheinander). Insgesamt handelt es sich um 91 Tasten."


    Vielleicht hilft es etwas. Leider habe ich mir nicht notiert, welchen Schaumstaff ich schließlich verwendet habe, und wie die andere Seite beschaffen war (dort muss auch eine Folie sein, die das Ganze im Tastenkörper festklemmt). Ich meine, ich hätte einen Dichtstreifen genommen, der auf der einen Seite mit doppelseitigem Klebeband und auf der anderen Seite mit einer passenden Schutzfolie kaschiert war. Damit hielt sich mein Aufwand in Grenzen.


  • Meine Planung sah vor, so wie "map" das beschrieben hat, eine passend dicke Schaumstoffplatte mit Folie zu bekleben, und eine Locheisen zum Austanzen zu benutzen.
    Der Tip mit der Rettungsdecke klingt gut.


    So, hier sind die Bilder unserer Reparaturaktion damals:


    http://computermuseum.informat…ies/dg_nova3/nova3_3.html


    Leider sind das nicht alle Bilder, die wir damals aufgenommen haben. Und vom Endergebnis sind leider auch keine Fotos dabei. Die Bilder entstanden in den verschiedenen Experimentierstadien und manche Lösungen sorgten für ein merkwürdiges Anschlaggefühl. Wir haben mit den verschiedensten Materialien herumexperimentiert, u.a. doppelseitiges Klebeband mit diesem rosa-farbenen Polstermaterial, als "Kondensatorplatte" haben wir auch Antistatikfolie probiert, was iirc sogar recht gut funktionierte. Wie schon gesagt, haben wir letztendlich ein Dämmband genommen (das abgebildete Scotch-Band war aber zu hart) und die alten Folien wieder draufgeklebt. DIese Lösung tat dann :)


    Die Tastatur des Dasher scheint übrigens tatsächlich auch eine Keytronic zu sein.


    --map

  • Bei weiteren Versuchen mit einem der freigelegten Mylarplättchen stellt sich heraus, dass das Problem nicht nur die Schaumstoffpolster sind, sondern vermutlich die metallische Beschichtung der Mylar-Folien, die verloren geht. Das kann man bei verschiedenen Tasten auch optisch erkennen. Der Verlust ist sehr unterschiedlich, von fast gar nicht über partiell bis völlig frei.


    Ich weiss was Du meinst, bei unseren Versuchen spielte das aber keine Rolle. Die alten Folien taten es ausnahmslos, selbst die, die am Schlimmsten aussahen (siehe Space-Tasten-Pad bei den Fotos im anderen Posting). Das leuchtet auch ein, wenn man sich überlegt, dass es selbst innerhalb der Kondensatorplatte garnicht so sehr auf die durchgehende Leitfähigkeit ankommt, sondern auf die Kapazität, die letztendlich aus der Gesamtanordnung bei gedrückter Taste resultiert. Natürlich wird es auch da praktikable Grenzen geben. Die waren bei uns aber offensichtlich noch nicht überschritten. Neumachen ist wohl trotzdem zukunftssicherer.


    --map


  • Ich weiss was Du meinst, bei unseren Versuchen spielte das aber keine Rolle. Die alten Folien taten es ausnahmslos, selbst die, die am Schlimmsten aussahen (siehe Space-Tasten-Pad bei den Fotos im anderen Posting).


    Wenn ich mir Eure Bilder ansehe glaube ich Dir gerne.
    Ich habe aber den Eindruck, das die Plättchen bei mir in deutlich schlechterem Zustand waren. Ich habe noch mal ein Bild angehängt - ist leider nicht superscharf, aber auf der rechten Folie kann man die fleckige Beschichtung erkennen, in der Mitte ist es schon schlechter, und links sieht es eigentlich wie durchsichtige Folie aus. Keine Ahnung, wohin die Beschichtung "verdampft" ist.
    Dagegen sehen Eure deutlich besser (und irgendwie auch stabiler :) ) aus.


    Georg

  • Ein kleines Stück bin ich schon weiter gekommen...


    Das Schaumstoff-Thema habe ich für mich so gelöst:
    Eine kleine (40x40cm) Schaumstoffplatte (20mm Stärke) von Bauhaus hat genau den richtigen "Wiederstand".
    Ich schneide einfach mit einem Teppichmesser an einer Metallkante (Tapezierhilfe) 4mm ab.
    Diesen Streifen (20x400x4mm) beklebe ich mit 19mm-Doppelseitigem Klebeband (transparent).
    Nun kommt das Locheisen zum Einsatz (habe nur ein 10er, passt aber). Man bekäme ca. 30 "Tastaturpuffer" aus einem Streifen...


    Die idee, beide Seiten gleich mit dem Klebeband zu versehen, erwies sich als unpraktisch, weil beim Ausstanzen die Klebebänder aneinander kleben - praktisch unlösbar :-(


    Bei der Platinenseite habe ich bisher nur einen Plan: Das doppelseitige Klebeband mit der Rettungsfolie bekleben und dann ausstanzen.


    Dann die den "Puffer" in den Taster kleben und darauf dann die "Stempelfolie" anbringen....


    ...Fortsetzung folgt...

  • Ui, hätte gar nicht gedacht das doch so viele mit ähnlichen Problemen kämpfen. Danke für die vielen Infos. Ich war versucht mir bei ebay den Teilesatz zu kaufen, aber ich glaube ich werde die Bauhaus - Lösung wählen, Schaumstoff und Stanzeisen kaufen. :)


    Viele Grüße
    Andreas