• Glückwunsch!

    Mir ist aber die Streifenführung nicht ganz klar. Auf dem ersten Bild sieht man nicht, wo die rauskommen (erst habe ich gedacht, die laufen komplett rum von der unteren auf die obere Spule oder umgekehrt), aber ich nehme an, dass die auf der Vorderseite (gegenüber den Spulen) beide rauskommen? Einmal Stanzer, einmal Leser?


    Vielleicht hast Du mal ein Bild mit eingelegtem Streifen von "vorne"?


    Und wo ist der Datenanschluss?


    Viel Erfolg beim Restaurieren. Und wenn Du irgendwo eine Quelle für bezahlbare Lochstreifen auftust kannst Du mich gerne informieren 8-)

  • Das Teil ist nur ein Stanzer. Der eingelegte Streifen wird von der unteren Rolle abgewickelt, geht um das ganze Gerät herum (der Stanzmechanismus ist auf der Vorderseite hinter dem schwarzen Gummischnorchel) und wird dann umgelenkt und auf der oberen Rolle wieder aufgewickelt.

  • Aha, Danke für die Aufklärung.

    Jetzt habe ich mir den "Schnorchel" etwas genauer angesehen - vorher hatte ich das etwas anders interpretiert und das für einen Transportmechanismus gehalten, der dann allerdings quer zur ursprünglichen Bewegungsrichtung stand.


    Somit scheint der Stanzer aber für größere Datenmengen gedacht zu sein - mit eigener Aufwicklung und ca. einem halben Meter "Streifenverlust" durch das Auffädeln auf der oberen Spule.


    Ich kenne sonst nur die GNT-Geräte - da hat man den Eindruck, dass die bauartbedingt eher für kürzere Streifen von wenigen Metern gedacht sind.

  • Das Teil ist eine Profimaschine, die im Ernstfall eine komplette Rolle perforieren und wieder ordentlich aufwickeln kann, mit dem Problem, dass die aufgewickelte Rolle wieder umgewickelt werden muss, da der Streifenanfang ja dann innen liegt...


    Das Ding macht 75 Byte pro Sekunde, da geht was... (wenn's geht)

  • Die 75 Zeichen/sec schaffen die GNTs wohl auch, obwohl der Stanzer dort eher schmächtig aussieht. Aber die wickeln halt nicht auf. Für's Hobby reicht das aber allemal - ich bin heilfroh, so einen zu haben ...


    GNT 4601.pdf

  • Vermutlich hast Du das auch schon gefunden: Meine Lieblingsfirma 8-) hatte den Stanzer auch im Programm, dort lief er als Wang PTP-3.


    Facit_4070_TapePunch.729-0930.4-81.pdf (gefunden auf wang2200.org)


    Die haben da zwar ein spezielles Interface drangeschraubt zwecks Code-Übersetzung, aber der größte Teil des Dokuments scheint ein vollständiges Service-Handbuch von Facit zu sein.

  • Das Equipment zum Lochen und Stanzen ist bei mir an den Seiten eines S100-Fernschreibers angebracht. Bis jetzt habe ich aber noch nicht rausgefunden, wie ich die ansteuern kann. Die Leitungen für Tastatur und Druckwerk konnte ich identifizieren. Bei Signalpegeln von 80 Volt bin ich aber vorsichtig...


    Gruß, Jochen

  • Das Equipment zum Lochen und Stanzen ist bei mir an den Seiten eines S100-Fernschreibers angebracht. Bis jetzt habe ich aber noch nicht rausgefunden, wie ich die ansteuern kann. Die Leitungen für Tastatur und Druckwerk konnte ich identifizieren. Bei Signalpegeln von 80 Volt bin ich aber vorsichtig...


    Gruß, Jochen

    Ich dachte, daß die Daten innerhalb des T100 mechanisch übertragen werden ?!

    Elektrisch übertragene Daten dürfte es dann nur auf der Stromschleife (TTY) geben.

  • Die Geschichte geht weiter. Hab noch einen Facit 4070 in der Bucht geschossen - mit defektem Stanzwerk (eine Nadel hat geklemmt, mehrere Nadeln fehlten...). Aber der 4070 ist sowas von Teilekompatibel: Stanzwerk getauscht - geht!


    Jetzt muss ich nur noch die serielle Schnittstelle adaptieren, hab bisher leider noch keine Dokumentation zu der Variante gefunden...



  • Nach korrekter Jumperung der Schnittstellenkarte auf 8-Bit ("1" heißt in diesem Fall keine Jumper - muss man erst mal drauf kommen...), Umlöten der Pins 2 und 3 am seriellen Stecker (ich habe kein gekreuztes Kabel...) und mühsamer Installation des Uralt-Treibers für den USB-Seriell-Konverter aus China (mit dem neuen Treiber geht es unter W7 nicht...), ist es mir gelungen, den Facit 4070 unter Windows 7 in Betrieb zu nehmen. Klingt wie ein Maschinengewehr und funktioniert nach 40 Jahren wie am ersten Tag. Faszinierend!

  • Die Hinterhältigkeit mit 1 = Jumper offen kenne ich auch, vom Datenklo.

