Kennt jemand den Olytext 30 ...

  • ... bzw. kennt jemand diese Z180-Karte, die sich in meinem Oly befindet?


    Kurzer Hintergrund ... der Oly ist ein Elektroschrott-Fund, den ich vor vielen Jahren gemacht habe ... damals lief er an, und ich habe wohl die nötigsten Tools auf die Festplatte kopiert und die Software zum Runterkopieren per 720K-Diskette per ARJ archivert. Ich weiß nicht mehr, was ich ein- oder ausbauen wollte, jedenfalls lag er nun ein paar Jährchen rum. Er springt aktuell nicht mehr an, da der Netzschalter (wenn das Netzteil noch geht) über eine komische Bowdenzug-Vorrichtung von einem Knopf an der Front bewegt werden sollte, die Plastikhülle des Zuges aber in Auflösung begriffen ist.


    Ich habe die Festplatte mit dem MFM-Emulator von David Gesswein auslesen können, und außerdem die EPROMs gesichert. Die Olytext-Software beschwert sich beim Start in der Emulation über einen fehlenden Coprozessor, und wenn man die Datei anschaut, finden sich Hinweise, dass die Textverarbeitung keine DOS- sondern eigentlich eine CP/M-Anwendung ist. Im ROM der Karte ist von einem BOLY- oder IBOLY-Monitor die Rede.


    - Hat jemand von Euch die Originaldisketten für den Olytext 30 (auf der Festplatte sind ziemlich persönliche Dokumente)
    - Gab es diese Z180-Karte außerhalb des Olytext? Hat jemand ein CP/M oder Unterlagen dafür?
    - Wie finde ich heraus, an welcher Stelle sich diese Karte einklinkt, um den Z180-Monitor anzuspringen, etwa wie die Low-Level-Format-Routinen von MFM-Controllern?
    - Weiß jemand, welche Grafikkarte der Oly original hatte? Bei mir war eine 8bit-VGA dabei, die passt aber irgendwie nicht zum Rest :)


    Spannendes Teil :)


    Gruß, Robert

  • Viele Schreibmaschinen liefen mit 8080 oder Z80- oder Derrivaten (z.B. bei Olivetti NEC D78xx und der Hitachi HD64180 CPUs) davon. Vielleicht emuliert diese Karte solch eine Schreibmaschine von Olympia mit deren Firmware. Vielleicht braucht die Wordprozessing-Software genau das, um der Sekretärin den Umstieg zu erleichtern.


    Ein Foto des Gesamtgerätes wäre auch mal interessant.

  • Ich habe einen Olytext 20 (ohne jedes Zubehör) rumstehen, zu dem ich wenig sagen kann, weil der Tag, an dem ich Zeit für das Teil habe, erst noch kommen muß. Gemäß einiger Fundstellen im Netz läuft darauf aber CP/M. Könnte Deine Z180-Karte eine Art "Olytext 20 im Olytext 30" sein, um Rückwärtskompatibilität zu erreichen?


    Gruß,
    Markus

  • Ach, die Neugier. Und plötzlich hat man einen Schraubendreher in der Hand.



    Die Gehäuse von Olyport 20 und 30 sind anscheinend bis auf die Front- und vermutlich die Rückplatte gleich. Laufwerke und Netzteil sind in die Gehäuseoberschale geschraubt und nehmen dort je etwa die Hälfte des Raums ein. Tut mir leid, daß einige IC-Beschriftungen vor Staub nicht lesbar sind, aber ich will jetzt lieber nicht mit einer Gerätereinigung anfangen.


    Gruß,
    Markus

  • Cool! Wenn Du eh schon da bist ... könntest Du bitte das ROM auslesen und posten?


    Der Olytext 30 ist so eine Backplane/SlotCPU-Geschichte und wohl bis auf die Z180-Karte ein ganz normaler XT-Clone. Da alles sehr kompakt ist, ist es auch sehr verwinkelt und verbaut.


