Mikrofilm und Mikrofiche (aus Mein neustes Etwas)

  • Ich denke, daß die Filme damals fototechnisch vervielfälktigt wurden, das war wesentlich einfacher als Drucken...

    und tatsächlich auch wirtschaftlicher, denn der ganze Mist mit dem umskalieren und belichten von Druckplatten entfällt auch komplett. Das war früher ein Mords Aufwand, das weiß ich noch von meinem ersten Praktikum in einer kleinen Druckerei. Da gab es noch klassisch eine komplette "Setzerei" als Abteilung, was heutzutage jedes DTP Programm macht.


    By the way würde der Offset Druck schon aus einem ganz simplen Grund nicht funktionieren - Offset Druck= Rasterdruck

  • Davon abgesehen, war das doch "billig": 100 DIN A4 Seiten auf einem Fiche; dutzende Fiches versandt im C6 Umschlag als Warensendung für DM 2,00 Porto...

    Exakt, ich glaub im Abo kostete den Chef das damals 10 Märker im Monat beim Schaltungsdienst Lange. Aber wie gesagt, im Werkstattalltag, am offenen Patienten eher unpraktisch im Handling ;-)

  • Habe grade Fiches gefunden, da sind die A4 Seiten nochmals deutlich kleiner als 8mm x 12mm...

  • Ich verstehe, da gibt es ein prinzipielles Problem. Wie ist es mit Aufsätzen für das Scannen von Dias? Ich könnte mir vorstellen, daß diese der Tiefenschärfe nicht förderlich sind und die Auflösung noch weiter verschlechtern, so daß man bei Microfiches erst recht keine Chance hat, noch Einzelheiten zu erkennen. Trotzdem wäre ich neugierig.


    Zumal mir jetzt einige Ideen durch den Kopf gehen, wie ich mit vorhandenen Mitteln einen Scanner dafür bauen könnte :)

    Zum scannen von Filmen und Dias empfehle ich den Canon 9000F Mark II - ein bezahlbarer Durchlichtscanner für den heimischen Rechner. Er hat auch schon entsprechende Adapterauflagen für diverse Standardformate dabei und kann aber auch ganz normal als Auflichtscanner genutzt werden. Diese ganzen Billg Stand Alone Lösungen taugen echt Null!!!


    Evtl. kann man mit dem auch Microfiche einscannen - sehe ich jetzt grundsätzlich zumindest kein Problem drin. Ich hab den Scanner aber leider keine Microfiche, sonst könnte ich das mal testen.

  • Also.

    Original A4 - ich möchte 0,1mm Auflösung (100µm) - halte ich noch für Grob!

    Das wurde um den Faktor 25 verkleinert (300mm -> 12mm).

    D.h. der Scanner muss 4µm Auflösung haben.

    25,4mm / 4µm --> 6350 echte DPI sind nötig.


    Ich denke eher an: EL Folie, dann Fiche, dann optisch gute Glasplatte, dann USB Mikroskop. Das ganze in einem alten 3D Drucker verbaut.


    Hier mal als Beispiel EL Folie unter dem Fiche (ist unscharf, weil ich vermutlich mit dem Handy gewackelt habe):


  • D.h. der Scanner muss 4µm Auflösung haben.

    25,4mm / 4µm --> 6350 echte DPI sind nötig.

    Im Durchlichtverfahren schafft der Mark II bis zu 9600 dpi - wie gesagt, das ist kein Billgheimer sondern ein Semi Gerät. Ich würde es zumindest mal testen, wenn ich denn Scanmaterial hätte8-)

  • Wir hatten früher in der Firma (KFZ-Werkstatt) auch mehrere Microfiche Lesegeräte. Ich fand das gar nicht so schlecht. Wenn man das System kannte, hat man relativ zügig die Ersatzteile und ggf. Werkstattinformationen gefunden. Als dann diesbezüglich auf EDV umgestellt wurde, gab es viele Probleme und man hat den Microfichegeräten nachgetrauert. Im Laufe der Zeit wurde die EDV natürlich stabil und die Microfiche Geräte standen wegen fehlender Informationsupdates nur noch rum, bis sie letzten Endes weg kamen.