    Dabei rührt das einfach daher, daß sich 1 und 0 auf high und low bezieht, so wie im Datenblatt des Modemchips angegeben.

    Die entsprechenden Leitungen haben einen Pullup-Widerstand und werden mit dem Jumper auf Low gezogen.

    Auch wenn man's weiß, besteht das Risiko, daß man sich dabei noch vertut - zumindest mir geht das so.

  • Platine mit Anleitung, hab ich auch noch nicht gesehen.

    :thumbup:

    Ja, das war mir auch schon angenehm aufgefallen :) Aber da war ja auch reichlich Platz drauf.

    Im Übrigen meine herzlichen Glückwünsche zu dem Spielzeug. Wir können uns ja dann zukünftig Lochstreifen posten...

  • Dinge, die kein Mensch braucht:


    Ein Colt ohne Kugeln...

    Ein Data I/O ohne BROM-Rohlinge

    Ein Facit 4070 ohne...


    Eben kam ein Paket... 20kg... Altpapier: mittlerweile irre schwer zu bekommen!


  • Das Equipment zum Lochen und Stanzen ist bei mir an den Seiten eines S100-Fernschreibers angebracht. Bis jetzt habe ich aber noch nicht rausgefunden, wie ich die ansteuern kann. Die Leitungen für Tastatur und Druckwerk konnte ich identifizieren. Bei Signalpegeln von 80 Volt bin ich aber vorsichtig...


    Gruß, Jochen

    ich glaube wir müssen mal telefonieren, wenn Interesse bitte PN.

  • Jetzt habe ich mir tatsächlich eine halbe Stunde lang Euer "Fachgespräch" angehört... naja, lustig wars schon, wenn auch teilweise mit ein paar Längen :tüdeldü:

    Das würde aber durch die schönen Stücke und viele kleine Hintergrundinformationen kompensiert, auch wenn die teilweise etwas versteckt daherkommen. :anbet:


    Ein paar Kommentare von mir hierzu:


    Dein Kumpel hat recht mit dem FF: Beim Teletype hieß die Taste afair RUBOUT; man hat den Streifen auf Knopfdruck genau ein Zeichen zurück transportiert und dann mit der Taste RUBOUT das Zeichen durch Lochen aller Locher gelöscht - der Rechner hat das dann beim Lesen einfach ignoriert.

    Zukleben war deutlich kritischer, besonders bei den hohen Geschwindigkeiten beim Lesen. Es gab noch Werkzeuge, mit denen man einzelne Löcher stanzen könnte, aber das war eher nicht zur Korrektur gedacht.


    Ansonsten war das der wesentliche Vorteil von Lochkarten - soweit es sich um Programme handelte konnte man recht einfach durch Austausch von Karten zeilenweise korrigieren. Bei Streifen war das unmöglich.


    Ich würde deshalb Karten und Streifen auch nicht in eine zeitliche Reihenfolge bringen, wie ich das bei Euch rausgehört habe: Beides hatte seine Einsatzbereiche, und nach meiner Erfahrung gab es keine ernsthaften Überschneidungen. Mag sein, dass die Karten technologisch älter sind, und die Streifen sich in der genannten CNC-Nische länger gehalten haben. Daraus würde ich aber keine Vorgänger- /Nachfolger-Beziehung ableiten. In ihren Kerngebieten wurden die Lochkarten nie durch Streifen ersetzt.


    Aber das ist akademisch - auf jeden Fall üben diese Speichermedium eine große Faszination aus, und dafür ein großes Dankeschön! :thumbup:

  • Beim Teletype hieß die Taste afair RUBOUT

    Das Zeichen ist (sinngemaess) heute noch im ASCII Zeichensatz unter DEL (0x7F) vorhanden.



    Ansonsten war das der wesentliche Vorteil von Lochkarten - soweit es sich um Programme handelte konnte man recht einfach durch Austausch von Karten zeilenweise korrigieren. Bei Streifen war das unmöglich.

    Also sowas wie EDLIN ? :-)

    Nur Lochkarte war einfacher.

    ;------------------------------------
    ;----- ENABLE NMI INTERRUPTS
    (aus: IBM BIOS Source Listing)

  • Mag sein, dass die Karten technologisch älter sind, und die Streifen sich in der genannten CNC-Nische länger gehalten haben. Daraus würde ich aber keine Vorgänger- /Nachfolger-Beziehung ableiten. In ihren Kerngebieten wurden die Lochkarten nie durch Streifen ersetzt.


    Aber das ist akademisch ...


    Stimmt aber schon doch irgendwie. Die Karten hat schon der Herr Hermann Hollerith persönlich benutzt. Von dem stammt glaub' ich auch letztlich die Formatfestlegung ( so groß wie ein 20$ Schein aus dieser Zeit ) und die 80 Spalten. Die ursprünglichen Zählkarten haben noch bißchen anders ausgesehen.


    Damit hat die Karte schon ein bißchen "Vorlauf".