    Ach ja, die originale Grafikkarte habe ich auch gefunden ... das ist so eine CGA/Hercules-Kiste, dem Chipset nach müsste sie auch EGA können.

  • Ich habe den 20er zwar schon wieder zusammengebaut und weggestellt, mir jetzt aber doch vorgenommen, ihn am Wochenende endlich mal näher anzusehen und einen vorsichtigen Einschalttest zu machen. Mangels Tastatur werde ich erstmal nicht viel damit anfangen können.


    Cool! Wenn Du eh schon da bist ... könntest Du bitte das ROM auslesen und posten?


    Ich hoffe, es sind EPROMs, und vermute, daß das links oberhalb des Video-Bausteins der Zeichengenerator ist und rechts unterhalb des Z80 die eigentliche Software, d.h. vermutlich (Teile eines) CP/M und eine Textverarbeitung. Ich kann gerne einen Ausleseversuch machen.


    Gruß,
    Markus

  • Ich habe mir überlegt, daß es vielleicht besser ist, die EPROMs noch vor irgendwelchen Inbetriebnahmeversuchen auszulesen, und habe mit dem Software-EPROM (ein M2732A) begonnen. Um die Würde des Augenblicks zu wahren, und im Interesse eines stilgerechten Vorgehens, habe ich das mit einem Olyport erledigt.



    Die Binärdatei besteht schon mal nicht aus lauter Nullen, sondern ich kann darin einen Boot-Menütext sehen. Es bestehen also Chancen, daß der EPROM-Inhalt noch in Ordnung ist. Mehr als Grundfunktionen scheinen in diesen 4kB aber nicht zu stecken, die eigentliche Software muß wohl erst von Diskette geladen werden.


    Wie ist die rechtliche Seite? Kann ich den Dump hier hochladen? Oder Dir lieber direkt schicken?


    Gruß,
    Markus

  • Na das nenne ich mal edel ... vom Olyport hatte ich bislang noch nichts gehört :)


    Mein erster Post enthält die DUMPs von den ROMs des Olytext 30 :)


    Liest Du den Zeichengenerator auch noch aus?


    NCR DMV/Olivetti M20/ITT 3030/DEC Rainbow 100/Siemens PC-D/OlyPeople/MFA 8085/TA Alphatronic

  • Vielen herzlichen Dank!


    Jetzt müssten wir für Deine Olytext nur noch irgendwoher eine Bootdiskette organisieren.


    NCR DMV/Olivetti M20/ITT 3030/DEC Rainbow 100/Siemens PC-D/OlyPeople/MFA 8085/TA Alphatronic

  • masi ...


    ... ich hatte anscheinend vor ca. 15 Jahren mal eine Olytext 20 ... und damals schon Disketten gesucht:


    http://z80cpu.eu/files/archive…ads/eb4db46fc2e42999.html


    ... aber leider nie erhalten und die Maschine dann weiterverkauft. Hast Du die mir damals abgenommen? :tüdeldü:


    Zu meiner hochnotpeinlichen Erklärung: Damals hatte ich selber noch keinen Eprommer, und ans MAME-Projekt bin ich erst so um 2012 geraten :mrgreen:


    NCR DMV/Olivetti M20/ITT 3030/DEC Rainbow 100/Siemens PC-D/OlyPeople/MFA 8085/TA Alphatronic

  • Sodale ... beschwingt vom Erfolg mit dem Olytext 20 habe ich mir den Olytext 30 auch nochmal zur Brust genommen ... da kein EGA-Monitor zur Hand war, bekam er eine 8bit VGA-Karte spendiert und der defekte Netzschalter wurde überbrückt. Er läuft jetzt an, wenn man das Netzkabel ansteckt ... alles natürlich rückbaubar :)



    Das war vor etwa 25 Jahren mal ein Grabbelkistenfund ... ich mag den etwas speziellen Font ... der wird gleich zu sehen sein. Leider war mein Monitor ziemlich eingebaut, so dass die Bilder nicht optimal sind.