    Wir hatten auch so einen riesigen Microfichedrucker. Man konnte an dem Lesegerät die passende Bildtafel raussuchen und auf Knopfdruck das ganze auf DIN A4 ausdrucken. Die Qualität war ausreichend für Explosionszeichnungen und Reparaturinformationen.

    Es gab sogar Lehrgänge auf Microfiche. Ich habe hier noch einen Bosch K-Jetronic Lehrgang auf Microfilm inkl. Hörspielkassette.. :-)


    Gruß Jan

  • Ich habe hier noch einen Bosch K-Jetronic Lehrgang auf Microfilm inkl. Hörspielkassette..

    Echtes Home-Learning/Fernkurse eben8o:thumbup:

    Eher nicht... Kein Mensch hat ein Microfiche-Gerät zuhause.... :-D


    (oder zumindest war das damal so) :-)



    Gruß Jan

  • Eher nicht... Kein Mensch hat einen Microfiche-Gerät zuhause....

    fiel mir dann auch auf, als ich schon auf "antworten" geklickt hatte, hab dann noch Fernkurs ergänzt 8o


    Wo damit auch viel bis in die 2000er und vermutlich auch heute zum Teil noch gearbeitet wird, ist bei der BW - Thema TDO (Technische Dienstvorschriften). Zumindest bin ich da letztmalig noch persönlich mit selbigen in Berührung gekommen. Das Zeug war da meist beim Schirrmeister unter Verschluss. Ist ja streng geheim so ein 10 to mil glw, in der zivilen Welt auch MAN KAT genannt ;-)

  • Ich habe gerade mal probehalber einen Microfiche auf den Scanner gelegt.

    Ergebnis bei 600 DPI: Völlig unbrauchbar, siehe Ausschnitt.


    Auf dem A6 Microfiche sind A4 Seiten in Aufteilung 28 x 14 abgebildet, also 392 Seiten auf einem Fiche.

    Das erfolgreich zu scannen erfordert schon eine etwas höhere Auflösung.


    Die letzten Fiches, die ich hier gefunden habe, sind übrigens von 1997.

    Das sind Ersatzteillisten (siehe Scan-Versuch) und Preislisten.

  • Ergebnis bei 600 DPI: Völlig unbrauchbar, siehe Ausschnitt.

    fiche-1.jpg

    Keine Rechte das Bild aufzurufen.

    Suche Teile und Geräte für DEC PDP8 Systeme, DEC PDP 11/40 (Unibus) und Teletype ASR-33+ ASR-35. Sowie Zubehör, Doku usw. aus dem Umfeld.

  • fiche-1.jpg

    Ich darf das leider nicht einsehen - keine Berechtigungen zum öffnen... ja, gut, schick ist in der Tat anders bei der Auflösung, da hast Du recht ;-)

    Ich denke aber unabhängig von der Auflösung wird dies mit einem reinen Auflichtscanner auch nichts.


    Ich hab jetzt noch mal extra in die technischen Daten des Mark II geschaut, er schafft im Durchlichtverfahren definitiv bis zu 9600 dpi - ist allerdings Größenabhängig. Als Richtwert ist das DIN A4 Format angegeben - diese Größe kann auf einen Schlag mit maximal 3800 dpi eingescannt werden. Somit sollten die einzelnen Teilbereiche auf einem solchen Bogen kein Problem sein.

  • Auf dem A6 Microfiche sind A4 Seiten in Aufteilung 28 x 14 abgebildet, also 392 Seiten auf einem Fiche.

    Das erfolgreich zu scannen erfordert schon eine etwas höhere Auflösung.

    Das wären dann die um den Faktor 50 reduzierten A4 Seiten mit 4mm x 6mm auf dem Fiche.

    Da braucht es dann (bei 100µm Originalstruktur) 13000 DPI - und wie gesagt - das betrachte ich noch als sehr grob...