    Und bei den Streifen bin ich mir gar nicht so ganz sicher inwieweit nicht evtl. der Turing da ausschlaggebend für die Verbreitung war, weil der sich ja auf "Bänder mit Anweisungen" bezieht und auch das Gerät, was er benutzt hat, Steuerbänder hatte. Das ist aber dann 1940 ca. und nicht 1895 !

  • Beim Teletype hieß die Taste afair RUBOUT

    Das Zeichen ist (sinngemaess) heute noch im ASCII Zeichensatz unter DEL (0x7F) vorhanden.

    Korrekt.


    Übrigens frage ich mich, ob es bei Lochkarten die gleiche Regel gab - mir ist das jedenfalls nicht geläufig, bei Tippfehlern hat man im Zweifelsfall die ganze Karte neu gestanzt. Vor allem gab es bei Lochkarten häufig Form-Vorgaben: bestimmte Daten mussten in bestimmten Spalten stehen. Beispiel FORTRAN-Programme: Um eine Kommentarzeile zu kennzeichnen musste in der ersten Spalte ein C stehen, für Fortsetzungszeilen in Spalte 6 etwas anderes als ein Leerzeichen, und ab Spalte 73 wurde alles ignoriert (da konnte man die Karten/Zeilen durchnummerieren). Auf Datenkarten war das teilweise noch strenger, und so dürfte eine Korrektur durch "Auslochung" hier selten funktionieren.

    Ansonsten war das der wesentliche Vorteil von Lochkarten - soweit es sich um Programme handelte konnte man recht einfach durch Austausch von Karten zeilenweise korrigieren.

    Also sowas wie EDLIN ? :-)

    Nur Lochkarte war einfacher.

    :like:

    Schöner Vergleich: EDLIN als (vergeblicher) Versuch, die Arbeit mit Lochkarten zu simulieren :roll2:

  • Stimmt aber schon doch irgendwie. Die Karten hat schon der Herr Hermann Hollerith persönlich benutzt. Von dem stammt glaub' ich auch letztlich die Formatfestlegung ( so groß wie ein 20$ Schein aus dieser Zeit ) und die 80 Spalten. Die ursprünglichen Zählkarten haben noch bißchen anders ausgesehen.


    Damit hat die Karte schon ein bißchen "Vorlauf".


    Und bei den Streifen bin ich mir gar nicht so ganz sicher inwieweit nicht evtl. der Turing da ausschlaggebend für die Verbreitung war, weil der sich ja auf "Bänder mit Anweisungen" bezieht und auch das Gerät, was er benutzt hat, Steuerbänder hatte. Das ist aber dann 1940 ca. und nicht 1895 !

    Wie gesagt, hier wird es schnell akademisch.


    Zum einen wage ich keine Aussage, wann und wo die bekannten 80-Spalten Lochkarten geschaffen wurden - es gab definitiv verschiedene konkurrierende Formate (hat nicht z.B. Joe_IBM ganz andere Karten?)


    Das Prinzip der Lochung ist bekanntlich noch älter von den Jacquard-Webstühlen, und da sind wir irgendwo am Anfang des 19. Jahrhunderts.


    Ich stimme Dir aber zu, dass von Nutzung und Optik her die Hollerith-Karten als Ursprung der typischen Lochkarte zu sehen sind.


    Die Ursprünge des Lochstreifens sehe ich persönlich beim Fernschreiber, aber da mag ich irren, und zeitlich genau einordnen kann ich das auch nicht.


    In der Wikipedia wird sogar der Lochstreifen als Vorläufer der Lochkarte genannt - auch dem mag ich nicht folgen.


    Für mich stehen die beiden Systeme in ihren Hochzeiten zeitlich weitgehend parallel, aber in unterschiedlichen Welten: Lochkarten im Großrechner-Umfeld, Lochstreifen bei Minirechnern wie PDP.

  • hat nicht z.B. Joe_IBM ganz andere Karten?

    Ja, die entstanden aber definitiv später. Die IBM 1440 hatte noch die "normalen" 80-Spalten Lochkarte. Die später entwickelte IBM System /3 benutzt kleinere Karten (etwa halb so lang) die 96 Zeichen fassen, die in 3 Zeilen untergebracht sind.

  • Vor allem gab es bei Lochkarten häufig Form-Vorgaben: bestimmte Daten mussten in bestimmten Spalten stehen.

    Beim The Virtual Keypunch kannst du sogar die Lochkarten einstellen.

    Etwas weiter unten gibt's Erklaerungen hierzu.

    ;------------------------------------
    ;----- ENABLE NMI INTERRUPTS
    (aus: IBM BIOS Source Listing)

  • Sehr nette Virtual Anwendung ! Vor allem mit dem Sound dazu ist das großartig.


    Fernschreiber sind wohl tatsächlich nochmal weit davor, das gibts ja in jedem zweiten Western, wenn der Mann mit der Schildmütze Daten durchgibt, oder eben nicht, weil die Banditos die Cables durchtrennt haben.


    Hier noch als AddOn zum Angucken ( Empfehlung kam von https://www.heise.de/newsticke…vater-der-IBM-942547.html , wo die Links aber nicht mehr klappen ):


    https://patents.google.com/patent/US395781A/en

    https://patents.google.com/patent/US395782A/en