    Die VGA-Karte macht sich ziemlich breit, aber immerhin ist die AEG-OLYMPIA-Meldung noch zu sehen.



    Cherry-Keyboard-Treiber hin oder her, das Ding braucht ein XT-Keyboard, ansonsten gibt es schon auf dem POST-Schirm eine Fehlermeldung.



    Und hier startet das Olytext 30 ...



    Olytext 30 benötigt die Z180-Zusatzkarte, die im 1. Post gezeigt wird, sonst kommt eine Fehlermeldung. Die Software an sich sieht dann aus wie das Olytext vom Olytext 20.




    NCR DMV/Olivetti M20/ITT 3030/DEC Rainbow 100/Siemens PC-D/OlyPeople/MFA 8085/TA Alphatronic

  • Das bedeutet, Olixet 30 läuft auf einer Z80-Hardware-Emulation. Beeindruckend...

  • Danke für den Beitrag.

    Das ist ja schräg. Die haben Hardware entwickelt, um eine einzige einigermaßen primitive kb-große Software weiternutzen zu können, an Stelle einer Konversion auf x86?

    Oder waren die paranoid und wollten ihre beste Textverarbeitung der Welt mit der Karte als "Dongle" vor Kopiereien schützen?

  • Danke für den Beitrag.

    Das ist ja schräg. Die haben Hardware entwickelt, um eine einzige einigermaßen primitive kb-große Software weiternutzen zu können, an Stelle einer Konversion auf x86?

    Oder waren die paranoid und wollten ihre beste Textverarbeitung der Welt mit der Karte als "Dongle" vor Kopiereien schützen?

    Das war damals oft so. Nicht umsonst hatte der NEC-V20-Prozessor als 8086-kompatibler eine komplette 8080-Emulation eingebaut - und der war ein wirtschaftlicher Erfolg.


    Eigentlich ging's gar nicht darum, "eine Software über die Zeit" zu retten, sondern um die Investitionssicherung der Endkunden: Immerhin haben die die Sekretärin, die damit gearbeitet hat, zwei Wochen auf den Grundkurs, eine Woche auf den Aufbaukurs und regelmäßig zu Nachschulungen geschickt. Und ihr wahrscheinlich einen Tag in der Woche frei gegeben, dass sie sich einarbeiten konnte - Da steckte mehr Investition drin als in der eigentlichen Maschine. Zu Zeiten, als die Olytext verkauft wurde, waren die Frauen, die dran getippt haben, die Königinnen im Schreibbüro.... Nicht so wie heute, wo man irgendeine Software kauft, die CD-s hinwirft und sagt "die werden schon damit klarkommen".

  • Investitionssicherung der Endkunden:

    Das hat aber doch wenig mit der Designentscheidung zu tun, oder?


    So ein Board wird die Kosten für die Hardware deutlich erhöht haben um sicher 10-20%


    Und das zu einer Zeit wo der Preisdruck mit den XT Clones so richtig los ging.


    Und dann auch nur 8 bit - was das Ding zu einer Briefschreibmaschine degradiert obwohl der Host XT allein viel mehr kann.


    Und die Olytext Software war ok aber nun wirklich nichts besonderes gegenüber einer durchschnittlichen Textverarbeitung auf dem XT.


    Den Olympia-Ingenieuren Dummheit vorzuwerfen wäre arrogant. Die hatten sicherlich ihre guten Gründe dafür. Ich verstehe es nur noch nicht.

  • Warum nicht?

    'Die Sekretärinnen werden keinen Unterschied sehen' lässt sich dem Kunden bestimmt besser verkaufen als 'Das ist ein komplett neues System, das die Sekretärinnen wieder neu lernen müssen".

  • Waum nicht?