  • Ja, der Luxus, den wir heute haben, war ja damals unerreichbar.. Wenn wir damals alles gehabt hätten, was wir heute haben, wären wir stinkreich gewesen. Jeder würde sich in seinem Dagobert-Speicher suhlen... :-D


    Wir haben letztens (zum hundertsten Mal) "Zurück in die Zukunft" geschaut. ich muß immer schmunzeln, wenn der Junge in 1955 sagt

    "Kein Mensch auf der Welt hat zwei Fernseher.."... :-D


    Gruß Jan

  • Ich habe mir extra mal für meinen Youngtimer die fehlenden Microfiche zusammengestoppelt, weil die im Netz kursierende PDF-Version des Teilekatalogs so schlecht aufgelöst wa, dass man nur schwer jeden kleinen Textbezeichner lesen kann. Anwendungen gäbe es....

    Der kühlschrankgroße Microfiche-Leser von nalkem ist mir dann aber an Stelle des schlechten PDF doch unverhältnismäßig dagegen.

  • So, in Ermangelung von Microfiche habe ich mal kurz ein 35 Jahre altes 16mm Negativ genommen und ein einziges Bild grob mit dem Mark II bei 9600 dpi eingescannt.


    Ich denke, dass die schlechte Qualität nichts mit der Vergrößerung und dem Scan, sondern mit dem Original selbst zutun hat, dürfte erkennbar sein. Es handelt sich hierbei um ein Bild, dass seinerzeit aufgrund der schlechten Quali nur Negativtechnisch aber nicht als Bildauszug entwickelt wurde.


    Einzig angewandte Filter sind "automatische Gegenlichtkontrolle" und "Farbkorrektur".


    Die Original Scan Datei ist knapp 150 MB groß. Jetzt natürlich runterskaliert und durch die Forensoftware beschnitten, nachskaliert u.s.w.


    Bitte keine Kommentare zum Bildinhalt 8oFragt nicht, was einem damals als kleiner Schnösel, wie mir durch den Kopf ging, hier seine Billig-Ritsch-Ratsch Kamera zu zücken, bei der faktisch nur jedes dritte Bild etwas wurde ;-)

  • So, in Ermangelung von Microfiche habe ich mal kurz ein 35 Jahre altes 16mm Negativ genommen und ein einziges Bild grob mit dem Mark II bei 9600 dpi eingescannt. Ich denke, dass die schlechte Qualität nichts mit der Vergrößerung und dem Scan, sondern mit dem Original selbst zutun hat, dürfte erkennbar sein. ;-)

    Aber was sagt uns das jetzt? Für unscharfe grobkörnige Kleinbild-Negative ist ein 9600 DPI-Scan nicht nur gut genug, sondern sogar schon Overkill. Aber ob 9600 DPI für feinkörnige, detailreiche Mikrofilme schon brauchbare (wenn auch sicher nicht begeisternde) Scans liefern, wissen wir damit noch nicht, oder?

  • Aber was sagt uns das jetzt? Für unscharfe grobkörnige Kleinbild-Negative ist ein 9600 DPI-Scan nicht nur gut genug, sondern sogar schon Overkill. Aber ob 9600 DPI für feinkörnige, detailreiche Mikrofilme schon brauchbare (wenn auch sicher nicht begeisternde) Scans liefern, wissen wir damit noch nicht, oder?

    Was Dir das sagt, weiß ich nicht, mir sagt das, dass es zumindest mal einen Versuch Wert wäre mit dem Gerät Microfiche einzuscannen, statt nur rum zu spekulieren.

    Du kannst ja gern mal versuchen, ein solches Negativ auf einem normalen Auflichtscanner bei 600 dpi einzuscannen, evtl. wird meine Intention dahinter auch für Dich dann erhellender ;-) Sieht dann nämlich ähnlich aus, wie der Versuch von Toast_r

  • Da hat mein Fund ja eine interessante Diskussion hervorgerufen !


    Zum Thema Kopieren: mit einem Flachbettscanner CanoScan8800F mit angebl. 4800 dpi sieht das Ergebnis so aus:



    Man kann nur ahnen, dass da Buchstaben stehen.


    Aus der Hand mit iPhone12 und einer 12fach Vorsatzlupe kommt man so weit:



    Das Gegrissel im Hintergrund ist das Seidenpapier, das ich provisorisch als Diffusor hinter den Fiche gelegt habe. Wäre ausbaufähig...