    'Die Sekretärinnen werden keinen Unterschied sehen' lässt sich dem Kunden bestimmt besser verkaufen als 'Das ist ein komplett neues System, das di Sekretärinnen wieder neu lernen müssen".

    Das kann man doch für x86 umsetzten, so daß der Bediener keinen Unterschied sieht.

  • Waum nicht?

    'Die Sekretärinnen werden keinen Unterschied sehen' lässt sich dem Kunden bestimmt besser verkaufen als 'Das ist ein komplett neues System, das di Sekretärinnen wieder neu lernen müssen".

    Das kann man doch für x86 umsetzten, so daß der Bediener keinen Unterschied sieht.

    Das hätte man tun können.


    Vielleicht wollte Olympia einfach keine Softwarefirma, sondern eine Hardwarefirma sein.


    Ich gehe mal davon aus, dass die Software zugekauft war, möglicherweise mit unbegrenzten Lizenzen, die nichts extra gekostet hätten. Dann kann man so eine Entscheidung schon eher nachvollziehen - "Wir handeln uns nicht wieder den damaligen Ärger mit der Softwarefirma ein, da machen wir kurz eine Steckkarte..."

  • Vielleicht wollte Olympia einfach keine Softwarefirma, sondern eine Hardwarefirma sein.

    Das kommt dem wahrscheinlich schon näher.

    Ich hab mal wo gelesen, daß Olympia eine Schreibmaschinenfirma war, in der zur Zeit des Einzugs von Rechnern in die Büros schon Untergangsstimmung herrschte und die Hardware/Software zugekauft / woanders hat entwickeln lassen.

    Der People ist ja z.B. auch "made in japan", der "Olytext 20" auch.


    So ähnlich vielleicht wie bei Triúmph-Adler. Die haben auch bei externen ing Büros gekauft (die P2 ist von KISS, der alphatronic PC8 aus Japan...)


    Vielleicht gabs bei Olympia für die Rechner ja auch gar keine Entwickler, sondern "nur" Einkäufer und "Produktmanager"..... Und im Zusammenspiel mit wenig Fachkenntnis und Fachfähigkeiten "in house" und nur mit den externen Partnern kamen dann solche Lösungen zu Stande....

  • Das Problem war auch, dass die "Computerleute" in der Minderheit waren. Zugekauft..geht gar nicht. Wir machen ja unsere Schrauben selbst (Stimmt echt!)

    Olympia war immer dominiert von Feinmechanikern. Trotz allem: Erste Schreibmaschine als Tintenstrahldrucker für Chinesisch, eines der ersten Bildtelefone für ISDN. Sad story..

  • Guten Abend

    willers


    Ist aber kein Einzelfall,

    wenn man sich z.b. der Hergang von Kiezle , Mannesmann Kienzle und Nachfolger anschaut,


    oder auf CNC Steuerungsseite z.b. von , Numeric, Deckel, Grundig, Philips, uns noch so vielen anderen,


    es gab , gib immer wieder Übernahmen Ausgrenzungen, Auslagerung , Isolvenzen oder Zusammenschlüsse von einzelen ,

    oder auch von größeren global Playern


    oder schau dir mal IBM an,

    Ihr Motto "Beständigkeit durch Veränderung " wie sich der Konzern z.b. von der Pc-Sparte trennte, ist eine Geschichte für sich,

  • Bei Olivetti waren die Computerleute zwar nicht in der Minderheit, aber auch die Italiener haben ihre Schrauben wohl selber gemacht. Wenn ich mal wieder was in der Hand habe, kann ich ja mal die eine oder andere Stilblüte zeigen...

  • Passiert ja auch nicht nur in D. Wer erinnert sich noch an DEC, Sun, IMSAI.....

    Kann man die wirklich vergleichen?


    DEC und SUN vielleicht, die hatten sich auf ein Produkt eingeschossen, daß irgendwann keinen signifikanten Markt mehr hatte (Minicomputer, Workstation).


    Aber IMSAI?