    Müsste ich Kopien anfertigen (muss ich zum Glück aber nicht :) ) würde ich es mit einem Dia-Kopieraufsatz für eine Digitalkamera versuchen: Balgen als Vorsatz, Makroobjektiv in Retrostellung, Mikrofiche wie im Sichtgerät zwischen zwei Glasplatten an Stelle des Dias.


    Gruß

    Roland

  • Zum Thema Kopieren: mit einem Flachbettscanner CanoScan8800F mit angebl. 4800 dpi sieht das Ergebnis so aus:

    Das ist der Vorgänger von dem 9000F Mark II - mich verwundern ein wenig die Streifen und die extreme Unschärfe. Hättest Du jetzt nicht erwähnt, dass das der Scan selbst ist (ist er doch, oder?), hätte ich gesagt das ist ein Foto von einem schlecht ausgedruckten Scan.

    In den technischen Daten unterscheiden sich die beiden Scanner nicht allzu sehr, daher bin ich von dem Ergebnis jetzt echt erschrocken.


    Ist das jetzt ein Scan von einer einzelne Seite auf dem Microfiche oder ein Scan von einem kompletten Microfiche?


  • 8mm Breite in 2470 Pixel.

    Das sind 3,2µm pro Pixel oder eben umgerechnet 7800 DPI.

    Mit einem sehr guten optischen Mikroskop und iPhone an Stelle eines Auges.

    Die bunte Struktur im Hintergrund ist die EL-Folie. Ich hatte bisher geglaubt, so etwas leuchtet homogen. Wie man sich irren kann.

    Fazit: hätte ein Scanner wirklich echte 9600 DPI und eine einem Mikroskop ebenbürtige Optik, dann würde das gerade so für die Fiches mit 14x7 Seiten reichen, aber nicht für die mit 28x14 Seiten.


    Ich habe gerade meinen allerersten und uralten 3D Drucker hervorgekramt, der hat noch einen Tisch welcher sich in X und Y bewegt (der Druckkopf bewegt sich nur vertikal). Also optimal zur Montage eines vermutlich schweren optischen Systems mit guter Kamera...


    Ich glaube, ich komme damit dann an die physikalisch begrenzte Auflösung von ca. 500nm oder 50000 DPI :sabber:

  • Typische Verkleinerungen bei Microfilm und -fiche sind 24x und 48x, und ein paar dazwischen.


    Wenn man die 9600dpi als Grundlage nimmt, entspricht das 200 - 400 dpi in der Vorlage. Das passt schon.


    Problem ist i.a., das die 9600dpi der Pixelabstand auf der Scanvorlage meint. Die Aufloesung der Optik ist deutlich geringer, und desto schlechter desto mehr DPI.

    ;------------------------------------
    ;----- ENABLE NMI INTERRUPTS
    (aus: IBM BIOS Source Listing)

  • Fazit: hätte ein Scanner wirklich echte 9600 DPI und eine einem Mikroskop ebenbürtige Optik, dann würde das gerade so für die Fiches mit 14x7 Seiten reichen, aber nicht für die mit 28x14 Seiten.

    vermutlich, ich hätte es halt gern auch mal verprobt, doch wenn bei Roland der Scanner richtig eingestellt war und sein Scan das Maximum war, dann lohnen da auch keine weiteren Anstrengungen von mir. Wäre halt eine super Sache für einzelne Seiten "mal schnell zum scannen" aber für das Scannen kompletter Fiche Archive wäre das so oder so nichts, dessen war ich mir eh bewusst.

    Typische Verkleinerungen bei Microfilm und -fiche sind 24x und 48x, und ein paar dazwischen.


    Wenn man die 9600dpi als Grundlage nimmt, entspricht das 200 - 400 dpi in der Vorlage. Das passt schon.


    Problem ist i.a., das die 9600dpi der Pixelabstand auf der Scanvorlage meint. Die Aufloesung der Optik ist deutlich geringer, und desto schlechter desto mehr DPI.

    Genau das wollte ich mir mal anschauen, wie weit da Theorie und Praxis auseinander liegen :thumbup: